Motorrad Reiseblog mit Touren, Tipps & Tricks

Geplatzte Motorrad-Tourenträume

Motorrad-Tourenträume sind geplatzt. Welche Regionen bleiben mir versperrt? Was muß ich berücksichtigen, wenn ich mir einen Tourentraum erfüllen will? 

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Aus der Traum?

Corona war gestern. Nachdem wir gelernt haben, mit den Beschränkungen der Pandemie halbwegs zurechtzukommen und die Warnzahlen im Sinken begriffen sind, reifen überall Tourenpläne für die kommende Saison.

Bis vor Kurzem schien es sogar, als lasse sich die Frage: „Wohin soll denn deine nächste Motorrad-Traumtour gehen?“ wieder leichter beantworten. Besonders, weil sich nach einer vermurksten Saison die Sehnsucht nach Ferne und neuen Zielen stärker bemerkbar macht. Verbunden mit der Hoffnung, daß mancher Tourentraum im neuen Jahr doch noch verwirklichen läßt.

Bis mit dem völkerechtswidrigen Angriff der russischen Armee auf die Ukraine die Sorge vor einem großen Krieg mit all seinen unkalkulierbaren Weiterungen plötzlich konkret Gestalt annahm. Selbst wenn die Situation sich irgendwann wieder „normalisieren“ sollte, bleibt doch die Aussicht darauf, daß jetzt ein zweiter Eiserner Vorhang über Osteuropa niedergeht. Schmerzlich für alle diejenigen, die in der Vergangenheit auf ihren Touren positive Erfahrungen mit den Menschen in diesem beiden Ländern machen konnten.

Damit sind lange gehegte Motorrad-Tourenträume in Richtung Osten und Südosten geplatzt. Nicht allein, weil fast jede Route dorthin durch Kriegs- oder Besatzungsgebiet führt. Es wäre auch naiv zu glauben, daß es künftig einfach sein wird, die erforderlichen Visa zu bekommen. Vergiß es!

Von welchen besonderen Touren träume ich? Welche reizvollen Gegenden – abseits der „ausgelutschten“ Routen – würde ich gerne mit dem Motorrad erobern? Was geht unter erschwerten Bedingungen noch?

Rund ums Schwarze Meer

Schon lange träumen wir von einer Umrundung des Schwarzen Meeres. Vom Startpunkt Bukarest/Konstanza aus im Uhrzeigersinn über Odessa – Sewastopol/Krim – Rostow – Krasnodar – Sotschi – Batumi – Trabzon – Istanbul – Warna wieder nach Konstanza.

motorrad-tourentraeume: motorradtour rund um das schwarze meer

Motorradtour rund um das Schwarze Meer. │ Karte: Yandex. Die Darstellung läßt die politischen Verhältnisse unberücksichtigt.

Im östlichen Teil zwischen Noworossijsk und der georgischen Grenze ist die Strecke traumhaft zu fahren. Ähnlich schön soll die Strecke an der türkischen Schwarzmeerküste entlang sein. Besonders diese Gegend würden wir gerne näher kennenlernen.

Aber die ukrainische Schwarzmeerküste ist bis auf weiteres Kriegsgebiet mit allen Sperren, Verboten und persönlichen Risiken. Und wieweit die Krisenlage auch den östlichen Schwarzmeerraum erfassen könnte, wissen die Götter.

Längs durch den Kaukasus

Der Kaukasus ist eines der naturschönsten und aufregendsten Gebirge, die für uns Europäer – gerade noch – gut erreichbar sind. Nachdem ich den westlichen (heute russischen) Teil dieses natürlichen Sperrriegels zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer habe kennenlernen können, war ich von dieser Landschaft restlos begeistert.

Warum also nicht einmal der Länge nach durch diese wilde Berglandschaft fahren? Krasnodar ist eine tolle Stadt und wäre ein guter Ausgangspunkt. Dann im Zickzack über Wladikawkas hinunter nach Aserbeidschan zu den Bohrtürmen von Baku – das hätte schon was.

motorrad-tourentraeume: durch den kaukasus

Motorradtour durch den Kaukasus vom Schwarzen Meer zum Kaspischen Meer. │Karte: Yandex. Die Darstellung läßt die politischen Verhältnisse unberücksichtigt.

Aber halt, auch diese Region ist leider höchst gefährlich. Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts sprechen eine deutliche Sprache, nicht ohne guten Grund. So interessant eine Tour durch Südossetien, Berg Karabach, Dagestan oder Tschetschenien auch klingen mag – vergiß es! Dort gibt es seit Jahrhunderten kriegerische Auseinandersetzungen. Die Menschen haben sehr robuste Umgangsformen und die Grenzen sind teilweise zu. Man muß nicht erst in den Romanen von Puschkin, Lermontow oder Tolstoj nachlesen, um die Hoffnung zu begraben, daß sich dort zu unserer Lebenszeit grundsätzlich etwas zum Besseren wenden könnte. Leider.

