Auf zwei Rädern um die Welt

Was muss in die Motorrad-Bordapotheke?

Auf längeren Touren ist es nützlich und beruhigend, eine Motorrad-Bordapotheke dabei zu haben. Wenn sich unterwegs gesundheitliche Probleme einstellen – vor allem in abgelegenen Gegenden oder zu Unzeiten – muß man auf einen erprobten Medikamentenvorrat zurückgreifen können, um für die weitere Fahrt wieder fit zu werden. Was muß nun in die Motorrad-Bordapotheke rein? Wie organisiere mich meine Medikamentenversorgung? Hier sind die Tips und Tricks dazu.

Motorrad-
Bordapotheke
≠ Verbandskasten

Zunächst gilt es zweierlei zu unterscheiden:

  • Die fertig gepackte Kfz-Verbandstasche steckt, auch wenn sie für Motorräder nicht zwingend vorgeschrieben ist, meistens unter dem Sattel und dient der Ersten Hilfe.
  • Die Bordapotheke hingegen stellt man sich individuell vor Antritt der Tour zusammen. Sie enthält pharmazeutische Erzeugnisse, die man unterwegs entweder mitführen muß oder die man mit einiger Wahrscheinlichkeit brauchen könnte, um Krankheitserscheinungen oder körperliche Beeinträchtigungen bekämpfen zu können.

Der begrenzte Stauraum verlangt, den Inhalt der Motorrad-Bordapotheke auf ein vernünftiges Minimum beschränken. Dieses muß jedoch auf die individuellen Be- und Empfindlichkeiten abgestimmt sein.

Bild der Ratsapotheke Tallinn aus dem Jahr 1422 - eine der ältesten Apotheken in Europa, die heute noch in Betrieb sind

Die Ratsapotheke von Tallinn aus dem Jahr 1422 – eine der ältesten Apotheken in Europa, die heute noch in Betrieb sind

Wofür ist die Motorrad-
Bordapotheke gut?

Wir sprechen hier nicht von mehrmonatigen Motorrad-Expeditionen durch Zentralasien seiner schütteren Infrastruktur. Solche Touren erfordern ganz eigene Vorbereitungen und Ausrüstungen. Auch im medizinischen Bereich.

Uns geht es vielmehr um die (auch längeren) Motorradtouren des normalen Tourenfahrers im Urlaub in Europa oder Nordamerika.

In diesen Regionen können wir uns auf eine solide Infrastruktur von Apotheken und medizinischen Hilfsdiensten stützen, die schlimmstenfalls innerhalb eines halben Tages erreichbar ist. Selbst nach einem giftigen Spinnenbiß, den sich meine Frau in der Wüste von Nevada eingefangen hat, haben wir das nächstgelegene Krankenhaus noch locker erreicht.

Deshalb: Redundanzen vermeiden! Wir brauchen nicht unbedingt einen Medikamentenvorrat mitschleppen, der auch in unserer Zielregion erhältlich ist.

Was eine individuell zusammengestellte Bordapotheke so wertvoll macht, ist vielmehr folgendes: Ihr Inhalt ist direkt verfügbar bei gesundheitlichen Problemen, die sich zur Unzeit (z. B. nachts) oder in abgelegenen Gegenden (z. B. auf dem Campingplatz am einsamen Strand) einstellen.

Bringt der hereinbrechende Föhn das Martyrium der Migräne? War man bei der Auswahl von der abendlichen Speisekarte allzu wagemutig und es wird einem todschlecht? Ätzt einem der vino locale den Magen auf? Tränen die Augen nach langer Fahrt mit offenem Visier? Wohl dem, der eine zweckmäßig sortierte Motorrad-Bordapotheke dabei hat.

Besonders wichtig wird die Motorrad-Bordapotheke auch dann, wenn man auf ärztliche Verordnung hin bestimmte Medikamente mitführen muß. Aber dazu später.

Bild von der Schlossapotheke aus dem späten 17. Jahrhundert in TarasconDépartement Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, Frankreich

Schlossapotheke aus dem späten 17. Jahrhundert in Tarascon, Frankreich

Allgemeine Tipps für die Motorrad-Bordapotheke

  • Der Inhalt der Motorrad-Bordapotheke hängt ab von den persönlichen Bedürfnissen/Befindlichkeiten, vom Reiseziel und der vorgesehenen Reisedauer.
  • Man sollte Arzneimittel mitnehmen, deren Wirkung man kennt und die man gut verträgt.
  • Verfallsdatum beachten! Merke: Bei Flüssigkeiten und Salben gilt es nur für ungeöffnete Packungen.
  • Lagerungshinweise beachten! Es ist sicher keine gute Idee, Schmerz- oder Fieberzäpfchen bei brütender Hitze im Tankrucksack durch südliche Länder zu kutschieren. Also aufpassen und hitzegeschützt verstauen.
Bild der Klosterapotheke der Abtei Casamari (FR), Italien

Klosterapotheke der Camaldulenserabtei Casamari (FR), Italien

Was muss die Motorrad-
Bordapotheke enthalten?

