Auf zwei Rädern um die Welt

Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Die Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 führt durch vielfach unbekannte Motorradreviere unseres Nachbarlandes: durch eine kurvenreiche Vulkanlandschaft an die Atlantikküste bis hinunter zu den Pyrenäen. Wo liegen die besonderen Reize der Strecke?

Frankreich erleben

Moving me down the highway, rolling me down the highway
Moving ahead so life won’t pass me by
—  Jim Croce, I’ve got a name (1973)

Frankreich „erfahren“ als landeskundlich-kulturelles Erlebnis – jeder tut es auf seine eigene Weise. Glaubt man den Angaben der Banque de France, bewegen sich die Touristen meist auf immer der gleichen Nord-Süd-/Südwest-Trasse in Richtung  Meer und Berge. Aber gleich abseits beginnt schon die Einsamkeit des Landes. Unterlegt man dieses Bild mit dem grüngeränderten Kapillarsystem der Landsträßchen auf den Michelin-Karten, öffnen sich weite Freiräume für Abenteuer auf zwei Rädern.

Diese werden sich uns erst so recht in der France profonde erschließen, im ländlichen Frankreich: wo die Straßen eher fünf als fünfzehn Meter breit sind, wo mehr Traktoren verkehren als Autos, wo man sich im Alltag noch ein Überbleibsel vorrevolutionärer courtoisie bewahrt hat und wo dieses herrliche Land seine bezaubernde Monolingualität auslebt. Dort wollen wir hin. Aber auch in die größeren Städte am Wege: Bordeaux, Biarritz, Toulouse, Carcassonne, Albi. Und natürlich durch das Zentralmassiv, den Périgord, die Pyrenäen und die Cevennen.

Die Zeit für dieses Unternehmen scheint uns passend gewählt: Nach der rentrée ist das Land aus den Sommerferien zurückgekehrt. Die meisten ausländischen Touristen sind wieder über die Grenze. Und die, die jetzt noch kommen, sind (im doppelten Wortsinne) meist Herbstsonnen-Genießer mit anderen Intentionen als wir sie haben.

Unsere Maschine ist zeitgerecht präpariert: Alle Betriebsflüssigkeiten sind gewechselt und die Ventile sauber eingestellt. Für Sicherheit und ein unbeschwertes Kurvenerlebnis in den Pyrenäen sorgen neue Reifen, frische Bremsbeläge und akkurat gewartete Öhlins-Federbeine.

Unsere Checkliste für das minimalistische Reisegepäck hat sich über die Jahre bewährt. Wasserdicht sind wir auch geworden: Nachdem uns 2.000 Kilometer Regenfahrt auf dem Weg von Moskau nach Lyon gelehrt haben, daß auf den kalendarischen Sommer nicht unbedingt meteorologischer Verlaß ist, haben wir uns neu eingekleidet. Die Ganzkörpermülltüten a.k.a. Regenkombis sind nun überflüssig geworden und lassen Platz für Nützlicheres – oder Freiraum für ein genüßliches Picknick auf dem Lande.

Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1:
Vulkane und Meer

Lange geplant, immer wieder aufgeschoben: eine zweiwöchige Frankreichtour abseits ausgetretener Pfade. Unsere Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 führt durch das Zentralmassiv an den Atlantik. An der Küste entlang nach Süden bis an die spanische Grenze. Im 2. Teil soll es dann über tausend Kurven durch die Pyrenäen ans Mittelmeer gehen. Und von dort durch die Schluchten der Ardèche wieder zurück nach Lyon.

Streckenkarte der Motorradtour Südwestfrankreich Lyon Bordeaux Biarritz Carcassonne Toulouse Lyon

Es sollte eine unkonventionelle Tour werden. Was haben wir – Christine und ich – dabei alles entdeckt und erlebt?


1. Etappe

Lyon – Vienne – Bourg Argental – Yssingeaux – Puy-en-Velay. 171 km

Streckenkarte einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1: 1. Etappe von Lyon nach Puy-en-Velay

Von der Rhône
zu den Vulkanen

Gemessen an alledem, was wir in den nächsten zwei Wochen auf unserer Motorradtour durch Südwestfrankreich erfahren und erleben wollen, verläuft der Aufbruch erstaunlich unspektakulär: Abfahrt 11.11 Uhr – die Nacht war kurz, der Vorabend kulinarisch und angeregt das Gespräch mit den Freunden, die unsere Wohnung während unserer Abwesenheit einhüten. Wir besteigen unsere Maschine so gelassen wie zu einer Wochenendtour. Worauf haben wir uns da wohl eingelassen?

Aufregend wird es erst mal nicht: Bei nur mäßigem Sonnenschein begeben wir uns zunächst Autoroute du Soleil. Diese verlassen wir aber schon nach wenigen Kilometern zu Gunsten der Route des vins des Côtes du Rhône, die Vienne  mit Avignon verbindet. Genußvoll ist die Fahrt entlang der Weinberge, die uns schon manch guten Tropfen beschert haben.

Durch die Vulkanlandschaft des Zentralplateaus

Spannender wird es schon, als wir in einem nichtssagenden Kaff mit dem lustigen Namen St-Pierre-du-Boeuf nach Südosten in die französische Vulkaneifel abbiegen. Hier wird die Gegend kurvig und wildromantisch.
Landschaftsbild vom Velay in Zentralfrankreich mit Vulkankegeln im Hintergrund

Vulkankegel im Velay

Wie so oft haben wir die Straße ganz allein für uns und durchqueren menschenleere Dörfer. Je höher wir in dieses rauhe Mittelgebirge hinauffahren, desto frischer und ungemütlicher wird es. Ein sonniger Zwischenstop im Café de la Paix an der Ortsdurchfahrt von Bourg Argental wärmt uns zwar ein wenig. Aber unsere Einstiegsetappe ist ja überschaubar und unser Tagesziel nicht mehr sooo weit.

