Auf zwei Rädern um die Welt

Prignitztour zur Plattenburg

Eine Prignitztour zur Plattenburg bei Bad Wilsnack mit dem Motorrad bringt dem Stadtbewohner, was er im Alltag oft schmerzlich vermißt: eine weite, ruhige Landschaft, blühende Brachwiesen, Kühe und Pferde mit ihren Jungtieren auf den Koppeln, steinalte, naturbelassene Alleen und dabei immer beruhigende wieder Ausblicke in eine reich gegliederte Landschaft.

Route der Prignitztour zur Plattenburg

Friesack – Rhinow – Havelberg – Quitzöbel – Plattenburg – Söllenthin – Bendelin – Kümmernitz – Lohm – Großderschau – Neustadt (Dosse) – Bartschendorf – Friesack: 158 km

Anfahrt von Berlin: 65 km

Fahrzeit: 3 ½ Stunden plus Zeit für Pausen und Besichtigungen

Streckenplan der Prignitztour zur Plattenburg in Brandenburg mit dem Motorrad

Prignitztour zur Plattenburg

Unsere Prignitztour zur Plattenburg führt über einsame Straßen mit und ohne Kurven, die einem, wenn man die richtige Zeit wählt, ganz alleine gehören. Wer zügig fahren will, kann das tun. Wer es lieber gemächlich hat, stört dabei niemanden. Motorradfahren à la carte.

Das gilt auch für die Ziele, die man unterwegs ansteuern kann: Die Plattenburg bei Bad Wilsnack, die Lilienthal-Gedenkstätte in Stölln oder auch naturbelassene Biotope, in denen sich Biber und Otter tummeln.

Der Reisende in der Mark muß sich ferner mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen. … Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen. »Auch die häßlichste« – sagt das Sprichwort – »hat immer noch sieben Schönheiten.« Ganz so ist es mit dem »Lande zwischen Oder und Elbe«; wenige Punkte sind so arm, daß sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muß sie nur zu finden verstehn. Wer das Auge dafür hat, der wag es und reise.

Theodor Fontane im Vorwort zur 2. Auflage seiner Wanderungen durch die Mark Brandenburg

In drei Etappen durch die Prignitz

Erste Etappe

  • Die Motorradtour in die Prignitz führt von Friesack aus zunächst durch das Ländchen Rhinow. Alleen, Wälder und Ausblicke über die weite Wiesen und Felder prägen ein sehr abwechslungsreiches, liebliches Landschaftsbild.
  • Markanter Geländepunkt ist der südostwärts Stölln gelegene Gollenberg (109 m) mit bemerkenswertem Ausblick über das Havelländische Luch. Von Rhinow aus führt die Landesstraße durch die breiten Havelauen nordwestwärts bis Havelberg.

Zweite Etappe

  • Von Havelberg aus folgt die Strecke dem Verlauf der Elbe bis kurz vor Wittenberge. Bad Wilsnack (Ziel einer gesonderten Tour) wird auf der L 10 weiträumig umfahren bis Plattenburg.
  • Die dortige Wasserburg ist bewirtschaftet und bietet sich damit als Pausenstation vor der dritten Etappe der Prignitz-Tour an.

Dritte Etappe

  • Eine gut befahrbare, mit Rasensteinen befestigte Waldstraße führt durch lichte Buchenwälder westwärts nach Groß Leppin. Über die B 107 hinweg geht es weiter nach Söllenthin und von dort aus im Zickzack auf teilweise etwas holperigen Landstraßen über Kümmernitz und Lohm nach Großderschau.
  • So wenig spektakulär der Straßenverlauf auch klingen mag, entschädigt er doch durch eine überaus reizvolle, von Hecken, Buschwerk, Bäumen und Feldern reich gegliederte Landschaft, die in einsamer Gegend ein genußvolles Fahren unter altehrwürdigen Eichen- und Robinienalleen erlaubt.
  • Von Großderschau aus geht die weitere Strecke durch das Rhinluch über Sieversdorf und Neustadt (Dosse) nach Dreetz. Von hier bis zur B 5 führt uns die Strecke über alte LPG-Wirtschaftswege, die aber ordentlich zu befahren sind. Den letzten Kilometer bis Friesack hat uns dann die B 5 wieder.

Lilienthals Absturzstelle bei Stölln

Bild vom Denkmal an der Absturzstelle Otto Lilienthals bei Stölln

Absturzstelle Otto Lilienthals am Gollenberg bei Stölln

Auf dem Weg von Friesack nach Rhinow kommen wir am Gollenberg bei Stölln vorbei, bekannt durch die Flugversuche des Luftfahrtpioniers Otto. Vor der Ortseinfahrt befindet sich linker Hand ein Parkplatz, von dem aus man dorthin gelangt, an der am 9. August 1896 tödlich abstürzte. Von Lilienthals Startplatz auf der Bergkuppe eröffnet sich ein weiter Blick über das Land, bei gutem Wetter bis zu den Domtürmen von Havelberg, wohin uns der weitere Weg führt.

Vor Einfahrt nach Stölln bietet sich die Möglichkeit, links bergan abzubiegen und die dort abgestellte „Lady Agnes“ (benannt nach L.s Ehefrau) zu besichtigen, eine IL 62 der ehemaligen INTERFLUG. Innerorts rechter Hand das Lilienthal-Centrum.