Bei der Auswahl der Medikamente richtet man sich am besten nach seinen eigenen Erfahrungen und/oder läßt sich von seinem Arzt oder Apotheker beraten.

Medikamente für den individuellen Bedarf

Wer bestimmte Medikamente zur regelmäßigen Einnahme verschrieben bekommen hat, sollte diese in ausreichender Menge mitnehmen. Hierzu gehören typischerweise Mittel zur Blutdrucksenkung, ACE-Hemmer oder Blutverdünner. Diabetiker oder Asthmatiker wissen ihrerseits, was sie einzupacken haben.

Ggf. sollte man auch ein frisches Rezept für den weiteren Bedarf mitnehmen. Dies wird in EU-Ländern wechselseitig anerkannt (s. u.). Da viele Medikamente im Ausland unter anderem Markennamen vertrieben werden, sollte man sich vom heimischen Arzt/Apotheker die Wirkstoffe notieren lassen, um unterwegs die Medikamentierung zu erleichtern.

Medikamente gegen individuelle Empfindlichkeiten

Ist jemand anfällig für Migräne? Hat er Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt? Bestehen bestimmte Allergien? Dann gehören auf jeden Fall Medikamente für folgende Wirkungsbereiche in die Bordapotheke:

  • Schmerzen, Migräne. Hilfreich zu wissen: Gängige Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Paracetamol, ASS) haben auch eine gewisse fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung.
  • Durchfall, Verstopfung
  • Übelkeit, Erbrechen und andere Magenbeschwerden
  • Allergien, Juckreiz (Tabletten oder Salbe)

Medikamente/Mittel für den Fall der Fälle

Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, kann sich leicht allerlei Beschwerden einfangen: Bei Wind und Wetter holt man sich schnell einen Schnupfen oder Nebenhöhlenbeschwerden. Wind und Staubpartikel können Bindehautentzündung auslösen. Insektenstiche können die Erinnerung an ein schönes Picknick vermiesen. Deshalb tut man gut daran, Mittel gegen folgende gesundheitliche Beeinträchtigungen einzupacken:

  • Mückenschutzmittel
  • Mittel gegen Insektenstiche
  • Zeckenzange (ggf. FSME-Prophylaxe beachten)
  • Schnupfen, Erkältung, NNH-Probleme
  • Bindehautentzündung (Augentropfen)
  • Desinfektionsmittel (Ich bevorzuge Whisky oder Wodka zur innerlichen und äußerlichen Anwendung)
  • Pflanzliche Schmerzsalbe. Sie ist für Motorradfahrer u. U. besonders hilfreich bei akuten Muskelschmerzen im Rückenbereich, Zerrungen, Prellungen und Verstauchungen nach Unfallverletzungen.
Bild einer Apotheke in Russland mit 24-Stunden-Service und Viagra im Sonderangebot. Sie könnte die Motorrad-Bordapotheke ersetzen.

Eine Apotheke in Russland mit 24-Stunden-Service

Tips für die
Organisation der Motorrad-Bordapotheke

Da der Platz auf dem Motorrad beschränkt ist, muß man auch seine Bordapotheke gut organisieren. Meine Erfahrungen sind folgende:

Verpackung

  • Nicht von allen Medikamenten muß gleich die ganze Originalverpackung mitgenommen werden. Da tut es auch eine kleine Auswahl aus der Hausapotheke (z. B. bei Schmerzmitteln oder Medikamenten für den Verdauungstrakt).
  • Soweit wie möglich die Tabletten in der originalen Blister-Packung belassen und ggf. den Reisevorrat abschneiden. In dieser Verpackung halten die Wirkstoffe länger und sind zudem gegen Umwelteinflüsse (z. B. Feuchtigkeit) geschützt.
  •  Offene Tabletten verstaue ich in einem Sortimentskästchen aus dem (Elektronik-)Zubehörhandel. Dabei bitte aber auf die eindeutige Kennzeichnung achten, ggf. mit einem kleinen Etikett auf jedem Fach.

Reserve

Verschreibungspflichtige Medikamente braucht man nicht unbedingt in natura mitzunehmen. Oft reicht auch ein in einem EU-Mitgliedsstaat ausgestelltes Rezept, das in allen anderen EU-Mitgliedsstaaten eingelöst werden kann. Einzelinformationen zu länderübergreifenden Verschreibungen finden sich hier.

Fahrtüchtigkeit

Bitte gut merken, welche Medikamente u. U. die Fahrtüchtigkeit beeinflussen.

Information

  • Die Beipackzettel der Standardmedikamente meiner Motorrad-Bordapotheke habe ich mir auf mein Telefon heruntergeladen. Das dient nicht nur der eigenen Information, sondern hilft auch dem Arzt oder Apotheker, den man ggf. unterwegs konsultieren muß.
  • Auch meinen Impfpaß habe ich mir heruntergeladen, um nicht das Original mitschleppen zu müssen.

 

Kann vielleicht der eine oder andere Arzt oder Apotheker, der dies liest, weitere nützliche Informationen beitragen? Wer hat sonst noch Tips?

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