Von hier aus führt uns die D 503 weiter nach Yssingeaux, wo man seit dem 18. Jahrhundert wunderschöne und praktische Messer schmiedet. Wer Lust hat, kann eine der Manufakturen besichtigen und den Messerschmieden bei ihrer Arbeit zuschauen.

Bild von einem Yssingeaux-Messer mit Lederetui auf einer Landkarte der Auvergne mit dem Ort Yssingeaux, wo diese Messer hergestellt werden

Am Nachmittag, eigentlich viel zu früh für so eine entspannende Fahrt, erreichen wir unser Hotel Moulin de la Barette kurz vor Puy-en-Velay. Es ist ebenso nett wie leer. Die landesweite Feriensaison ist vorüber. Abseits der großen Straßen trifft man nur noch spinnerte Ausländer.

Puy-en-Velay ist eine sehr nette, von der Renaissance geprägte Provinzstadt mit schmalen Häusern und Katzenkopfpflaster. Zuerst erklimmen wir die steilen 286 Stufen zur Kapelle St-Michel, ein auf eine Vulkannadel aufgepflanztes Kirchlein auf dem französischen Teil des Jakobsweges. Unvermittelt finden wir dort Ruhe und Einkehr, die uns auf die Stadtbesichtigung einstimmt.

Felskirche St-Michel in Puy-en-Velay in der Auvergne, besucht auf einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Im Inneren der Felskirche St-Michel in Puy-en-Velay

Wir streifen durch die steilen Gassen zur Kathedrale empor und finden dort neben einer schwarzen Madonna mit auf einem in Nabelhöhe aus einem Loch im Gewand hervorlugenden ebenso schwarzen Jesulein den Schutzpatron der Compostela-Pilger, den Heiligen Jakob.
Bild der schwarzen Madonna mit Kind in Puy en Velay, besucht bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Notre Dame de Puy mit hervorlugendem Jesulein 

Altstadt von Puy-en-Velay mit Kathedrale und blau-gelben Fahnen, besucht auf einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Altstadt von Puy-en-Velay mit Kathedrale

Klöppeln ist hier ein traditionelles Handwerk, allenthalben Klöppelgeschäfte und Klöppelvorführungen.
Bild von einer Klöpplerin mit weisser Haube, schwarzer Bluse und blauer Schürze bei der Arbeit auf einem Stuhl sitzend mit ihrem Werkstück auf den Knien

Eine Klöpplerin. Bild von Max Liebermann (1881) | Kunsthalle Hamburg

Wir halten uns eher an den Verviene, einen vitriolgrünen Likör aus 32 Kräutern, der auch unsere abendliche Nachspeise würzt. Ein passender Abschluß nach Schweinerollbraten mit Puy-Linsen (einer kulinarischen Besonderheit dieser Gegend) und einer Flasche Chateaugay aus der Auvergne. Ein kurzer, aber erlebnisreicher Tag neigt sich mit dem letzten Schluck dem Ende zu.

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 331 – Ardèche, Haute-Loire

Empfohlener Wein aus der Region:
Châteaugay AOC Côtes d’Auvergne, Saint Verny Vignobles


2. Etappe

Puy-en-Velay – Monistrol – Langeac – St-Flour – Aurillac. 219 km

2. Etappe einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 von Puy-en-Velay nach Aurillac

Der Himmel ist so grau wie die zahllosen Steinhäuser, an denen wir bislang vorübergefahren sind. Aber die Stimmung nach einem einsamen Frühstück im Ambiente der 80er Jahre ist gehoben. Beim Bezahlen der (sehr mäßigen) Hotelrechnung zwinkert mir die alte Dame an der Rezeption ein “bonne route” zu, was für uns natürlich zum Programm wird.

Durch die
Gorges d’Allier

Bevor wir auf Strecke gehen, wird der Tank noch bis zur Halskrause gefüllt und ab geht es auf die gut ausgebaute Landstraße, die uns schon nach kurzer Zeit nach Monistrol bringt. Hier biegen wir nordwärts in die Schlucht des Allier ein und kurven auf einem winzigen Sträßchen zur Talschulter empor, von der aus sich uns ein herrlicher Blick auf den rauschenden Fluß eröffnet.

Das Département Allier gehört zu den am dünnsten besiedelten Gegenden Frankreichs. Auf der Fahrt über die Dörfer begegnen wir mehr Traktoren als Autos und mehr Kühen als Menschen. Ich beginne, den französischen Zentralismus aus einem ganz anderen Blickwinkel zu begreifen.

Bild von einer Kurvenstrecke im Allier in Zentralfrankreich

Kurvenstrecke im Allier

In Langeac halten wir an einem Café am erstbesten rond point und ordern ein wohlverdientes Heißgetränk. Der patron, ein sportlicher Überseefranzose aus Guadeloupe, steckt uns in Millisekunden mit seiner guten Laune und seinem Lachen an. Wir blödeln und haben viel Spaß. Für die Weiterreise gibt er uns ein Paar Stückchen Mini-Kuchen mit. Wir revanchieren uns mit rhythmischen Hupen beim fly by zum Abschied.

