Auf zwei Rädern um die Welt

Motorradtour Dahme Heideseen

Eine Motorradtour Dahme Heideseen südöstlich des Berliner Autobahnrings führt durch eine bezaubernde Seenlandschaft mit Kurven und Sehenswürdigkeiten.

Überraschende Motorradtour Dahme Heideseen

Kaum jemand, der sich vom Schönefelder Kreuz Richtung Süden oder Osten durch den Autobahnverkehr quält, ahnt etwas von der zauberhaften Seenlandschaft hinter den Wäldern entlang dieser Strecke. Hier hält LDS – der Landkreis Dahme-Spreewald – für den Motorradfahrer wunderbare Tourenstrecken durch eine unberührte Seenlandschaft bereit. Also folgt uns auf unserer Motorradtour Dahme Heideseen durch eine wenig bekannte Landschaft im Osten Deutschlands!

Streckenführung

Königs Wusterhausen (Funkerberg) – Bindow – Dolgenbrodt – Blossin – Kolberg – Storkow – Wendisch Rietz – Bad Saarow – Behrensdorf – Ahrensdorf – Görsdorf – Giesendorf – Kossenblatt – Werder – Limsdorf – Alt Schadow – Neu Lübbenau – Köthen – Märkisch Buchholz – Groß Köris – Teupitz – Motzen – Mittenwalde – Brusendorf – Königs Wusterhausen (Schloß). 178 km

Streckencharakteristik

Blumen, Vögel, duftend, singend / Seid doch nicht so ausgelassen / Ungestüm ans Herz mir dringend / Laßt allein mich ziehn die Straßen!
— Nikolaus Lenau

Unsere Motorradtour Dahme Heideseen startet auf dem Funkerberg in Königs-Wusterhausen und endet auch wieder dort am königlichen Jagdschloß. Die Tourstrecke umrundet den Naturpark Dahme-Heideseen entlang der schönsten Gewässer des Landkreises Dahme-Spreewald.

Sie ist flott zu fahren, jedoch in ihrem Mittelteil mitunter recht holperig. Dazu vorab ein guter Rat: Wer abseits der größeren Ortschaften tourt, sollte etwas Proviant einpacken. Damit läßt sich die Landschaft bei einem geruhsamen Picknick weit abseits des lärmenden Alltags in vollen Zügen genießen.

Funkerberg in Königs Wusterhausen

Letzter verbliebener Antennenmastes auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen

Antennenmast auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen

Auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen steht die älteste funktechnische Anlage Deutschlands. Sie wurde im Jahr 1916 als „Zentralfunkstelle des Heeres“ in Betrieb genommen. Seit der Ausstrahlung des historischen Weihnachtskonzertes am 22. Dezember 1920 gilt sie als „Wiege des Rundfunks“ in Deutschland. Während der Blütezeit des Senders standen hier sieben 210 Meter hohe Sendemasten.  Bis auf einen letzten wurden Sie jedoch gesprengt. Somit ist der einzige noch stehende Sendemast das älteste Relikt deutscher Rundfunkgeschichte.

Wasserturm mit Aussichtscafé

Wasserturm auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen

Wasserturm auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen

Daneben steht der 33 Meter hohe denkmalgeschützte Wasserturm. Vom Funkerberg aus haben wir einen einzigartigen Blick über die Region, durch die unsere Tourstrecke führt. Sein integrierter Hochbehälter mit einem ehemaligen Fassungsvermögen von 300 m3 Trinkwasser ist als Café ausgebaut. Das ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Kulinarische Romantik an der stillen Dahme

Dahme-Fluss, gesehen vom Restaurant Fährhaus in Dolgenbrodt in Brandenburg aus bei einer Motorradtour Dahme Heideseen

Blick auf die Dahme vom Restaurant Fährhaus in Dolgenbrodt

Abseits der Landstraße, hinter tiefen Wäldern, führt uns unsere Motorradtour Dahme Heideseen nach Dolgenbrodt am Dolgensee zum Restaurant zum Fährhaus. Ob man sich dessen Fischspezialitäten zuwendet oder nur einem erfrischenden Getränk auf der Seeterrasse – der Zwischenstop ist auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis.

Ehrwürdige Baumriesen

Unsere weitere Strecke ist markiert von Naturdenkmälern: An der Dorfstraße in Gussow zwischen Bindow und Dolgenbrodt passieren wir eine mächtige Flatterulme (Ulmus laevis) mit einem Stammumfang von 5,90 m. Am Dorfplatz in Kolberg am Heidesee regiert eine Stieleiche (Quercus robur) mit einem Stammumfang von über 6 m. Und auf dem Dorfanger von Ahrensdorf steht eine weitere Eiche mit einer Höhe von 28 m. Wunderbar, daß solche Baumriesen erhalten geblieben sind.

