120.000 km als Sozia: Meine besten Tipps zu Vorbereitung, Kleidung, Komfort und Sicherheit auf Motorradtouren – ideal für Einsteigerinnen.
Heute gibt’s mal Neues von der Rückbank! Während mein Mann die ersten 1.000 km der Saison sich alleine warm fährt, um Reflexe und Fahrsicherheit zu trainieren, sinne ich darüber nach, was mir die mitgefahrenen 120.000 km an praktischen Erkenntnissen gebracht haben, die Langstreckenkomfort auf der Motorradtour bringen. Das möchte ich gerne mit Euch und eventuellen Neueinsteigern teilen. Wie gesagt, alles von der Position der Sozia aus gesehen!
1. Vorbereitung
Auch Beifahrer müssen fit sein! Vor Anfang der Saison lohnt es sich, in ein gründliches Training speziell der Bauch- und Rückenmuskeln zu investieren. Die werden auf der Rückbank wesentlich mehr beansprucht, ganz besonders wenn man ohne Heckkoffer fährt. Auch der starke Beugewinkel der Knie und Oberschenkel sollte trainiert werden.
2. Bekleidung, innerste Lage
So sehr ich Baumwolle liebe, auf dem Motorrad und bei Reisen bewährt sie sich nicht wirklich. Sie gibt die aufgenommene Feuchtigkeit nur sehr langsam wieder ab. Das kann zum Wundwerden an unangenehmen Stellen führen oder dem ekligen Gefühl, morgens klamme Unterwäsche anziehen zu müssen, weil sie nach dem Waschen am Abend vorher nicht getrocknet ist. Am besten eignet sich Funktionswäsche aus dem Sportgeschäft.
Beim BH habe ich die leidvolle Erfahrung gemacht, daß der Heckkoffer beim Überfahren von holprigen Untergründen genau auf den hinteren Häckchenverschluß trifft und diesen mit Schwung auf’s Rückgrat knallt. Abhilfe schafft ein verschlußloser Sport-BH oder einer mit Vorderverschluß. Für die Festivalfans unter Euch habe ich noch einen Extra Tipp: Den Travel Bra! Der ist verschlusslos, und hat eingenähte Taschen zum Verstecken von Geld und Ausweispapieren. Den Diebstahlsversuch merkt man ganz bestimmt!
Der steile Winkel an den Knien führt bei mir etwas älterem Semester nach längeren Strecken zu schmerzhaften und dicklichen Beinen. Deshalb fahre ich auch im Sommer mit Reisekompressionsstrümpfen. Die gibt es in lustigen Farben und sie sind nicht so dick. Außerdem verhindern die Kniestrümpfe, daß der obere Rand der Stiefel an der Wade scheuert.
3. Hemden
Am besten bewähren sich da auch die schnelltrocknenden Sporthemden. Kragen und Knöpfe, wie beim Polohemd, finde ich unter dem ohnehin schon engen Kragen der Oberjacke unangenehm und es zieht auch durch. Dann lieber einen trojer-artigen Halsabschluß mit Reißverschluß wählen.
4. Kombi
Alles, was im Stehen paßt und schick und schmal aussieht, eignet sich nur sehr bedingt zum Fahren! Es ist völlig egal, was für eine Größe innen steht, das sieht eh keiner. Die Sozia hat beim Fahren immer die Knie angezogen, also unbedingt beim Anprobieren der Hose tief in die Knie gehen. Auch dann sollten die Hosenbeine noch die Stiefelschäfte oder Knöchel bedecken. In dieser Position sollte es auch am Bauch nicht zu eng werden. Bedenkt, daß Ihr diese Haltung stundenlang beibehalten müßt! Das gilt auch für den Schutz der Nieren. Die Hose muß auch hinten beim Hocken hoch genug Richtung Taille sein! Die Jackenärmel und der Rücken der Jacke sollten so geschnitten sein, daß man den Fahrer, zumindest zum Festhalten, umarmen kann.