Rund ums Mittelmeer

Am längsten träumen wir davon, das Mittelmeer einmal komplett zu umrunden. Bei einer längeren Auszeit würden wir gerne den mediterranen Raum so erleben, wie er zur Kaiserzeit einmal Mittelpunkt des Römischen Reiches war. Das „mare nostrum“:

roemisches reich zur zeit von kaiser konstantin dem grossen

Bleibt vorerst ein Traum: eine Zeitreise in die Vergangenheit rund um das Mittelmeer

Von Marseille aus würde uns die Fähre nach Algier bringen. Im Uhrzeigersinn ginge es dann über Gibraltar (die „Säulen des Herakles“) zurück nach Europa, die spanische Küste und die Levante hoch bis Genua und weiter um den italienischen Stiefel herum bis Triest. Danach auf den Spuren der Kreuzritter die dalmatinische Küste runter – Griechenland – türkische Riviera – Syrien – Libanon – Jerusalem – Suez-Kanal – Pyramiden von Gizeh – durch die Cyrenaika – Tunis – Algier und mit der Fähre wieder zurück nach Marseille.

Aber aus dieser Motorrad-Traumtour wird wohl erst einmal nichts, denn unsere Route ist wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und Libyen zweifach unterbrochen. Nur aus Sturheit dorthin fahren zu wollen, wäre idiotisch. Wann eine komplette Mittelmeerumrundung wieder möglich sein wird, steht in den Sternen. Ich bin da sehr skeptisch, sicher nicht zu Unrecht.

Militärgrenze – Siebenbürgen – Südkarpaten

Was bleibt also noch an Motorrad-Traumrouten im Osten und Südosten Europas? Da ich den Balkan mit dem Motorrad noch nicht kenne, würde ich gerne einmal mitten durch Südosteuropa fahren. Der erste Teil meiner (fiktiven) Strecke verläuft entlang der ehemaligen k. u. k. Militärgrenze zwischen Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich. Heute deckt sich dieser Grenzstreifen in etwa mit der bosnisch-kroatischen Grenze.

ehemalige oesterreichische militaergrenze auf dem balkan

Verlauf der ehemalihen k. u. k. Militärgrenze von der Adria nach Rumänien – Bild: Der Standard, Wien

An dieser Militärgrenze wurden seit dem 16. Jahrhundert zum Schutz gegen die Osmanen – und die grassierende Pest –11 Regimenter stationiert, samt den zugehörigen Familien. Nachdem sie infolge der österreichischen Okkupation Bosniens 1878 ihre strategische Bedeutung verloren hatte, wurde die k. u. k. Militärgrenze aufgelöst. Insgesamt ist es ein sehr interessantes kulturelles Mischgebiet. Vom fahrerischen Reiz ganz zu schweigen.

Von der kroatischen Adriaküste und den Plitvitzer Seen aus sollte meine Tour zunächst entlang der Flüsse Una und Save Richtung Belgrad verlaufen. Von der serbischen Hauptstadt aus ginge es dann in großem Bogen nach Rumänien hinein durch das landschaftlich wunderschöne, historische Siebenbürgen. Anschließend über das slowakische Košice durch die südlichen Karpaten wieder Richtung Westen.

motorrad-tourenträume: motorradtour entlang der oesterreichischen militaergrenze durch siebenbuergen und die suedliche tatra

Motorradtour entlang der ehemaligen österreichischen Militärgrenze, durch Siebenbürgen und die südliche Tatra

Da die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts für diese Tourenregion einen insgesamt akzeptablen Eindruck machen, steht dieser Südosteuropa-Tour nach Stabilisierung der Covid-19-Lage eigentlich nichts um Wege. Es wäre also an der Zeit, sich um die Planung zu kümmern.

Fazit

Wer in Zeiten von Corona und kriegerischen Auseinandersetzungen seine Tourenträume verwirklichen möchte, sollte auf dem Teppich bleiben und ganz rational ein Motorradabenteuer gegen die Gefahren abwägen, die entlang der Strecke lauern. Schöne Bilder, die vielleicht noch aus einer früheren heilen Zeit stammen, dürfen dabei nicht trügen. Sicherheit geht vor. Letztlich hilft nur eines: Geduldig eine Normalisierung der Lage abwarten und unterdessen nach Ausweichzielen suchen.

Aktualisiert am 02/03/2022 von Christian

Comments (2):

  1. Christian

    02/03/2022 at 21:13

    Hallo Christian,
    deinem Bericht kann ich nur zustimmen, ich hatte auch die Hoffnung gehabt nach zwei Jahren Corona wieder eine längere Tour zu fahren. Geplant war einmal um das Schwarze Meer mit Start in Rumänien, durch Georgien und zurück durch die Türkei. Selbst wenn es zu einem Frieden kommt ist es für mich zu gefährlich als Motorradfahrer durch ehemalige Kriegsgebiete zu fahren. Ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen und kann nur sagen Chapeau !
    Der Mann weiß wovon er spricht und kennt sich als alter Motorradfahrer richtig aus.
    Herzliche Grüße aus Brandenburg
    Christian

    Antworten
    • Christian

      03/03/2022 at 11:02

      Lieber Namensvetter Christian,
      ich freue mich, daß meine Einschätzung auf Deine Zustimmung gestoßen ist und Dir meine Beiträge Freude machen. Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich bemühe mich halt, Gleichgesinnte an meinen Erfahrungen in einer Weise teilhaben zu lassen, die auch Spaß am Stöbern und Lesen vermittelt.
      Viele Grüße und alles Gute für die neue Saison
      Christian

      Antworten

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