Auf zwei Rädern um die Welt

Motorradtour Spree Oderland

Eine Motorradtour Spree Oderland nach Lebus erschließt auf einsamen Straßen die Schönheit dieser Flusslandschaften und ihrer Sehenswürdigkeiten.

Per Motorrad an die Oder

Eine Motorradtour Spree Oderland über Fürstenwalde und Steinhöfel nach Lebus und von dort auf dem Hohen Barnim nach Norden bringt einem auf einsamen Straßen die geographischen Zusammenhänge näher. In einer guten Stunde hat man den Trubel der Großstadt hinter sich gelassen und taucht ein in Flußlandschaften mit eigenem, überzeitlichen Reiz.

Die Flußlandschaften von Oder und Spree sind durch eine Wasserscheide in Ostbrandenburg getrennt. Aber man muß sie als geographisch und kulturell als zusammengehörig erleben: den Landkreis Oder-Spree, das alte Bistum Lebus an der Oder mit seiner Kathedrale in Fürstenwalde an der Spree, frühere Besitztümer mit Gütern und Schlössern.

Streckenverlauf

Streckenplan der Motorradtour Spree Oderland

Köpenick – Gosen-Neu Zittau – Hangelsberg – Fürstenwalde – Steinhöfel – Terplin – Lebus – Seelow – Gusow – Neuhardenberg – Bliesdorf – Biesenthal – Wandlitz – Oranienburg – Berlin. 289 km

Auf zur Motorradtour Spree Oderland

Vom Schloß Köpenick aus fahren wir am Müggelsee vorbei südwestwärts und erreichen bei Gosen-Neu Zittau die Spree. Durch eine reich gegliederte, landschaftlich sehr reizvolle Wiesenaue folgen wir dem Fluß über Spreeau nach Mönchwinkel.

Flussniederung der oberen Spree bei Mönchwinkel, Landkreis Oder-Spree, gefahren bei einer Motorradtour Spree Oderland

Die obere Spree bei Mönchwinkel, Lkr. Oder-Spree

Hier laden Bänke an einer Flußschleife dazu ein, die Wasservögel und Wasserwanderer zu beobachten. Über Hangelsberg geht es weiter an der Spree entlang nach Fürstenwalde.

Fürstenwalde/Spree

Spree mit einem Frachtschiff bei Fürstenwalde, Landkreis Oder-Spree, gefahren bei einer Motorradtour Spree Oderland

Die Spree bei Fürstenwalde

Der Dom von Fürstenwalde ist ein lohnendes Zwischenziel. Wohl restauriert, wie sie im Stadtzentrum steht, sieht man der Kathedralkirche des früheren Bistums Lebus ihr wechselvolles Schicksal von außen kaum an. Der Einmarsch der Roten Armee Ende April 1945 brachte ihr die fast vollständige Zerstörung.

Grandios und gelungen ist der Wiederaufbau seit den 1970er Jahren. Mit der einfühlsamen Integrierung der verbliebenen Trümmerreste in den Kirchenraum und einer teilweisen Neunutzung als Gemeindezentrum wurden architektonisch Zeichen gesetzt, wie man die baulichen Wunden des Krieges heilen kann. Ein ähnlich gelungenes Beispiel findet sich noch in der katholischen Pfarrkirche St. Moritz in Augsburg.

Dom St. Marien in Fuerstenwalde, Landkreis Oder-Spree, besichtigt bei einer Motorradtour Spree Oderland

Dom St. Marien in Fürstenwalde

Wir verlassen Fürstenwalde Richtung Nordosten und passieren einen ehemaligen Kasernenkomplex, der aus einer Trinkerheilanstalt heraus entstand. Erst Wehrmacht, dann Rote Armee, jetzt Solarpark. Eine tolle Karriere. Nach wenigen Kilometern erreichen wir Steinhöfel.