5. Stiefel
Ich persönlich bevorzuge Stiefel, weil ich gerne meine Knöchel geschützt weiß. Aufgepaßt, im Sommer und bei der Sitzhaltung schwellen die Füße an. Eine halbe Nummer größer als gewöhnlich darf es dann mindestens sein.
6. Helm
Das ist eine totale Geschmackssache und jeder muß für sich selbst entscheiden.
Ich fahre grundsätzlich mit geschlossenem Visier. Der Fahrer ist ja oft durch eine Windschutzscheibe geschützt, aber die Sozia kriegt die dicken Insekten leicht ins Auge!
Ich persönlich schminke mich nicht (nur Wimperntusche) beim Motorradfahren, weil ich das in Verbindung mit Schwitzen und dem Polster des Helmes, das sich nur schwer reinigen läßt, als unappetitlich empfinde.
7. Schmuck
Ich habe lange gebraucht und Lehrgeld bezahlt, um herauszufinden, welche Ohrringe unter den Helm passen. Nichts, was man einfach nur einhängt, eignet sich. Das verabschiedet sich unbemerkt beim Ausziehen des Helmes auf Nimmerwiedersehen. Auch Ohrringe mit geraden Steckern können unter dem Helm böse drücken. Große Ohrringe kollidieren mit der Polsterung des Helmes. Ich finde Ohrringe mit o-förmigen, schließbaren Befestigungen am angenehmsten. Oder kleine, kurze Stecker mit straff sitzenden Verschlüssen.
8. Personalisierte Details
Ich trage immer ein dreieckiges Halstuch mit Klettverschluß. Ein, womöglich stechendes, Insekt entwickelt bei höherem Fahrtempo eine ungeheure Auftreffenergie und das will ich am Hals nicht riskieren.
An fast jeder Motorradjacke findet man Ösen oder Schlaufen. Durch diese ziehe ich Karabinerhaken vom Kletterbedarf des Sportgeschäftes. Daran läßt sich nach dem Absteigen allerlei befestigen, das sonst unbemerkt vom Sitz fällt. Hausschlüssel, Brille,… Ich habe in meine Handschuhe am Bund je einen kleinen Schüsselring genäht und kann sie damit wunderbar an den Haken befestigen.
In die Jackentasche gehören meiner Meinung nach unbedingt ein paar Bonbons, mit Zucker. Bei langen Strecken wird es hintendrauf manchmal langweilig und man wird müde. Das ist gefährlich. Ich finde, die Ablenkung, das Bonbon aus der Tasche zu klauben und der kleine Zuckernachschub wirken da Wunder.
Vor dem Fahren packe ich in meine Jacke ein kleines Set für Notfälle. Ich habe ja immer einen Rucksack mit den persönlichen Dingen dabei, aber der liegt im Heckkoffer eingesperrt. In der einen Brusttasche steckt das Handy, mit einem Trageband um meinen Hals gesichert. In der anderen mein Führerschein (oder ein anderer Ausweis), der Hausschlüssel und die Scheckkarte. So bin ich auch alleine manövrierfähig und eindeutig zu identifizieren. Es ist auch eine gute Idee, als Sozia den zweiten Schlüssel fürs Motorrad mitzunehmen.
Fazit
Motorradfahren als Sozia macht Spaß, ist aber ganz anders als selber fahren. Eingefleischte Fahrer wissen nicht, wie es sich anfühlt, freihändig sitzen zu müssen, mit eingeschränktem Sichtfeld, angezogenen Beinen und minimalem Bewegungsspielraum. Es ist völlig ok und normal, wenn man als Sozia früher als der Fahrer nicht mehr weiterfahren kann oder will. Also macht es Euch so bequem wie möglich und kommuniziert Eure Bedürfnisse! Dann wird es für beide eine schöne Tour!

Aktualisiert am 04/05/2026 von Christian