Auf zwei Rädern um die Welt

Wie kannst Du Motorraddiebstahl verhindern?

Motorraddiebstahl: Zahlen, Fakten und ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, um das eigene Bike zu schützen. Woran mußt Du dabei denken?

Das Böse ist immer und überall!

Zunächst die schlechte Nachricht: Wenn jemand dein Bike unbedingt klauen will, wird er es auch kriegen. Egal wann, wie und wo. Wer so viel kriminelle Energie, Strategie und Mittel einsetzt, um selbst kiloschwere Goldmünzen oder Diamantschmuck aus Weltmuseen zu klauen (siehe Berlin und Dresden), für den ist der Diebstahl deines Motorrades nicht mehr als eine gesetzwidrige Fingerübung.

Die gute Nachricht ist jedoch: Die Welt scheint nicht immer und überall so schlecht zu sein, wie wir glauben. Wenn ich nach einer unruhigen Nacht mein Motorrad mitten in Palermo unversehrt auf seinem Laternenparkplatz wieder angetroffen habe, grenzt dies selbst für Landeskundige an ein Wunder. Santa Rosalia hat geholfen.

Marienprozession in Palermo: Die Heilige hat Motorraddiebstahl verhindert.

Dankprozession in Palermo – die Ortsheilige hat wohl gegen den Motorraddiebstahl geholfen.

Trotzdem: Vor der Tour ist es wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie sich ein Motorraddiebstahl verhindern läßt. Auch wenn aus dem Ausland spektakuläre Einzelfälle krimineller Eigentumsübertragung die Runde machen – selbst in Deutschland (oder Österreich und der Schweiz) gilt es gut aufzupassen.

Worauf muß ich mich einstellen und was muß ich tun, um einen Motorraddiebstahl zu verhindern?

Da Mensch is a Sau
—  Worried Men Skiffle Group

Motorraddiebstahl in Deutschland

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 dokumentiert, daß Motorräder am häufigsten (bezogen auf Diebstähle pro 100.000 Einwohner) in Berlin, Bremen und NRW gestohlen werden, am wenigsten in Bayern. Die meisten Motorraddiebstähle (Fallzahlen) wurden wiederum in NRW und Berlin registriert, aber auch in Baden-Württemberg. Am Ende rangiert abermals Bayern, wo andererseits bundesweit die meisten Motorräder zugelassen sind. Und wo die meisten Motorraddiebstähle aufgeklärt werden. Felix Bavaria.

Motorraddiebstahl-Statistik Deutschland 2018

Motorraddiebstahl im Ausland

Wie sieht es dagegen im europäischen Ausland aus? Dort, wo wir so gerne hintouren?

1. Motorraddiebstahl in Frankreich

Die Statistiken der französischen Versicherungswirtschaft (2017) zeigen: Spitzenreiter des Motorraddiebstahls ist auch hier die Hauptstadtregion (Île de France, 44 %), gefolgt von den attraktiven Tourenzielen im Süden (PACA 20 %) und den Westalpen (Rhône-Alpes 14 %). Europameister ist wohl Marseille mit 4,4 Motorraddiebstählen pro 1.000 Einwohner. Dort bekommt man nicht mal mehr ein Motorrad mehr gegen Diebstahl versichert.

In Frankreich werden mehr als doppelt so viele Motorräder und Großroller gestohlen wie bei uns (55.400 in 2016). Alle 10 Minuten wechselt eine Maschine illegal und ungewollt den Besitzer. 86 % der Maschinen werden in der Stadt geklaut, 59 % auf offener Straße und 43 % bei Nacht. Und dies, obwohl 81 % der gestohlenen Bikes mit einer Diebstahlsicherung versehen waren. Die meisten gestohlenen Motorräder werden kanibalisiert und ins Ausland verscherbelt. Auch deshalb bleiben 80 % auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

2. Motorraddiebstahl in Italien

Die Zahlen für Italien sind zwar schon älter (2010 – 2012), reflektieren aber immer noch die Markt- und Diebstahlssituation: 42.538 gestohlene Motorräder und Großroller in 2012. Ein Viertel bis die Hälfte taucht wieder auf. Diebstahl-Spitzenreiter sind Rom, Neapel, Mailand und Genua mit über der Hälfte der Motorraddiebstähle. Am Ende rangiert das wohlhabende Trentino-Alto Adige einerseits und der arme Mezzogiorno andererseits.

