Auf zwei Rädern um die Welt

Motorrad-Tourenträume 2021

Was muß ich berücksichtigen, wenn ich meine Motorrad-Tourenträume 2021 verwirklichen will? Wo wird es zu gefährlich?

Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod.
—  Konfuzius (551 – 479 v. Chr.)

Aus der Traum?

„Deine Motorrad-Traumtour – wohin sollte sie 2021 gehen?“ Diese Frage höre ich in Corona-Zeiten öfters. Doch die Antwort darauf fällt mir nicht leicht. Vor allem, weil nach einer vermurksten Motorradsaison die Sehnsucht nach Ferne und neuen Zielen stärker hochkommt als je zuvor. Verbunden mit der Hoffnung, daß sich der eine oder andere Tourentraum im neuen Jahr doch noch erfüllt.

Aber die bittere Realität macht uns die Planung schwer. Die Corona-Pandemie mit ihren administrativen Beschränkungen wird uns sicher noch einige Zeit begleiten. Wenn nicht im eigenen Land, dann möglicherweise anderswo in Europa. Zudem ist die Welt nicht stabiler oder gar sicherer geworden. Mit der Folge, daß uns viele schöne Tourenziele auf einige Zeit verschlossen bleiben.

Aber lange gehegte Träume einfach begraben, das kann ja wohl nicht die Lösung sein. Also Geduld aufbringen, denn jedes Ding hat seine Zeit. Auch die Erfüllung eines Tourentraums. Außerdem möchte ich auf meiner Tour nicht stur Kilometer fressen, sondern etwas Bleibendes mit nach Hause nehmen: Ich möchte Länder und Kulturen kennen lernen und sie in meinen Erfahrungsschatz integrieren. Vor allem möchte ich unterwegs den Menschen begegnen, die die Länder entlang meiner Tourenstrecke prägen.

Interessante Motorradreviere, die sich mit zwei bis drei Tankfüllungen erreichen lassen, habe ich genug im Kopf. Aber von welchen besonderen Touren träume ich? Welche reizvollen Gegenden – abseits der „ausgelutschten“ Routen – möchte ich gerne mit dem Motorrad erobern? Was geht unter erschwerten Bedingungen noch?

Rund ums Mittelmeer

Am längsten träumen wir davon, das Mittelmeer einmal komplett zu umrunden. Bei einer längeren Auszeit würden wir gerne den mediterranen Raum so erfahren, wie er zur Kaiserzeit einmal Mittelpunkt des Römischen Reiches war. Das „mare nostrum“ der Antike:

roemisches reich zur zeit von kaiser konstantin dem grossen

Bleibt vorerst ein Traum: eine Zeitreise in die Vergangenheit rund um das Mittelmeer │ Graphik: Limes

Von Marseille aus würde uns die Fähre nach Algier bringen. Im Uhrzeigersinn ginge es dann über Gibraltar (die „Säulen des Herakles“) zurück nach Europa, die spanische Küste und die Levante hoch bis Genua und weiter um den italienischen Stiefel herum bis Triest. Danach auf den Spuren der Kreuzritter die dalmatinische Küste runter – Griechenland – türkische Riviera – Syrien – Libanon – Jerusalem – Suez-Kanal – Pyramiden von Gizeh – durch die Cyrenaika – Tunis – Algier und mit der Fähre wieder zurück nach Marseille.

Aber aus diesem Traum wird wohl erst einmal nichts, denn unsere Traumroute ist wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und Libyen gleich zweimal unterbrochen. Nur aus Sturheit dorthin fahren zu wollen wäre idiotisch. Wann eine komplette Mittelmeerumrundung wieder möglich sein wird, steht in den Sternen. Ich bin da sehr skeptisch, sicher nicht zu Unrecht.

Rund ums Schwarze Meer

Die abgespeckte Variante davon wäre eine Tour rund um das Schwarze Meer. Vom Startpunkt Bukarest/Konstanza aus im Uhrzeigersinn über Sewastopol/Krim – Rostow – Krasnodar – Sotschi – Batumi – Trabzon – Istanbul – Warna wieder nach Konstanza.

Im östlichen Teil zwischen Noworossijsk und der georgischen Grenze ist die Strecke traumhaft zu fahren. Ähnlich schön soll die Strecke an der türkischen Schwarzmeerküste entlang sein.

motorrad-tourentraeume 2021: motorradtour rund um das schwarze meer

Motorradtour rund um das Schwarze Meer. Gesamtstrecke: 4.300 km │ Karte: Yandex. Die Darstellung läßt die politischen Verhältnisse unberücksichtigt.

Leider ist auch dieser Traum geplatzt, denn die Lage auf der Krim und um die Krim herum ist extrem unsicher und gefährlich. Eine Einreise auf die Krim über russisches Staatsgebiet verstößt gegen ukrainische Gesetze und zieht unter Umständen Strafverfolgung nach sich. Wann dort wieder Frieden und Normalität herrschen werden, weiß kein Mensch. So zehre ich halt von schönen Erinnerungen an Fahrten entlang der russischen Schwarzmeerküste.