Spaß beim Kaffeetrinken in St-Flour

Eine längere Strecke auf unserer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 fahren wir den französischen Jakobsweg entlang und treffen immer wieder auf Pilger oder Wanderer.
Bild einer Messing-Plakette am Jakobsweg

Plakette am Jakobsweg

Für die nächste Stunde führt unser Weg über den Haut Allier, der uns an eine riesengroße Fränkische Schweiz erinnert und später dann, mit seinen kurvigen Waldstraßen, an den Thüringer Wald. Irgendwo am Straßenrand holt uns die Vergangenheit ein: ein Gedenkstein an Partisanen, die im Mai 1944 von der deutschen Besatzung erschossen wurden. Saxa loquuntur. Die Steine reden.
Bild von einer Kaffeepause auf dem Puy Mary in Zentralfrankreich bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Kaffeepause auf dem Puy Mary

Über die Vulkane

Als sich die Straße langsam talwärts senkt, legen sich zu unserer Freude unvermittelt Schlagschatten der Alleebäume über den Weg. Nach der letzten Kurve erhebt sich vor uns auf einem Berg das Städtchen St-Flour. Auf wohl nicht ganz ordnungsgemäßem Wege schlagen wir uns im Gassengewirr zur Kathedrale durch und statten dem Heiligen Florus (St-Flour) einen Besuch ab, dem Christianisierer dieser Gegend.
Bild der Volcans d'Auvergne unter Regenwolken bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Volcans d’Auvergne

Bild der Abfahrt vom Puy Mary in Zentralfrankreich mit einer Kurvenstrecke und erloschenen Vulkanen

Abfahrt vom Puy Mary

Von hier geht es im Patrouillentempo hinunter in das malerische Tal der Jordanne.
Bild von einer Fahrt durch die Gorges-de-l'Allier in Zentralfrankreich bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

In den Gorges-de-l’Allier

Unser Navigationsgerät führt uns punktgenau zu unserem Logis, wo sich der patron angelegentlich nach unseren Wünschen zum Abendessen erkundigt. Wir werden ihn mit unserem Appetit nicht enttäuschen. Der Zwischengang kündigt für die assiette de fromages locaux einige Käsesorten an, die ich noch nicht kenne. In Begleitung eines regionaltypischen Weißweins sind Cantal, Salers, Laguiole und Aligot ein würdiger Abschluß der Käsestraße, der wir heute über 50 km gefolgt sind.

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 330 – Cantal, Lozère

Empfohlener Wein aus der Region:
La Légendaire, Côte d’Auvergne AOC, Cave Saint Verny


3. Etappe

Aurillac – St-Céré – Rocamadour – Sarlat-la-Canéda. 129 km

eckenkarte der 3. Etappe der Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 von Aurillac nach Sarlat-la-Canéda

Aurillac

Die kleine Rothaarige an der Hotelrezeption ist erstaunt über unsere weitreichenden Reisepläne und wünscht uns bonne continuation – die dieser sonnige Tag auch bringen sollte.

Vom Ambiente her ist Aurillac eher enttäuschend. Das kann auch Gerbert von Aurillac nicht wettmachen, der große Gelehrte dieser Stadt, Berater Kaiser Ottos III. und spätere Papst Sylvester II. Vielleicht würde er sich in seinem Grab in San Giovanni in Laterano in Rom umdrehen, wenn er wüßte, wie banal sein Geburtsort geworden ist. Wir haben es im Anno Santo 2000 besucht, auf einer BMW R 1150 R (mit scheußlichem Getriebe), als wir die 7 Hauptkirchen der Ewigen Stadt abgeklappert haben.

Schloss und
Wallfahrtskirche Rocamadour

Seit dem Jubiläumsjahr sind wir zwar aller läßlichen Sünden ledig. Zur Auffrischung besuchen wir aber vorsichtshalber die Schwarze Madonna von Rocamadour in ihrer Felsenkirche. Die 224 Stufen zu ihr asten wir – zum Glück nicht wie früher üblich auf den Knien – aber in voller Montur in der heißen Mittagssonne empor. Irgendwie fühlen wir uns an den Bryce Canyon erinnert, den wir in ähnlich praktischer Kleidung erobert haben.

Kirche und Schloß auf der steilen Felsenklippe sind mit Sicherheit Highlights unserer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1. Am Ende der Himmelstreppe schließen wir in Hörweite zu einer Gruppe deutscher Bildungstouristen auf und kommen so in den Genuß der zugehörigen Erläuterungen.

Bild von Schloss und Kirche Rocamadour auf steiler Felsenklippe im Département Lot in Südwestfrankreich

Schloss und Kirche Rocamadour (Lot)

Traumhafter Périgord

Von einzigartiger Schönheit ist die Landschaft des Périgord: Lauschige Flußtäler wechseln sich mit Eichenwäldern ab. Unsere Straße führt in Serpentinen bergan, um sich wenige Kilometer später wieder talwärts zu winden. Die abgelegenen Dörfer an der Strecke schmücken sich mit üppiger Bepflanzung und Walnußplantagen.

Bild von der Fahrt über die Dordogne über eine alte Steinbrücke bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Fahrt über die Dordogne

Leider gibt es auch allerorts Farmen, in denen bedauernswerte Gänse gestopft werden, um den Nachschub an Gänseleber zu sicherzustellen.

Bild von Reklameschildern am Strassenrand mit Werbung für Foie-gras Gänseleber in Frankreich

Werbung für Foie gras am Straßenrand

Auf dieser Etappe reicht es aber durchaus, die wenigen Sehenswürdigkeiten im Vorbeifahren zu erfassen. Die monumentale Festung hoch über St-Céré liegt schon seit Jahrhunderten in Trümmern. Das Angebot des Wochenmarktes kennen wir in seiner Zusammensetzung schon vom Usbeken-Markt in Moskau und etliche der Hinweisschilder auf Sehenswürdigkeiten deuten ins Nichts. So bleiben wir bei unserem mittäglichen café au lait und überlassen es den Einheimischen, ihr massives steak frites verzehren.