3. Motorraddiebstahl in Spanien

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums wurden 2017 10.962 Motorräder gestohlen, zumeist „im Vorbeigehen“. Gelegenheit macht Diebe. Tendenz steigend knapp an der zweistelligen Zuwachsrate. Höhepunkte der Klausaison sind jeweils April und Juli. Wie kaum anders zu erwarten, dominieren auch hier die urbanen Zentren mit Barcelona, Madrid, Valencia und Málaga. Zumeist kanibalisieren die Diebe die Maschinen und verticken sie in Teilen weiter. Genauso, wie es der Markt verlangt. Kein Wunder, daß nur 10 % der gestohlenen Motorräder wieder aufgefunden werden.

Meistgestohlene Motorräder

 1. Deutschland

Bedauerlicherweise ist die deutsche Versicherungswirtschaft nicht in der Lage, Angaben zu den in Deutschland gestohlenen Motorradmodellen verfügbar zu machen. Deshalb bleibt diese Rubrik leer.

2. Frankreich (2017)

  • Triumph 675 Street Triple
  • Kawasaki Z800e
  • BMW R 1200 GS
  • Triumph 1050 Speed Triple

3. Italien (2010 – 2012)

Motorraddiebstahl-Statistik Italien 2010 - 2012

4. Spanien (2017)

  • Kawasaki Z 900
  • BMW F 800 GT
  • BMW R 1200 GS
  • Yamaha YZF-R1

13 Maßnahmen gegen Motorraddiebstahl

Damit euch euer liebes Bike erhalten bleibt, habe ich einen Maßnahmenkatalog für Vorsichtsmaßnahmen zusammengestellt – aus eigener Praxis und aus Techniken, die ich anderen Motorradfahrern abgeschaut habe:

1. Kombiniere verschiedene Sicherheitsmaßnahmen.

Verlaß dich nie auf nur eine einzige Sicherheitsmaßnahme. Denke darüber nach, welche der hier aufgezeigten Maßnahmen zusätzlich angeraten und möglich sein könnten.

2. Belebtes Umfeld

Parke dein Motorrad wenn möglich dort, wo sich viele Leute aufhalten und eine gewaltsame Entwendung sofort auffallen würde. Aber möglichst nicht gerade vor dem Kino, wo jeder Dieb sich ausrechnen kann, daß du erst nach zwei Stunden wieder rauskommst.

3. Regelmäßige Sichtkontrolle

Bei einer Stadtbesichtigung z. B. schaue immer mal wieder nach, wie es um dein Motorrad bestellt ist und ob vielleicht verdächtige Individuen in der Gegend herumlungern.

4. Immer abschließen

Auch bei kurzen Stopps: Bei ausgeschalteter Zündung Schlüssel nicht einfach abziehen, sondern das Lenkradschloß immer abschließen.

Wenn du dich aus Sichtweite entfernst, lege das hochwertiges Bremsscheibenschloß an, am besten mit Alarmfunktion. Billigware ist Schrott und kein Hindernis für Motorraddiebe.

Durchschnittenes Kabelschloss verhindert keinen Motorraddiebstahl

Billige Sicherungsmaßnahmen sind Schrott und verhindern keinen Motorraddiebstahl.

5. Abdecken mit Plane

Soll das Motorrad länger unbeaufsichtigt an einem Platz stehen (z. B. wenn du baden gehst oder eine Wanderung unternimmst), decke es mit einer Plane ab. Dein schickes Bike darf keine Begehrlichkeiten wecken.

6. Anketten an festem Gegenstand

Wenn du alleine unterwegs bist und die Maschine länger abstellst, schließe sie mit einer fetten Kette an einer Halterung an, die sich nicht entfernen läßt (Laternenmast, Eisengitter eines Kellerfensters o. ä.).

Motorrad, mit einer dicken Kette an einem Laternenmast befestigt, verhindert Motorraddiebstahl

Auf Nummer sicher am Laternenmast

7. Zwei Maschinen zusammenketten

Wenn ihr zu zweit unterwegs seid, schließt eure Maschinen mit einer Kette an den Hinterrädern zusammen.

