Auf zwei Rädern um die Welt

Wie bleibe ich in der Pandemie fit für die Motorradsaison?

In der Pandemie fit für die Motorradsaison bleiben heißt: körperliche Leistungsfähigkeit auffrischen und dabei die Fahrdynamik verinnerlichen. Wie geht das?

Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

Nicht fit für die Motorradsaison?

Niemand kann seriös voraussagen, wann die Corona-Pandemie endgültig vorbei sein wird. Wann wir wieder grünes Licht haben werden für freie Fahrt in attraktiven Motorradrevieren. Fest steht nur: Irgendwann werden wir wieder auf große Tour gehen können. Aber sicher wird dann vieles anders sein.

Vorerst bleiben wir aber noch gefangen: in unserem Zuhause, das wir nur „aus zwingenden Gründen“ verlassen dürfen, im 15-Kilometer-Sperrkreis, der im besten Falle bis zum Nachbarort reicht, in den Beschränkungen bei Arbeit und Freizeit.

Nach fast einem Jahr zeigen sich bei den Menschen die mittelbaren Covid-Folgen: Verschlechterung der körperlichen Verfassung, der Leistungsfähigkeit, Nachlassen von Kraft und Beweglichkeit. Feiertägliche Zusatzpfunde tun ein Übriges. Viele sind regelrecht „eingerostet“.

Pegasus als fleischgewordene Mobilität nach einem Kupferstich von Jacopo de‘ Barbari um 1510 als Aufforderung, körperlich fit für die Motorradsaison zu werden

Der Pegasus als fleischgewordene Mobilität: Kupferstich von Jacopo de‘ Barbari um 1510 │© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz

Um selbst ein Gespür dafür zu bekommen reicht es schon, eine schwere Tourenmaschine in der Garage umherzurangieren oder in sich beim Einbiegen auf eine verkehrsreiche Hauptstraße weit nach links hinten umzudrehen. Flackern dabei innere Warnsignale auf, ist es höchste Zeit, die eigene Fitness auf dem Motorrad zu verbessern.

Was muss ich gegen das Einrosten tun?

Die Tourenplanung während der Schlechtwettermonate motiviert dazu, mit gezieltem Konditionstraining fit für die Motorradsaison zu werden. Als Belohnung winkt ein Gewinn an Souveränität, Sicherheit und Spaß beim Motorradfahren.

Leichter gesagt als getan, wenn seit Monaten Sportstätten und Fitnessstudios geschlossen sind. Und nicht jeder hat eine Muckibude zu Hause. Aber es lassen sich auch mit Bordmitteln beträchtliche Verbesserungen der physischen Kondition erreichen. Dazu unten mehr.

Welche physischen Herausforderungen stellt die neue Saison?

Nicht nur Tourenfahrer wissen, daß ein langer Tagestrip mehr Durchhaltevermögen und Konzentration erfordert als eine vergleichbare Fahrt mit dem Auto. Das erfordert kontinuierliches Training.

Warum strengt Motorradfahren an?

  • Der Motorradfahrer ist während der gesamten Tour bewußt und unbewußt körperlich gefordert. Souveränes, dynamisches Fahren erfordert permanenten Körpereinsatz und damit Kraft und Beweglichkeit – insbesondere auf Kurvenstrecken, aber auch im Stop-and-Go-Verkehr auf der zugestauten Autobahn oder beim Rangieren.
  • Wettereinflüsse und Straßenverhältnisse schlauchen auf Dauer den Fahrer und verlangen deshalb auf einer langen Tour weit mehr Fitness als Autofahren.

Wo sind die versteckten physischen Belastungen?

  • Bei allem Fahrenthusiasmus entgeht uns, daß die Fahrhaltung auf dem Motorrad eigentlich ungesund ist: Wie beim Spirit of Ecstasy, der legendären Kühlerfigur von Rolls-Royce, strecken wir unseren Kopf viel zu weit vor den Körperschwerpunkt.  Er wiegt ca. 6 kg – ein satter Brocken, der von Nackenmuskeln und Wirbeln gehalten werden muß. Deren Beanspruchung steigt mit zunehmendem Winddruck bei höheren Geschwindigkeiten. Sporttourer- und Supersportlerfahrer wissen davon ein Lied zu singen.
  • Unnatürlich an dieser Haltung ist auch, daß die Schultern nach innen rotiert sind. Gerade bei langen Fahrten begünstigt dies Haltungsfehler – Rundrücken, eingezogene Brust, rausquellender Bauch. Hiergegen ist Gymnastik angesagt.