Bild eines tschechischen Agrarflugzeuges und einer Yamaha FJR 1300 am Lilienthal Centrum in Stoelln in Brandenburg, gesehen bei einer Prignitztour zur Plattenburg

Lilienthal-Ausstellung in Stölln

Bild von Milchkannen in Stoelln in Brandenburg mit der Aufschrift LPG Typ 1 und BuGa 2015, aufgenommen bei einer Prignitztour zur Plattenburg

Erinnerungen an alte Zeiten

Der Havelberger Dom

Bild des Doms von Havelberg mit einer Yamaha FJR 1300 im Vordergrund, aufgenommen bei einer Prignitztour zur Plattenburg

Der Dom von Havelberg

Hinter Rhinow öffnet sich die Landschaft. Die Strecke führt durch weite Wiesen und Felder, bis sie nach Überquerung der Havel auf die L 2 stößt und rechts in Richtung Havelberg abbiegt. Ihr folgen wir durch die flache, in ihrer Schlichtheit aber reizvolle Havel-Flußlandschaft durch Weiden und Auen.

Abstecher

Fischerstube Warnau: An der Kreuzung L 17 / L 2 zwischen Rhinow und Havelberg der Beschilderung folgend links nach Warnau abbiegen. Sehr nettes Restaurant, man kann hervorragend und im Freien essen. Spezialität des Hauses ist fangfrischer Fisch aus den umliegenden Gewässern. Entfernung: 3,4 km von der Straßenkreuzung aus.

Dann erhebt sich auf einem Höhenzug zu unserer Rechten der ehrwürdige Havelberger Dom an der anderen Flußseite. Ob man sich jetzt die Zeit nehmen will oder nicht – Havelberg sollte man sich unbedingt für einen weiteren Besuch vornotieren. Wer auf dieser Strecke zeitlich knapp dran ist, sollte zumindest die Gelegenheit nutzen, von der B 107 kurz abzubiegen und auf den Domplatz zu fahren. Von dort wird man mit einem atemberaubenden Blick über die Flußlandschaft belohnt. Und im Dom mit einem Moment der Stille und der Einkehr, der im Leben immer gut tut.

Plattenburg

Bild von der Plattenburg bei Bad Wilsnack in der Prignitz mit dem Park im Vordergrund, besucht bei einer Prignitztour zur Plattenburg

Plattenburg bei Bad Wilsnack in der Prignitz

Besonderen landschaftlichen Reiz bietet der folgende Streckenabschnitt in den weiten Elbauen von Havelberg bis Klein Lüben. Unter Umfahrung von Bad Wilsnack erreichen wir Plattenburg, die älteste noch erhaltene Wasserburg Norddeutschlands. Sie ist Zwischenziel unserer Tour. Die dortige „Taverna oscura“ hält exzellente Speisen vor, die man, schönes Wetter vorausgesetzt, auch auf der Terrasse im Burghof einnehmen kann.

Holunderernte in reizvoller Landschaft

Bild von der Holunderernte bei einer Prignitztour zur Plattenburg mit dem Motorrad und einer rothaarigen Motorradfahrerin im Vordergrund

Holunderernte in der Prignitz

Der Rückweg beginnt nun mit dem landschaftlich reizvollsten Streckenabschnitt durch die unberührte Prignitz: Über Groß und Klein Leppin geht es, über die B 107 hinweg, auf der L 143 / K 7004 nach Söllenthin, wo in der Ortsmitte rechter Hand eine spätromanische Feldsteinkirche unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Danach schlagen wir einen weiten Bogen südostwärts über Zichtow, Kötzlin, Kümmernitz (K6818), Lohm (L 14) und Großderschau.

Auf diesem Streckenabschnitt nutzen die Jahreszeit und ernten zwei prallvolle Tüten voll Holunderbeeren. Zu Hause werden die zu Saft und Gelee verarbeitet. Vitaminbomben für die kalte Jahreszeit.

Alleenparadies Brandenburg

Wenn jemand Brandenburg als eindrucksvolle Alleenlandschaft erleben will, dann auf dieser Strecke. Hier findet er die gesamte Palette der Baumarten: Spitzahorn, Linde, Eiche, Esche, Bergahorn und Robinie, nicht nur entlang der eigenen Route, sondern auch querfeldein und meist von gesegnetem Alter.

Das Straßennetz des Landes Brandenburg wird bei einer Gesamtlänge von 6.356 km an Bundes- und Landesstraßen zu 71 % (4.507 km) von Gehölzen gesäumt. Dabei nehmen Alleen mit 2.050 km und die einseitigen Baumreihen mit 905 km den größten Teil des Brandenburger Bundes- und Landesstraßennetzes außerhalb der Ortschaften ein. Mit diesem gewaltigen Naturschatz verfügt Brandenburg bundesweit über den in seiner Dimension und Ausprägung wertvollsten Alleenbestand an öffentlichen Straßen. Die Hälfte aller deutschen Alleen findet sich in diesem Bundesland. Angesichts seines historischen, kulturhistorischen, landschaftlichen und ökologischen Wertes ist es politisch gewollt und gesetzlich verankert, den Alleenreichtum in Brandenburg zu erhalten. Bravo!

 

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