Zwei Motorradfahrer ketten ihre Motorräder bei einer Motorradtour nach Süditalien zusammen, um Motorraddiebstahl zu verhindern

„Doppeladler“: Vater und Sohn ketten in Kalabrien über Nacht ihre Motorräder zusammen.

7. GPS-Tracker

Ist deine Maschine ein wirkliches Schätzchen, lohnt sich gegebenenfalls die Anschaffung eines GPS-Trackers. Mit ihm läßt sich überwachen, ob das Motorrad wegbewegt wird – und wenn es gestohlen wurde, wo es abgeblieben ist.

9. Hotelparkplatz

Suche dir nach Möglichkeit ein Hotel mit eigener Garage. Wenn das Hotel Überwachungskameras im Außenbereich hat: Parke deine Maschine bei guter Beleuchtung und im Sichtfeld der Kamera.

Andernfalls stelle sie möglichst nahe bei deinem Zimmer so ab, daß du sie vom Fenster aus sehen oder Manipulationsgeräusche wahrnehmen kannst. Ich habe schon von Leuten gehört, die eine Wildüberwachungskamera vom Discounter mit aufs Zimmer genommen haben. Im Fall der Fälle erscheint dann auf dem Chip nicht der Wolf, sondern der Motorraddieb.

10. Groß-/Tiefgarage

Parke die Maschine sichtentzogen (z. B. hinter einem Transporter) und stelle sicher, daß das Garagentor auch wirklich abgeschlossen ist bzw. abgeschlossen wird.

11. Sichtbare und unsichtbare Markierungen

Sie verhindern zwar keinen Motorraddiebstahl, aber: Für die Verlustmeldung/Wiederbeschaffung des Motorrades bzw. seiner Einzelteile ist es hilfreich gegenüber Polizei und Versicherung, das Motorrad mit einem deutlich sichtbaren Zeichen zu markieren und diese Markierungen fotografisch zu dokumentieren.

Vorderrad einer BMW R 1200 GS mit der Golden Gate Bridge und San Francisco im Hintergrund

Beim US-Modell Standard, nach Rückkehr nach Old Europe aber ein sichtbares Alleinstellungsmerkmal: das Katzenauge am Gabelholm

Fährst Du eine Normalo-Serienmaschine ohne äußerliche Besonderheiten oder hast du wertvolle Anbauten (Endschalldämpfer etc.), kannst du diese mit einem UV-Stift („Diebstahlfangmittel“) als dein Eigentum markieren.

Die Kennzeichnung ist unter normalem Licht unsichtbar, leuchtet aber fluoreszierend unter UV-Licht und ist somit sofort identifizierbar.

12. Motorrad im Transporter

Wenn irgend möglich, rangiere den Transporter mit dem Heck gegen eine Wand, so daß sich die Hecktüren nicht öffnen lassen. Ansonsten: Suche gut beleuchteten Platz, ggf. im Blickfeld von Überwachungskameras.

13. Vorsicht beim Motorradverkauf

Die Polizei warnt vor folgendem Szenario: Du bietest deine Maschine im Internet zum Verkauf an – Interessent meldet sich – erfragt dabei Adresse und Modalitäten der Besichtigung – erscheint aber nicht zum Termin –Motorrad wird später geklaut.

Deshalb rät die Polizei:

  • Strikte Zurückhaltung bei der Herausgabe von persönlichen Daten.
  • Vereinbarung eines neutralen Ortes zur Besichtigung.

Fazit

5 Faktoren beeinflussen die Wahrscheinlichkeit eines Motorraddiebstahls:

  • Attraktivität des Motorrades (Was macht die Maschine her?)
  • Attraktivität der Anbauteile (⇒  Kanibalisierung zum Weiterverkauf)
  • Pflege- und Erhaltungszustand
  • Umfeldbedingungen beim Parken
  • Getroffene Sicherungsmaßnahmen

Dies allein rechtfertigt zwar noch keine Panik, verdeutlicht aber die Wichtigkeit, sich stets auf einen möglichen Motorraddiebstahl einzustellen. Und zwar

  • materiell (Verwendung hochwertiger Sicherungssysteme) und
  • mental (Auswahl eines geeigneten Umfeldes zum Parken).

Dadurch wird Diebstahlsschutz zu einer Standardübung für jedes Abstellen und Parken des Motorrades, gerade auf Tour und im Ausland.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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