Auf zwei Rädern um die Welt

Wildunfallrisiko für Motorradfahrer

Das Wildunfallrisiko für Motorradfahrer wird weithin massiv unterschätzt. Motorradfahren in schöner Landschaft macht Riesenspaß. Doch Touren durch einsame Wälder und Felder bergen immer die Gefahr von Wildunfällen – hauptsächlich, wenn zu schnell gefahren wird. Viele Motorradfahrer machen sich keine konkrete Vorstellung davon, welche Gefahren hinter Büschen und Bäumen lauern. Bambi kann auch tödlich sein.

Gegen die Risiken des Wildwechsels wird man sich zwar nie hundertprozentig schützen können. Aber es hilft, die Zusammenhänge, Gefahren und Wirkungen zu begreifen. Was muß man als Motorradfahrer zur Risikobewertung von Wildunfällen wissen?

Wildunfallrisiko für Motorradfahrer Nr. 1: Wildreichtum

Deutschland ist das wald- und wildreichste Land Westeuropas zwischen dem Ärmelkanal und der polnischen Grenze. Was einerseits ein Geschenk der Natur ist, birgt andererseits besondere Gefahren für den Motorradfahrer. Äußerste Vorsicht ist deshalb geboten.

Das Beispiel Brandenburgs als wald- und damit auch wildreiches Land gibt eine konkrete Vorstellung hiervon:

  • Im Jagdjahr 2016/2017 wurden insgesamt 168.756 Stück Schalenwild erlegt (+ 4%, Hirsche, Rehe, Wildschweine, Muffelwild). Hinzu kommen 20.728 Stück Niederwild (z. B. Hasen, Kaninchen, Flugwild), 44.127 Stück Raubwild (z. B. Füchse und Marder). Nicht eingerechnet ist eine große Zahl von Fallwild, also durch Unfall, Riß oder Krankheit verendete Wildtiere.
  • Ereigneten sich 2015 auf Brandenburgs Straßen noch 14.788 Wildunfälle, stieg deren Zahl im Jahr 2016 auf 15 944. Jeder fünfte Verkehrsunfall in Brandenburg ist auf einen Zusammenstoß mit einem Wildtier zurückzuführen. Hinzu kommt: 90 % der Wildunfälle werden nicht statistisch erfasst. 63% der Feldhasenstrecke sind Verkehrsopfer.
  • Die Zahl der Wildunfälle in Brandenburg stieg vom Jagdjahr 2015/16 auf 2016/17 um 18%. Dabei wurden 5.030 Tiere getötet. 60% der Wildunfälle ereigneten sich mit Wildschweinen. In der Praxis bedeutet dies: 14 Wildunfälle pro Tag.

Wildunfallrisiko für Motorradfahrer Nr. 2: Wildwechsel

Wann und wo muß besonders mit Wildwechsel gerechnet werden? Erhöhte Achtsamkeit ist besonders dann geboten, wenn das Wild zieht, also:

  • In den Abend- oder Morgenstunden, wenn das Wild zwischen seinen Einständen und der Feldflur aus- oder zurückwechselt;
  • Wildschweine sind in der Regel besonders unberechenbar. Sie sind mittlerweile nicht nur nacht-, sondern auch tagaktiv und können somit durchaus auch am hellichten Tage auf der Straße auftauchen.
  • Während der Paarungszeiten:
    Von November bis Ende Januar: Schwarzwild (Wildschweine). In vielen Gegenden aber auch ganzjährig.
  • Von Juli bis August: Rehwild
  • Von September bis Oktober: Rotwild
  • Von Anfang Oktober bis Mitte November: Damwild
  • Nach Durchzug eines Niederschlagsgebietes, wenn der Regen aufgehört hat, fängt das Wild gerne an zu ziehen.
  • Wenn in der herbst-/winterlichen Jagdsaison die Reviere durch Drückjagden großflächig beunruhigt sind, kommt das Wild oft hochflüchtig.
  • Ausflugsgegenden: Besondere Vorsicht ist geboten, denn dort wird Wild oft aufgescheucht.
  • Rudel: Die meisten Wildtiere sind Herdentiere. Das bedeutet, dass meist noch weitere Tiere in der Nähe sind, wenn eines auf der Straße steht. Wenn ein Rudel zum geschlossenen Sprung über die Straße ansetzt, besteht die große Gefahr, daß man von einem Einzeltier doch noch erwischt wird.
  • Maisfelder: Die Vermaisung der Landwirtschaft hat unter anderem dazu geführt, dass die Wildschwein-Familien die riesigen Maisfelder als Sommerresidenz nutzen, wo sie nach Herzenslust fressen und auch außerhalb des Waldes schlafen können – ohne dass ihnen im hohen Getreide Gefahr droht.
  • Obstbäume an Chausseen sind besondere Gefahrenstellen: Ihr Fallobst wird von Wildtieren gerne angenommen.

Wildunfallrisiko für Motorradfahrer Nr. 3: Nicht angepaßte Geschwindigkeit

Über die Gefahr, sich von der Geschwindigkeit vereinnahmen zu lassen, haben wir schon hier gesprochen. Ganz werden sich Wildunfälle nie vermeiden lassen, aber angepaßte Geschwindigkeit schafft auf jeden Fall überlebenswichtige Reaktionsreserven.

Das heißt: Man muß Wald- und Straßenränder sorgfältig im Auge behalten und bremsbereit sein. Denn in etwa 80 Prozent aller Fälle taucht das Wild nur 20 Meter und kürzer vor dem Fahrzeug auf. Wer da zu schnell fährt, hat keine Chance mehr.

Wildunfallrisiko für Motorradfahrer Nr. 4: Der Aufprall

Hat jemand wirklich eine konkrete Vorstellung davon, welcher Gefahr ein Motorradfahrer bei Wildwechsel ausgesetzt ist?

Analysieren wir folgenden Fall:

Ein Motorradfahrer fährt mit (in vielen Fällen unzulässigen) 100 km/h durch den Wald. Auf einer schweren Maschine, mit der zusammen er 380 kg auf die Waage bringt. Aus einer Waldschneise rennt ein kapitaler Keiler (80 kg, 45 km/h) rechtwinklig auf die Straße zu und trifft voll das Motorrad.

Frage: Mit welcher Energie wird der Motorradfahrer ins Jenseits befördert?

Antwort (einfache Physik, Lehrstoff Klasse 9): 37,11 kJ.

Kommt der Schwarzkittel aber von schräg vorn (45°), erhöht sich die Auftreffenergie auf satte 56,76 kJ.

Zum Vergleich: Ein Geschoß des NATO-Standardkalibers 7,62 x 51 mm hat eine Auftreffenergie von 3,5 kJ. Die Wucht eines Wildschweines beträgt also (die Querschnittsbelastung einmal beiseitegelassen) das 10- bzw. 16fache eines Infanteriegeschosses.

Bild von einem Gedenkkreuz für ein Opfer des Strassenverkehrsals Beispiel fuer das Wildunfallrisiko für Motorradfahrer

Das Wildunfallrisiko für Motorradfahrer bleibt eine stete Gefahr

Deshalb Überlebensregel Nr. 1:

Seien Sie schon bei vermutetem Wildwechsel extrem misstrauisch und vorsichtig!

 

Was tun nach einem Wildunfall?

Über Verhaltensregeln nach einem Wildunfall und bei Auffinden von im Straßenverkehr getötetem Wild informiert der Deutsche Jagdverband.

 

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