Bild der Burg St-Ceré (Lot) in Südwestfrankreich auf einem hohen Berg liegend mit zwei Türmen und Mauerring

Burg von St-Ceré (Lot)

Malerisches Sarlat-la-Canéda

Als Glücksgriff erweist sich unser romantisches Hotel La Couleuvrine in Sarlat, in dem wir ein Zimmer im oberen Stock des Stadtturms ergattern. Der herrliche Blick über die mittelalterlichen Häuser ist allerdings durch eine (mit unserem Gepäck) schwer zu erklimmende außenliegende Wendeltreppe erkauft.

Bild von einem Turmzimmer im Hotel in Sarlat-la-Canéda in Südwestfrankreich

Unser Turmzimmer im Hotel in Sarlat-la-Canéda

Nach einem Rundgang durch die romantische Altstadt (die Sandsteingebäude leuchten im Sonnenuntergang wunderbar goldgelb) beschließen wir den Abend auf der Restaurantterrasse mit Entenbrust und einem ziemlich barriquestarken Roten aus Bérgérac – aber ohne foie gras und die ortsüblichen Trüffeln.

In unserem Zimmer trocknet unterdessen die Wäsche, die wir gleich nach Eintreffen gewaschen haben. Ein verträumter Anblick, wie in der Stube des Armen Poeten von Spitzweg.

Bild vom Waschtag im Hotelzimmer mit einer aufgespannten Wäscheleine und aufgehängten Hemden, Strümpfen und Hosen und zwei Motorradhelmen auf dem Bett

Waschtag im Hotelzimmer

Bild vom Blick über die Dächer von Sarlat-la-Canéda von einem Turm aus, gesehen bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1,

Blick über die Dächer von Sarlat-la-Canéda von unserem Hotel-Turmzimmer aus

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 329 – Corrèze, Dordogne

Empfohlener Wein aus der Region:
Château Moulin Caresse, Earl Deffarge Danger, 1235, rte de Couin, 24230 Saint-Antoine-de-Breuilh


4. Etappe

Sarlat-la-Canéda – Lascaux II – Château Losse – Gite de La Madeleine – Château Beynac – Château Castelnaud – Sarlat-la-Canéda. 119 km

Streckenkarte einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1: 4. Etappe durch den Périgord

Die Höhlen von Lascaux

Heute wollen wir auf unserer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 den Périgord Noir durchkreuzen und vor allem die prähistorischen Höhlen von Lascaux mit ihren weltberühmten Wandmalereien besichtigen. UNESCO-Weltkulturerbe. Nach einem leichten Frühstück führt unser Weg nordwärts nach Montignac. Ob dieser Ort am A**** der Welt liegt, darüber läßt ein Denkmal im zentralen Park trefflich spekulieren.

Bild von Mooning People auf einem Denkmal in Montignac Perigord Noir Südwestfrankreich

Mooning People

Nachdem die ursprüngliche Höhle mit ihren originalen Wandmalereien 1963 aus konservatorischen Gründen auf Weisung des damaligen Kulturministers André Malraux  geschlossen wurde, hat man die 17.000 Jahre alten Kunstwerke in einer zweiten Höhle des gleichen Komplexes eindrucksvoll repliziert.

Wenn man sich die Wandmalereien eine zeitlang betrachtet, möchte man meinen, die Höhlenmenschen hätten die Höhlenwände wohl jahrelang angestarrt und so deren Wandstrukturen regelrecht verinnerlicht. Nur so ist es erklärlich, daß sie die Körper all der wilden Tiere aus ihrer Umgebung (Pferde, Kühe, Auerochsen) mit dem Höhlenrelief Leben verliehen haben. Wenn man auch die Wandmalereien aus bildlichen Darstellungen kennt –  in echt (oder als Replika) gewinnen sie Leben und Ausdruckskraft.

Durch den
Périgord Noir

In der einzigen noch geöffneten Bäckerei erstehen wir zwei schmierige Schinkencroissants und zwei Cola, um an geeignetem Ort ein kleines Picknick zu veranstalten. So landen wir auch bald im Park des Château Puymartin. Da es keine historischen Besonderheiten bietet, ersparen wir uns einen Besuch und erfreuen uns lieber an der ländlichen Idylle.

Bild vom Schloss Puymartin im Périgord in Südwestfrankreich mit Torhaus, Turm und Park

Schloss Puymartin im Périgord

In einer versteckten Ecke des baumbestandenen Parks entdecken wir ein Tischchen mit zwei Stühlen und genießen in einem weitläufigen, von Hecken und bunten Büschen gesäumten Idyll unser Picknick. Jardin de Princesse heißt dieser Ort neckischerweise, an dem wir anschließend unsere mitgebrachte NVA-Zeltplane zur Mittagsruhe ausbreiten – Strichtarnmuster “Äää-Strisch/Käää-Strisch”. Wenn der Mot-Schütze, der sie einst im Marschgepäck mitgeführt hat, gewußt hätte, daß seine Plane dereinst mal die Ausreise in den Nichtsozialistischen Wirtschaftsbereich bekommt …

Romantisches Picknick bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 im Schlosspark Puymartin im Périgord Südwestfrankreich

Romantisches Picknick im Schlosspark von Puymartin

Tip für unterwegs:
Eine Mittagspause in französischen Schloßparks läßt sich strategisch planen: Wenn alle Welt sich über das Mittagsmahl beugt und auch die Schlösser über Mittag geschlossen sind, findet sich ein lauschiges Plätzchen im Park, an den man essen und ruhen kann. Sobald die ersten gesättigten Familien mit krähenden Kindern eintreffen, macht man sich wieder auf den Weg.

