Auf zwei Rädern um die Welt

Tipps für Motorradtouren in Italien

6 Tipps für Motorradtouren in Italien helfen, gut durch Land und Städte zu kommen und dabei Probleme und Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

1. When in Rome, do as the Romans do.

Die meisten Ausländer begehen im italienischen Verkehrstrubel einen kapitalen Fehler: Sie fahren so, wie sie es in ihrer Fahrschule gelernt haben – Schulterblick, Rückspiegel, einfädeln lassen, rechts vor links und dergleichen mehr. Aber genau so funktioniert das in Italien nicht.

Einer der wichtigsten Tipps für Motorradtouren in Italien ist deshalb:  Man muß wissen, daß sich die Kraftfahrer grundsätzlich an dem Verkehrsgeschehen orientieren, das VOR ihnen läuft. Alles was sich hinter ihnen abspielt, ist vollkommen egal. Im Verkehrsfluß schaut auch der Vordermann nach vorne, der Hintermann ebenfalls. Man selbst ist mittendrin und dabei stets unter der Kontrolle der übrigen Verkehrsteilnehmer – auch wenn man das nicht so mitbekommt.

Einer der wichtigsten Tipps für Motorradtouren in Italien: immer nach vorne schauen

Immer den Blick nach vorne!

Hält sich nun ein ausländischer Verkehrsteilnehmer aufgrund seiner nordeuropäischen Sozialisierung nicht an diese eiserne Regel, ist das Chaos programmiert. Und der eigene Schaden vielleicht auch.

Zugegebenermaßen: Diese Vorwärtsstrategie ist nicht jedermanns Sache und viele trauen sich nicht, nur mit Blick nach vorne und ohne den gewohnten Kontrollblick in den Rückspiegel zu fahren. Aber es funktioniert, weil die Einheimischen das so erwarten.

2. Nicht tricksen

Im italienischen Verkehrsgewühl haben viele sicher schon bemerkt, mit welchen Tricksereien sich die Einheimischen durchzuschlagen wissen. Auch das ist eine Frage der Sozialisierung und der langjährigen gleichförmigen Übung.

Ich kann nur dringend davon abraten, ihnen dies gleichtun zu wollen. Vor allem nicht mit ausländischem Kennzeichen. Erstens können die Italiener das in aller Regel besser. Und zweitens kommt das nicht gut an. Unweigerlich wird man deshalb bei der nächsten passenden Gelegenheit den Kürzeren ziehen. Und zwar häßlich. Also con calma, immer mit der Ruhe, auch wenn im hochsommerlichen Stadtverkehr der Schweiß rinnt.

3. Bella figura

Zu den nordeuropäischen Fehlwahrnehmungen gehört auch, italienischen Kraftfahrer*innen einen Hang zum bella figura machen zu unterstellen, um in der Öffentlichkeit einen tollen Eindruck zu schinden. Das hat aber mit der Realität ebenso wenig zu tun wie Dosenravioli mit italienischer Küche.

Tipps für Motorradtouren in Italien: bella figura

Dahinter steckt vielmehr eine Haltung, die seit der Renaissance als sprezzatura bekannt ist: eine gewisse Art von Lässigkeit anzuwenden, die die Kunstfertigkeit verbirgt und gleichzeitig aber zeigt, daß das, was man tut oder sagt, anscheinend mühelos und fast ohne Nachdenken zustande gekommen ist („usar in ogni cosa una certa sprezzatura, che naschonda l’arte e dimostri ciò che si fa e dice venir fatto senza fatica e quasi senza pensarvi“).

Einen der wichtigsten Tipps für Motorradtouren in Italien sollte man deshalb mit in den Süden nehmen: Die beschriebene Fahrweise setzt voraus, daß man die nötige innere Einstellung und die zugehörige Erfahrung besitzt, um sich im Verkehrstrubel so durchzuschlagen wie die Italiener dies tun. Diese bringen jedoch nur die wenigsten Ausländer mit. Aber ein wenig davon abschauen kann man sich vielleicht schon.

4. Verkehrsregeln sind für Ausländer da?

Viele Ausländer gewinnen den Eindruck, als seien die Verkehrsregeln in Italien nichts weiter als unverbindliche Anhaltspunkte für das Verhalten im Straßenverkehr.

Tipps für Motorradtouren in Italien: Führerscheine

Das mag ja oft so sein, aber es ist kein Grund zum Nachmachen. Viele Ausländer vergessen, daß sie mit ihrem Kennzeichen perfekt in das Beuteschema der Ordnungshüter und der Ortsansässigen passen, die (zurecht) an einem solchen Verhalten Anstoß nehmen. Daß ein Einheimischer damit durchkommt, haben wir nicht zu beurteilen. Es ist eine ganz andere Sache, wenn wir als Ausländer dies tun. Auch bei uns in Deutschland hinterläßt es einen denkbar schlechten Eindruck, wenn ausländische Boliden im absoluten Halteverbot parken oder auf der Autobahn waghalsige Rennen veranstalten. Nicht zu vergessen: Solche Ordnungswidrigkeiten werden in der Öffentlichkeit dem Herkunftsland als ganzem angelastet.

5. Meide die Innenstadt

Historische italienische Städte haben eine im Grunde sehr vernünftige Regelung, ortsfremden Verkehr aus dem Centro Storico draußen zu halten: die ZTL (Zona di Traffico Limitato), in die ausschließlich Fahrzeuge mit einer Sondergenehmigung einfahren dürfen.

Einer der unabdingbaren Tipps für Motorradtouren in Italien: nicht in die ZTL einfahren

Unsere Maschine steht voll in der ZTL von Arezzo – aber nicht illegal.

In den meisten Städten sind bei Beginn der ZTL Überwachungskameras angebracht. Die Kennzeichen aller Fahrzeuge werden fotografiert und es wird automatisch überprüft, ob eine Einfahrtsgenehmigung für das Kennzeichen vorhanden ist – oder nicht. In kleineren Gemeinden wird die Zufahrt durch die Polizei kontrolliert.

Eklig ist nicht nur, daß man im Falle eines Verstoßes mit mindestens 80 Euro mit von der Partie ist. Selbst wenn es einem gelingt, in die ZTL einzufahren, begibt man sich in aller Regel in einen Irrgarten aus Einbahnstraßen, Pollern und Treppchen, in dem man bald verloren ist.

Mein Rat daher: Vorher orientieren, wo man das Motorrad sicher parken kann (parcheggio custodito) und dann zu Fuß weitergehen. Zudem sind die meisten historischen Innenstädte ja nicht so groß, daß man dies nicht schaffen würde.

6. Mittags Strecke machen

Um auf einer Etappe flott voranzukommen, eignet sich die Mittagszeit. Warum? Dann sitzt die Nation über ihrem wohlverdienten pranzo und auf den Straßen herrscht deshalb weniger Verkehr als vor- oder nachher. Wohltuend bemerkbar macht sich dies vor allem bei (Autobahn-)Baustellen, an denen sich dann meist fühlbar weniger Staus bilden. Ein Plädoyer für kleine Pausen zwischendurch und ein genüßliches Abendessen am Schluß der Tagesetappe.

In diesem Sinne: Viel Spaß und gute Fahrt bei Euren Motorradtouren in Italien!

 

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