Längs durch den Kaukasus

Der Kaukasus ist eines der naturschönsten und aufregendsten Gebirge, die für uns Europäer – gerade noch – gut erreichbar sind. Nachdem ich den westlichen (heute russischen) Teil dieses natürlichen Sperriegels zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer habe kennenlernen können, war ich von dieser Landschaft restlos begeistert.

Warum also nicht einmal der Länge nach durch diese wilde Berglandschaft fahren? Krasnodar ist eine tolle Stadt und wäre ein guter Ausgangspunkt. Dann im Zickzack über Wladikawkas hinunter nach Aserbeidschan zu den Bohrtürmen von Baku – das hätte schon was.

motorrad-tourentraeume 2021: durch den kaukasus

Motorradtour durch den Kaukasus vom Schwarzen Meer zum Kaspischen Meer. Gesamtstrecke: 1.400 km │Karte: Yandex. Die Darstellung läßt die politischen Verhältnisse unberücksichtigt.

Aber halt, auch diese Region ist leider höchst gefährlich. Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts sprechen eine deutliche Sprache, nicht ohne guten Grund. So interessant eine Tour durch Südossetien, Berg Karabach, Dagestan oder Tschetschenien auch klingen mag – vergiß es! Dort gibt es seit Jahrhunderten kriegerische Auseinandersetzungen. Die Menschen haben sehr robuste Umgangsformen und die Grenzen sind teilweise zu. Man muß nicht erst bei Puschkin, Lermontow oder Tolstoj nachlesen, um die Hoffnung zu begraben, daß sich dort zu unserer Lebenszeit grundsätzlich etwas zum Besseren wenden könnte. Leider.

Was geht noch?

Wenn uns diese Regionen vorerst verschlossen bleiben, welche Strecken können wir dann unter die Räder nehmen, um etwas Besonderes zu erleben? Da kommt mir eigentlich vor allem Südosteuropa in den Sinn:

Militärgrenze – Siebenbürgen – Tatra

Da ich den Balkan mit dem Motorrad noch nicht kenne, würde ich gerne einmal mitten durch Südosteuropa fahren. Der erste Teil meiner Traumstrecke verläuft entlang der ehemaligen Militärgrenze zwischen Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich. Heute deckt sich dieser Grenzstreifen in etwa mit der bosnisch-kroatischen Grenze.

motorrad-tourenträume 2021: motorradtour entlang der ehemaligen oesterreichischen militaergrenze

Die ehemalige österreichische Militärgrenze auf dem Balkan │ Graphik: Der Standard, Wien

An dieser Militärgrenze wurden seit dem 16. Jahrhundert zum Schutz gegen andrängende Osmanen und grassierende Pest 11 Regimenter stationiert, samt den zugehörigen Familien. Nachdem sie infolge der österreichischen Okkupation Bosniens 1878 ihre strategische Bedeutung verloren hatte, wurde die k. u. k. Militärgrenze aufgelöst. Insgesamt ist es ein sehr interessantes kulturelles Mischgebiet. Vom fahrerischen Reiz ganz zu schweigen.

Von der kroatischen Adriaküste und dem Nationalpark Plitvitzer Seen aus soll meine Tour zunächst entlang der Flüsse Una und Save Richtung Belgrad verlaufen. Von der serbischen Hauptstadt aus ginge es dann in großem Bogen nach Rumänien hinein durch das landschaftlich wunderschöne, historische Siebenbürgen. Anschließend über das slowakische Košice durch die südliche Tatra wieder Richtung Westen.

motorrad-tourenträume 2021: motorradtour entlang der oesterreichischen militaergrenze durch siebenbuergen und die suedliche tatra

Motorradtour entlang der ehemaligen österreichischen Militärgrenze, durch Siebenbürgen und die südliche Tatra. Gesamtstrecke; 2.400 km  │ Karte: Yandex

Da die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts für diese Tourenregion einen insgesamt akzeptablen Eindruck machen, steht dieser Südosteuropa-Tour nach Stabilisierung der Covid-19-Lage eigentlich nichts um Wege. Zeit also, sich um die Planung zu kümmern.

Fazit

Wer in Zeiten von Corona und kriegerischen Auseinandersetzungen seine Tourenträume verwirklichen möchte, sollte auf dem Teppich bleiben und ganz rational ein Motorradabenteuer gegen die Gefahren abwägen, die entlang der Strecke lauern. Schöne Bilder, die vielleicht noch aus einer früheren heilen Zeit stammen, sollten dabei nicht trügen. Sicherheit geht vor. Letztlich hilft nur eines: Geduldig eine Normalisierung der Lage abwarten und unterdessen nach Ausweichzielen suchen.

 

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