Ich kann nicht anders als die landschaftlichen Reize der Dordogne zu preisen: lauschige Täler, idyllische Flüßchen, dichte Wälder, kurvige Landstraße und sehr mäßiger Verkehr. Nur angejahrte Engländer in SUVs, Holländer (oft mit Wohnmobil) und vereinzelt deutsche Jungrentner in gebrauchten BMW 3er-Cabriolets machen die Gegend unsicher. Aber die sehen wir alle bald im Rückspiegel.

Eindrücke vom Tal der Vézère im Périgord bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Im Tal der Vézère im Périgord Noir

Abseits der Landstraße tun wir die Gite de La Madeleine auf, eine mittelalterliche Höhlensiedlung auf, in der sich, hoch über der Vézère, Menschen eingenistet hatten. In der frühen Nachmittagssonne schwitzen wir zwar unsäglich in unseren Motorradklamotten. Aber der prähistorische Ort ist interessant und wir möchten den Besuch keinesfalls missen.
Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 entlang der Dordogne im Périgord Noir in Südwestfrankreich

An der Dordogne

In dieser Atmosphäre kommt eine Kaffee- und Rauchpause unter schattigen Bäumen wie gerufen.
Bild von Kaffeepause Perigord Noir mit einer rothaarigen Motorradfahrerin bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Verdiente Rauch- und Kaffeepause unter schattigen Bäumen

Nun haben wir genügend Energie getankt, um zwei Trutzburgen zu besuchen, die, durch den Fluß Dordogne getrennt, einander gegenüberliegen.
Bild vom Schloss Castelnaud Perigord Noir Südwestfrankreich mit dicken Mauern und zwei wehrhaften Türmen

Schloss Castelnaud im Perigord Noir

Bild vom Schloss Beynac Perigord Noir Südwestfrankreich auf einem Felsen mit einem zinnenbesetzten Bergfrit

Schloss Beynac im Perigord Noir

Dann haben wir aber wirklich genug gesehen für heute und freuen uns rechtschaffen auf eine kühlende Dusche im Turmzimmer unseres Hotels.

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 329 – Corrèze, Dordogne


5. Etappe

Sarlat-la-Canéda – Bergerac – St-Emilion – Bordeaux. 210 km

Streckenkarte einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1: 5. Etappe von Sarlat-la-Caneda nach Bordeaux

Durch die Dordogne

Nach einem dezenten Frühstück tränken wir unser Eisenroß und rollen die Dordogne flußabwärts Richtung Bergerac. An uns vorbei ziehen Schlösser, üppig blühende Gärten und zahllose Walnußbäume. Mehrfach queren wir den Fluß und beobachten Paddler, Schwäne und anderes Wassergeflügel.
Bild vom Dordogne Übergang bei Lalinde in Südwesrfrankreich mit dem Dorf am bewaldeten Ufer und weißen Schwänen auf dem Fluss

Dordogne-Übergang bei Lalinde

Bild vom Dordogne Übergang bei Ste-Foy-la-Grande in Südwestfrankreich mit einer Flussinsel im Vordergrund, einer Steinbrücke im Mittelgrund und dem Dorf im Hintergrund

Dordogne-Übergang bei Ste-Foy-la-Grande

Bei Le Buisson biegen wir links ab, um das Kloster Cadouin am Jakobsweg zu besuchen. Wie es sich für eine ordentliche Zisterzienserabtei gehört, liegt sie in einem idyllischen Waldtal, umgeben von mehreren Ausflugslokalen. Die frühgotische Kirche (1115) bietet nackte, aber eindrucksvolle Architektur.

Bild von der Zisterzienserabtei Cadouin (Dordogne) aus gelbgrauem Sandstein mit zwei Kiefern neben dem Hauptportal, besucht bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Zisterzienserabtei Cadouin (Dordogne)

Bild der Markthalle in Cadouin (Dordogne), einem auf neun Säulen gestützten offenen Bau mit Ziegeldach und den umgebenden Häusern am Marktplatz

Markthalle von Cadouin (Dordogne)

Im kombinierten Post- und Bürgermeisteramt nebenan geben wir, nachdem wir ein Nachbarschaftsschwätzchen der Bürobediensteten unterbrechen mußten, Postkarten an unsere Kinder auf. Der anschließende Café au lait bietet zwar eine willkommene, aber keineswegs mundende Abwechslung. In Frankreich haben wir halt ständig Pech mit dem Kaffee. Löbliche Ausnahmen waren uns auch auf vielen tausend Kilometern kaum vergönnt. Auch hätten wir dankbar begrüßt, wenn unser Kaffee so heiß gewesen wäre wie dieser Sonnentag.

Bergerac, die vielgepriesene Metropole der Dordogne, präsentiert sich uns als eher belangloses Provinznest. Deshalb belassen wir es bei der Leerung zweier Flaschen Wasser im Schatten der Kirche und sehen zu, daß wir Land gewinnen.

Erstmals in unserer langen Motorrad-Reisekarriere bereitet es uns Schwierigkeiten, das am Straßenrand angepriesene “Restaurant M d’or” a. k. a. McDonald’s zu finden. Die Perle der Systemgastronomie. Nach 20 km vergeblicher Suche erstrahlen dann doch die Farben Rot/Gelb vor uns und wir finden Kühle, Speis’ und Trank und vor allem eine funktionierende Internetverbindung. In einem Anfall von Organisationswut buchen wir im voraus unser Hotel in Biarritz für nächste Woche.