Wie beeinträchtigt mangelnde Fitness die Sicherheit?

  • Die Reaktionszeit wird länger, da höhere Anforderungen an Konstitution und Konzentration den Körper früher ermüden lassen.
  • Dies vermindert die Reaktionsfähigkeit, in Risikosituationen blitzartig und intuitiv klare Handlungsentscheidungen zu treffen.
  • Körperliche Ausfallerscheinungen aufgrund fehlender Fitness können hinzutreten, insbesondere bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr (z. B. Sekundenschlaf auf der Autobahn).
  • Ein Motorradunfall hat meist schwerwiegende körperliche Schäden zur Folge: Was im Auto vielleicht noch halbwegs zu überstehen ist, wird beim Motorradfahren unweigerlich fatal.

Was macht mich fit für die Motorradsaison?

Hinweis:

Die nachfolgend beschriebenen Methoden beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen, die auf meinen persönlichen physischen Zustand zugeschnitten sind. Wer in das Training einsteigen will, sollte dies nicht ohne die vorherige Beratung durch einen Sportarzt / Physiotherapeuten / erfahrenen Trainer tun und dabei besprechen, welche Trainingsziele und Übungen in Frage kommen. Dies hilft, Fehlebelastungen beim Training und evtl. körperliche Schäden zu vermeiden.

Um diesen Risiken zu begegnen ist es wichtig, den Körper auf die erhöhten Herausforderungen der Straße vorzubereiten. Deshalb sollte das persönliche Fitnessprogramm drei Trainingsziele verfolgen:

  • Beweglichkeit verbessern
  • Ausdauer erhöhen
  • Körperkraft stärken.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt auch hier in der Regelmäßigkeit des Trainings. Je nach persönlicher Verfassung sollten dabei alle drei Trainingsziele kombiniert werden.

Beweglichkeit verbessern

Skulpturengruppe, darstellend zwei griechische Pankrationkämpfer: Durchtrainierte Körper machen fit für die Motorradsaison.

Griechische Pankrationkämpfer │© Galleria degli Uffizi, Firenze

Wo liegen die Probleme?

Die Corona-Zeit hat uns einrosten lassen: Sportstätten und Fitnessstudios sind zu, die Bewegung im Freien ist eingeschränkt, die Sitzzeit am Schreibtisch oder im Sessel gestiegen. Folge: Wer sich zu wenig bewegt, kann mit der Zeit eine zahlreiche körperliche Probleme bekommen – von versteiften Muskeln und Rückenschmerzen bis hin zu Koordinierungsproblemen des Muskelapparates und noch mehr. Damit wird es beim Motorradfahren problematisch.

Was muss ich tun?

Dagegen helfen nur konsequente Bewegungsübungen. Wichtig ist vor allem, diejenigen Gelenke zu mobilisieren, die wichtig sind für die Handhabung des Motorrades und für das Fahren selbst: Fuß- und Hüftgelenke, Wirbelsäule. Denken wir nur an deren Beanspruchung bei Fahrten im Gelände oder mit schwerer Beladung im Stop-and-Go-Verkehr.

Wichtig für die Stabilisierung des Körpers beim Motorradfahren ist auch die Stärkung des Gleichgewichtssinns, die Teil des Bewegungstrainings ist.

Wie gehe ich das Training an?

  • Wenn die öffentlichen Sportstätten geschlossen sind, müssen die eigenen vier Wände als Trainingsstätte herhalten. Dazu reichen ein paar Quadratmeter Platz und ein internetfähiger Fernseher (oder auch ein Laptop), und schon öffnen sich tonnenweise Trainingsvideos im Netz. Da kann sich jeder nach eigenem Gusto heraussuchen, was ihm gefällt oder seinen Trainingsbedürfnissen entspricht. Ich selbst bin (trainingsmäßig) bei der Sport- und Gymnastiklehrerin Gabi Fastner gelandet, die für alle Trainingsbedürfnisse etwas im Programm hat.
  • Wer Probleme mit bestimmten Gelenken oder Muskelpartien hat, ist beim Trainingsprogramm von Voltaren gut aufgehoben. Hier kann man sich ein individuelles Trainingsprogramm aus knapp 270 Übungsvideos zusammenstellen, um seine Muskulatur zu stärken, Verspannungen zu lockern und die Gelenke zu mobilisieren.
  • Wer noch intensiver einsteigen will, sollte sich mal mit Feldenkrais-Übungen befassen. Der französische Kernphysiker Moshe Feldenkrais hat nach einem schweren Unfall eine eigene Methode der Selbstmobilisierung entwickelt, die speziell auf die eigenen persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Ich selbst habe diese Methode im Krankenhaus kennengelernt und betreibe sie seitdem weiter. Mit positiven Überraschungen und Ergebnissen.