Bad Saarow

Bahnhof von Bad Saarow in Brandenburg, gesehen auf einer Motorradtour Dahme Heideseen

Bahnhof in Bad Saarow

Dann kommen wir nach Bad Saarow. Das Kurstädtchen verströmt das Flair der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sehr sympathisch. Dort gibt es auch eine schöne Therme. Sie lohnt auf jeden Fall einen Besuch, besonders in der häßlichen Jahreszeit.

Markgrafensteine

Einer der beiden Markgrafensteine bei Bad Saarow in Brandenburg, gesehen bei einer Motorradtour Dahme Heideseen

Einer der beiden Markgrafensteine bei Bad Saarow

5 km nördlich von Bad Saarow liegen in den Rauener Bergen die beiden Markgrafensteine, die größten jemals in Brandenburg entdeckten Findlinge aus etwa 1,2 Milliarden Jahre altem rotem Karlshamn-Granit. Der Große Markgrafenstein hatte ein Gewicht von schätzungsweise 700 bis 750 Tonnen und ursprünglich ein Volumen von rund 250 m³.

Im Auftrag von König Friedrich Wilhelm III. und nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel wurde der Fels 1827 in drei Stücke gespalten. Aus dem Mittelstück wurde die vor dem Alten Museum  in Berlin stehende Granitschale gefertigt. Mit einem Gewicht von ca. 75 Tonnen und einem Umfang von fast 22 m ist sie die größte aus einem einzelnen Stein gefertigte Schale der Welt.

Auch Fontane hat sich diese Steine angesehen. Dazu merkt er prosaisch an:

Ich … sah nun etwas Zusammengekauertes daliegen, das genau den Eindruck eines toten Elefanten auf mich machte. Nun sind Elefanten ja unzweifelhaft große Tiere, wenn ihnen aber obliegt, als Berg- und Felstrümmer landschaftlich zu funktionieren, so kommt die Landschaft und kommen sie selber zu kurz.

Dann hätte ich noch große Lust, einen Schlenker nach Südosten zu machen. Aber eine Motorradtour in die Niederlausitz ist eine eigene Unternehmung wert.

Jagdschlösser des Soldatenkönigs

Schloss Kossenblatt, Lkr. Oder-Spree, mit einem Motorrad Yamaha FJR 1300 auf einer Bruecke im Vordergrund, besucht bei einer Motorradtour Dahme Heideseen

Schloß Kossenblatt, Lkr. Oder-Spree

Stattdessen fahre ich zum Schloß Kossenblatt. Es liegt auf einer Spreeinsel. Neben (Königs) Wusterhausen gehörte es zu den Lieblings-Jagdschlössern des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I.. Hier frönte er seiner Waidmannslust und auch hielt auch seine Tabakskollegien ab.

Um das Schloß Kossenblatt rankt sich eine Legende: Dort findet sich vielleicht auch der berühmte Türkenschatz: Der Erbauer des Schlosses, Generalfeldmarschall Hans Albrecht von Barfus, war für seine militärischen Erfolge in den Türkenkriegen reich entlohnt worden. Deshalb befahl seine Witwe Eleonore von Dönhoff, als sie das Schloß ausbauen ließ, dem holländischen Baumeister, darunter eine geheime Kammer anzulegen. Dorthin ließ sie sämtliche Reichtümer bringen. Aber der Baumeister verunglückte kurze Zeit später und nahm das Geheimnis der Schatzkammer mit ins Grab. Die Witwe Dönhoff, die wohl auch ihren Gatten ermorden ließ, soll seit ihrem eigenen Tod 1729 als weiße Frau durchs Schloss geistern.

Alte Poststrasse Berlin – Dresden

Postmeilenstein bei Motzen, Lkr. Oder-Spree, Brandenburg, gesehen auf einer Motorradtour Dahme Heideseen

Postmeilenstein bei Motzen, Lkr. Oder-Spree

Bevor sich die Runde unserer Motorradtour Dahme Heideseen schließt, stoßen wir bei Egsdorf auf die 1712 eingerichtete „Alte Dresdner Poststraße“, der wir bis Brusendorf folgen. Am Ortseingang von Motzen erinnert ein Postmeilenstein an die romantische, aber beschwerliche Postkutschenzeit.

 

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