Tip für heisse Tage:
Das Wieder-Anziehen der naßgeschwitzten Handschuhe wird zusehends mühsamer, als Christian auf eine geniale Idee verfällt: Er hält sie unter die Handtrockenanlage im Bad und im Nu sind sie zwar gebrauchsfertig – aber auch warm!

Der Ruf der High-Tech-Materialien für die Kombis hält keineswegs, was er verspricht. Von wegen Feuchtigkeit nach außen abtransportieren! Innen ist es so nass wie in einem gebrauchten Badeanzug. Die Trockenzeit ist allerdings extrem kurz.

Mittlerweile ist es hübsch heiß geworden auf der Landstraße und die Sommerkombi bleibt ein Wunschtraum. Doch die Fahrt auf der schnurgeraden Landstraße ist nicht so langweilig wie befürchtet: Sie verläuft entlang des alten Dordogne-Seitenkanals, an dem nette, blumengeschmückte Dörfer einander abwechseln.

Bild einer Platanenallee am Dordogne Seitenkanal in Südwestfrankreich bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Platanenallee am Dordogne-Seitenkanal

Zu Gast bei Montaigne

Als ich aus einem Augenwinkel heraus das Hinweisschild Tour de Montaigne wahrnehme, steige ich in die Eisen und biege kurz entschlossen rechts ab. Nach wenigen Kilometern erreichen wir das Schloß des Philosophen und Politikers Michel de Montaigne und begeben uns zu dem Bücherturm, in den er sich mit 38 Jahren zurückgezogen hatte, um dort schriftstellerisch (Essais) tätig zu werden. Sein deutscher Hauslehrer, der kein Wort gascognisch sprach, brachte ihm Latein bei, das zu seiner zweiten Muttersprache wurde.

Bild vom Schloss Montaigne in der Dordogne (Südwestfrankreich) vom Innenhof aus gesehen mit zwei dicken aneinandergebauten Türmen

Schloss Montaigne in der Dordogne

Das Anwesen ist auch heute noch von traumhafter Idylle. Wir durchstreifen den Park und klauben heimlich einige Feigen von einem schwertragenden Baum. Salbei und Rosmarin entfalten an der Schloßmauer ihren betörenden Duft.

Feigenbäume im Park von Bild der Feigenbäume im Park von Schloss Montaigne in der Dordogne (Südwestfrankreich) mit einer rothaarigen Motorradfahrerin in orange Hemd und schwarzer Kombi

Feigenernte im Park von Schloß Montaigne

Grands Crus
in St-Emilion

Wie unter einem Heißluftfön fahren wir weiter, durstig und durchschwitzt, nach St-Emilion, des Weines wegen. Der Ort liegt malerisch auf einer Anhöhe, ist aber voller Touristen und wir (ha, das war wieder Christians Wunsch!) ziehen den Fahrtwind einem Spaziergang durch die bevölkerten Gassen vor.
Bild der Kirche St-Emilion (Gironde) in Südwestfrankreich mit dem Kirchturm und einem orange blühenden Busch im Vordergrund

St-Emilion (Gironde)

Späte Abkühlung
in Bordeaux

Ein paar Kilometer weiter legen wir noch eine Trinkpause ein. Dann rollen wir nach Bordeaux hinunter. Das Thermometer an einer Apotheke zeigt nach 18.30 Uhr noch 36o an. Wie froh sind wir, endlich unser Hotel zu erreichen. Unsere brave Maschine parken wir in der Tiefgarage. Im Zimmer stellen wir erst einmal die Klimaanlage an. Eine kühle Dusche bietet die ersehnte angenehme Erfrischung.
Dann genießen wir die leichten Ausgehklamotten und gönnen uns in einem guten Restaurant einen frischen Fisch nebst zwei Gläsern Entre deux mers. Ein nächtlicher Spaziergang durch die Altstadt beschließt diesen erlebnisreichen Tag. Morgen wollen wir uns die Stadt untertan machen.
Bild von Bordeaux bei Nacht mit Wasserspielen an der Place de la Bourse mit dem erleucheten Börsengebäude und Fussgängern

Nächtliche Wasserspiele auf der Place de la Bourse in Bordeaux

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 335 – Gironde, Landes


6. Etappe

Bordeaux.  1,2 km (zur Tankstelle)

Plan der Innenstadt von Bordeaux, besucht bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1

Heute gönnen wir uns auf unserer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 einen Ruhetag und streifen durch die außerordentlich bunte und belebte, aber selbst noch zu dieser Jahreszeit sehr heiße Stadt. Ein wenig Kühlung finden wir zwischendurch in den großen Kirchen, die wir wegen ihres großzügigen Raumeindrucks und ihrer (von der Revolution arg dezimierten) Ausschmückung interessant finden.

Bild vom Innenraum der Kathedrale von Bordeaux mit gotischen Kreuzrippengewölben und einer Orgel an der Stirnseite des Kirchenschiffs

In der Kathedrale von Bordeaux

Allgegenwärtig ist auch hier der Heilige Jakob, Schutzpatron der zu ihm nach Santiago ziehenden Pilger. Nicht vorhanden, im Gegensatz zu den Kirchen nördlich und östlich der Dordogne, sind bildliche Darstellungen von Jeanne d’Arc. Klar, bis 1453  war diese Stadt als Krongut Eleonores von Aquitanien, der Gemahlin Heinrichs II., englisches Territorium. Daher auch die bis heute bestehende Vorliebe der Engländer für Bordeaux-Wein (“claret”), der sie zum wichtigsten Importeur in Europa macht.