Ausdauer erhöhen

Antike Darstellung von vier griechischen Läufern mit schwarzen Körpern auf gelbem Untergrund

Angepaßtes Ausdauertraining stärkt das Herz-/Kreislaufsystem. Der Hausarzt oder Kardiologe wird gerne Hinweise geben, wie man das unter Berücksichtigung der eigenen Konstitution am besten anstellt und bis zu welcher Herzfrequenz man trainieren sollte.

Wichtig für uns Motorradfahrer: Ein gut trainiertes Herz-/Kreislaufsystem verbessert die Durchhaltefähigkeit und die physische Beherrschung der Maschine auf langen Strecken.

Mangels anderer Möglichkeiten bei Schmuddelwetter und Corona habe ich mein Cardio-Training ins Wohnzimmer verlagert. Ganz einfach, mit dem guten alten Springseil, wie es auch im Boxtraining verwendet wird. Für 20 bis 30 Euro bekommst du schon ein Profi-Springseil, mit dem du zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Hause trainieren kannst bis du schaust wie die Schlage Kaa im Dschungelbuch.

Rumpfmuskulatur stärken

Marmorner Torso eines Kentauren

Torso eines Kentauren│© Galleria degli Uffizi, Firenze

Viele verwechseln die Stärkung des Muskelapparates mit Bodybuilding. Das ist grundfalsch, denn wer fit für die Motorradsaison werden will, trainiert nicht auf Maximalkraft. Es geht vielmehr darum, die Rumpfmuskulatur zu stärken, damit sie die physischen Anforderungen des Motorradfahrens über lange und schwierige Strecken gut aushält.

Wichtig ist für uns die Stärkung der Bauch-, Rücken- und Schultermuskeln. Nicht zu vergessen natürlich die Arm- und Beinmuskeln. Zusammengenommen also jene Muskelgruppen, die beim Motorradfahren am meisten in Anspruch genommen werden.

Solange man sich coronabedingt kein maßgeschneidertes Trainingsprogramm unter fachlicher Aufsicht zusammenstellen (und überwachen lassen) kann, ist man auch hier auf das Internet angewiesen. Anleitungen dazu gibt es tonnenweise – also einfach suchen und ausprobieren.

Die Sozia nicht vergessen!

Antike Darstellung der Harmonie im Sattel mit der Sozia einer junge Frau auf Stier reitend

Da fehlt der Sozia wohl die richtige Schutzkleidung: Aegidius II Sadeler, „Raub der Europa“ (1619) │ © Musée du Louvre • Laurent Chastel

Anstrengend ist eine lange Tour nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die liebe Sozia. Sie muß Strecke und Kurverei in gleichem Maße gut überstehen können. Wenn sie für solche Unternehmungen fit ist, wird sie wie ein Federchen durch die Kurven mitschwingen, ohne daß der Fahrer das süße Zusatzgewicht bemerkt. Hilfreich ist nicht zuletzt, daß man gemeinsam trainiert und sich gegenseitig zum Training motiviert.

Fazit: Anstrengung lohnt sich!

Extraterrestrial Hwy in Nevada bei einer Fahrt durch die Wüste, wozu man körperlich fit für die Motorradsaison sein muß

Fit durch die glutheiße Wüste: Auf dem Extraterrestrial Highway in Nevada

Je mehr die Sonne scheint und je länger die gefahrenen Strecken werden, desto mehr zahlt sich spürbar aus, daß man sich fit für die Motorradsaison gemacht hat.  Wer dann am Ende einer langen, schwierigen Tour abends von der Maschine absteigt, sich streckt und sagen kann: „Ich bin körperlich noch super drauf“ – der ist auf dem richtigen Weg.

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