Bild vom Markttreiben vor der Kathedrale von Bordeaux mit Verkaufsständen, orange Sonnenschirmen, Lieferwagen und Kunden, die sich die Waren anschauen

Markttreiben vor der Kathedrale von Bordeaux

Bild von einem Laden für Rasierbedarf und ausgefallene Haushaltsartikel mit grüner Front und der Aufschrift russisches Wildschwein

Was hat ein russisches Wildschwein in Bordeaux zu suchen? Ein exquisiter Laden für Rasierbedarf und ausgefallene Haushaltsartikel

Wir werden mit Sicherheit später noch einmal hierherkommen, ohne Motorrad, um uns ein wenig mehr umzusehen. Dafür bieten sich die gemäßigten Jahreszeiten an. Heute Abend erkunden wir erst einmal eines der verlockenden Restaurants.

7. Etappe

Bordeaux – Les Landes – Biarritz. 243 km

Streckenkarte einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 von Bordeaux nach Biarritz 7. Etappe

Um nicht wieder eine Hitzefahrt machen zu müssen, brechen wir schon früh nach Süden auf. Doch zu unserer Überraschung ist es kühl und neblig. Beim ersten Stop an einer Bäckerei auf dem Lande ziehen wir uns Pullover drüber (oder drunter, wie man’s nimmt) und fahren frisch verproviantiert weiter auf der Landstraße.

Durch Kiefernwälder ans Meer

Dem Vorschlag einheimischer Freunde folgend vermeiden wir die langweilige Autobahn nach Süden und schlagen uns stattdessen auf kleinen Straßen durch die Landes, den  Landstrich hinter der Atlantikküste. Ursprünglich war dies eine reine Sumpf- und Heidegegend (la lande = die Heide). Dann hat sie aber Napoleon I. mit Kiefern kultivieren lassen, so daß es hier fast so aussieht wie Brandenburg.

Bild vom Kiefernwald im Département Landes in der Region Nouvelle Aquitaine, durchfahren bei einer Motorradtour Bordeaux Biarritz 7. Etappe

Kiefernwald in den Landes

Die schnurgeraden Straßen sind leergefegt und die vereinzelten, recht hübschen Dörfer noch unbelebt, so daß wir gut Strecke machen können. Als sehr schwierig erfüllbar erweist allerdings sich unser Wunsch nach einer Tasse Kaffee, bis Christine in einem Kaff mit dem mildtätigen Namen Solferino ein abgelegenes Hotel entdeckt, an dem es ein belebendes Heißgetränk geben könnte. In der Tat werden wir in der “Auberge Napoléon III” fündig. Der vollrunde, noch unrasierte patron serviert uns zwei große Tassen höchst mittelmäßigen Kaffee. Übrigens: Napoleon III. erging es in Mexiko gar nicht so gut – doch nicht etwa wegen des Kaffees?

Ersehnte Kaffeepause Motorradtour Bordeaux Biarritz im Bild in der Auberge Napoléon III. auf der 7. Etappe einer Motorradtour Südwestfrankreich

Ersehnte Kaffeepause in den Landes auf dem Weg nach Biarritz

Die Ähnlichkeiten mit Brandenburg mehren sich: In der Einsamkeit der Kiefernwälder haben wir kein Mobilnetz und selbst das Navi meldet, es bekomme keinen Satellitenempfang mehr. Da müssen wir schon ganz schön weit draußen sein auf unserer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1. Die Zivilisation erreichen wir erst wieder in einem Ort mit dem börsenbekannten Namen Dax, wo wir eine überfällige Trinkpause an einer Tankstelle einlegen.

Bild von einer Rast in Dax im Département Landes bei einer Motorradtour Südwestfrankreich mit einer rothaarigen Motorradfahrerin und dem Schild Service Rapide im Hintergrund

Rast an einer Tankstelle in Dax

Danach ist es nur noch ein Katzensprung nach Biarritz ans Meer. Hier bleiben wir erst einmal drei Tage, um am Strand etwas auszuspannen.

Bild vom Etappenziel im Seebad Biarritz bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1 mit Meeresbucht und einem weissen Leuchtturm im Hintergrund

Am Etappenziel im Seebad Biarritz

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 335 – Gironde, Landes


8. Etappe

Biarritz – St-Jean-de-Luz – Biarritz.
(0 km. Nur Bahn /Bus)

Streckenkarte der 8. Etappe einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1, von Biarritz nach St-Jean-de-Luz
Heute ist Ruhetag für uns und Freigang für unsere Füße, die tagelang bei Hitze in Stiefeln gefangen waren. Febreze day. Ich nutze die Ruhe, um unsere nächste Übernachtung in einem hübschen Hotel mitten in den Pyrenäen vorzubuchen.

Anschließend schlendern wir die Serpentinen der Steilküste zum Strand hinunter und beobachten weltvergessen die Surfer in der morgendlichen Brandung.

Bild einer Strandszene im Seebad Biarritz mit Surfern im Vordergrund vor einem grossen Felsen mit einem darauf gebauten Holzhaus

Strandszene im Seebad Biarritz

Dann entern wir kurzentschlossen den nächsten Bus zum Bahnhof, springen in den abfahrbereiten TGV und fahren eine Station weiter nach St-Jean-de-Luz. Diese kleinere, bürgerliche Schwester von Biarritz gefällt uns viel besser als unser derzeitiger Aufenthaltsort. Aber die Hotels sind hier eine ganze Ecke teuerer und so gut wie ausgebucht. Die fin-de-siècle-Bauten und die baskische Architektur dieses Seebades haben es uns sehr angetan. Zunächst besuchen wir die sehr eindrucksvolle Kirche des Namenspatrons St-Jean-Baptiste, in der im Jahre 1660 Ludwig XIV. die spanische Infantin Maria Teresa geheiratet hat.

Bild von einem gusseisernen Kanaldeckel mit dem Stadtwappen St-Jean-de-Luz (Nouvelle Aquitaine), gesehen bei einer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 2

Stadtwappen von St-Jean-de-Luz

Innenansicht der Kirche St-Jean-Baptiste in St-Jean-de-Luz (Nouvelle Aquitaine) mit einem reich geschnitzten, gold verzierten Altar, zweistöckigen Emporen und Kirchenbesuchern

Kirche St-Jean-Baptiste in St-Jean-de-Luz

Den Rest des Tages genießen wir das Strandleben, das tatsächlich einen Eindruck vermittelt, wie ihn Cézanne im 19. Jahrhundert auf seinen Bildern festgehalten hat. Etwas weiter, hinten beim Leuchtturm, wurde der Komponist Maurice Ravel geboren.

Ansicht vom Strand von St-Jean-de-Luz (Nouvelle Aquitaine) mit einer Steinmauer im Vordergrund, Badegästen und einer Häuserreihe hinter dem Strand

Strand von St-Jean-de-Luz

Bild vom Leuchtturm von St-Jean de Luz (Nouvelle Aquitaine) mit Felsbrocken im Vordergrund, dahinter weisse Häuser und die Bergkette der Pyrenäen

Leuchtturm von St-Jean de Luz

Wir meinen, uns die schöpferische Muße verdient zu haben, ebenso wie den anschließenden baskischen Thunfisch im Restaurant. Von Tisch zu Tisch kommen wir mit einen sehr netten französischen Professorenehepaar aus Aix-en-Provence ins Gespräch, das uns gute Tips für unsere weitere Tour gibt. Zudem outet sich der Herr später noch mit bemerkenswerten Deutschkenntnissen, die er selbst im vorgerückten Alter noch aktiv pflegt. Respekt!
Die Rückreise nach Biarritz gestaltet sich aufgrund der bizarren französischen Fahrplangestaltung schwieriger als gedacht. Um nicht bis zum nächsten Morgen auf einer Bank am Bahnhof auf den Frühzug zu warten zu müssen, versuchen wir unser Glück an der Busstation.

Dort treffen wir eine Gruppe von Schicksalsgenossen: einen jungen uruguayischen Kunsthändler und ein sehr nettes australisches Ehepaar, sie Ärztin, er Manager. Sie kommen jedes Jahr sechs Wochen nach Frankreich. Wir finden uns gleich sympathisch und lachen viel miteinander. Bei einsetzendem Regen erhaschen wir doch noch den verspäteten Bus, der uns in Biarritz vor einer Weinkneipe wieder ausspuckt.

Über deren Bestimmungszweck braucht man mit Australiern nicht lange zu diskutieren. Bei angeregtem Gespräch leeren wir eine Flasche regionalen Rotweins, der wohl eine gute Grundlage für einen Sangria hätte abgeben können. Der Australier ordert ergänzend noch vier Strohhalme, bekommt sie aber nicht. Ein sehr lustiger, anregender Abend. Wir werden in Verbindung bleiben.

Empfohlene Landkarte:
Michelin Départements France N° 342 – Hautes-Pyrénées, Pyrénées Atlantiques

9. Etappe

Biarritz – 0 km

Heute eine echte Nullrunde auf unserer Motorradtour Südwestfrankreich Teil 1. In vielerlei Beziehung. Morgens wollten wir einen Strandspaziergang machen, aber Flut und Brecher hatten alles überschwemmt. Also machen wir aus der Not eine Tugend und suchen einen Waschsalon auf, um unsere Wäsche zu waschen. Auch nicht besonders prickelnd. Ergebnislos ebenso die Suche nach einer Pediküre für Christine, da selbst menschenleere Salons nur nach längerem Terminvorlauf zu solcher Dienstleistung bereit sind. Das anschließende Vorhaben, ein Picknick im Hotelzimmer zu veranstalten, steht insoweit unter keinem guten Stern, weil ich den Supermarkt für die Proviantierung absolut scheußlich finde. Außerdem war das Picknick selbst auch nicht gerade der Brüller, nicht zuletzt, weil das Hotel nicht in der Lage war, unser Zimmer bis zum mittleren Nachmittag wieder herzurichten.

Unter einem Sonnenschirm im Hotelgarten versuche ich schließlich, die Frustration wegzudösen, was mir aber nur solange gelingt, bis ich Christine vorschlage, uns mit einem Eis zu trösten. Kilometerlang patrouillieren wir in Gluthitze durch die Stadt, ohne fündig zu werden. Entweder nichts oder sündhaft überteuert. Ach, liebes Russland, Du hast es besser! Wie schön war es doch, beim nächsten Kiosk am Fensterchen zu fragen “У вас есть мороженое ?» und darauf die verständnislose Antwort zu erhalten „Да, конечно. “ Und für 85 Rubelchen bekam man ein herrliches Eis. Ganz davon zu schweigen, daß man für den Gegenwert einer Flasche mittelmäßigen Rotweins in Frankreich dort fünf Liter Wodka bekam.

Also richten sich alle Gedanken auf die morgige Pyrenäen-Etappe und wir packen schon mal unsere Sachen, um ja nur früh genug von hier wieder wegzukommen. Für morgen ist aber Regen angesagt. Aus Sorge vor nächtlichen Regenschauern decken wir die Sitze unserer Maschine mit einem Regencape ab. Ungeachtet dessen freuen wir uns aber auf die erfrischende Kühle der Berglandschaft.

Hinterm Horizont geht’s weiter!

Die Fortsetzung unserer Motorradtour Südwestfrankreich durch die Pyrenäen und die Schluchten der Ardèche findet sich hier.

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