Schloß Steinhöfel

Seitenansicht des klassizistischen Schlosses Steinhoefel im Landkreis Oder-Spree, besichtigt bei einer Motorradtour Spree Oderland

Schloß Steinhöfel

Szenenwechsel. Nach Trümmergrundstücken und Stoppelfeldern erreichen wir abseits der Straße Schloß Steinhöfel. Es liegt inmitten eines herrlichen Landschaftsparks. Zwei steinerne Sphingen bewachen den Eingang. Sie wurden von Gottfried Schadow gestaltet, der auch die Quadriga auf dem Brandenburger Tor und die Prinzessinnengruppe Luise/Friederike schuf. Es lohnt sich, ein wenig herumzuspazieren und dieses Kleinod des Frühklassizismus zu bewundern. Auf der Restaurantterasse lassen wir uns bei einer Tasse Kaffee nieder und genießen die Ruhe des Parks.

Rothaarige Motorradfahrerin auf der Terrasse des klassizistischen Schlosses Steinhöfel beim Kaffee trinken während einer Motorradtour Spree Oderland

Verdiente Kaffeepause mit Blick auf den Park von Schloß Steinhöfel

Lebus an der Oder

Yamaha FJR 1300 bei Lebus an der Oder mit der Kirche im Hintergrund bei einer Motorradtour Spree Oderland

Lebus an der Oder

Danach wird die Gegend mit Dörfern wie Hasenfelde genauso ländlich, wie sie sich anhört. Von Georgenthal bis Treplin geht es ein Stück auf die B 5, dann biegen wir links ab in den Hohen Barnim und fahren auf die Oderhänge Seelow-Lebus zu.

Leider wird das wunderschöne Landschaftspanorama durch eine häßliche Barrikade aus zahllosen Windmühlen zerstört. Auf der B 167 geht es dann schnurgerade auf die Oder zu. Durch Lebus hindurch führt die Straße hinab zum Wasser.

Wir stellen unsere Maschine an einem alten Fähranleger ab, genießen die weite Flusslandschaft, lassen die Oder ruhig an uns vorüberziehen, beobachten Fische und Wasservögel. Am anderen Oderufer wird geangelt. Ein langes Spalier rot-weißer Grenzpfähle macht bewußt, daß hier nicht immer alles so friedlich war wie jetzt. Es fällt wirklich schwer, sich aus dieser herrlichen Umgebung loszureißen. Aber vor uns liegt noch ein gutes Stück Strecke, das bewältigt sein will.

Rothaarige Motorradfahrerin am Oderstrand bei Lebus beim Picknick am Fluss bei einer Motorradtour Spree Oderland

Zweimal Sonnenschein an der Oder

Schließlich brechen wir auf und folgen dem Höhenzug nordwärts. Bei gemäßigtem Tempo bestaunen wir von der B 167 aus die weite Oderlandschaft bis tief in die Neumark hinein. Es bietet sich an, die Strecke nach Süden weiterzuführen und eine kleine Motorradtour in die Niederlausitz zu machen. Aber dafür braucht man von Berlin aus mehr Zeit.

Wasserschloß Gusow

Frontansicht Wasserschloss Gusow bei Seelow, besucht bei einer Motorradtour Spree Oderland

Wasserschloß Gusow (Frontansicht)

Bei Gusow schlängeln wir uns wieder bergab und halten vor dem rosa gestrichenen Wasserschloß. Es hat schon bessere Tage gesehen: die Zufahrt ist verwuchert, der Wassergraben zugeschlickt, der einst bekannt schöne Landschaftspark verwildert. Feuchter Muff dringt aus dem Eingang nach draußen. Die gestrenge Kustodin gibt sich nicht den Anschein, bei uns einen Eindruck gelebter Willkommenskultur hinterlassen zu wollen. Unschlüssig strolchen wir noch ein bißchen herum und lassen die Szenerie mit einem Druck auf den Anlasserknopf hinter uns.

Seitenansicht Wasserschloss Gusow bei Seelow, Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg

Wasserschloß Gusow (Seitenansicht)

Parkansicht Wasserschloss Gusow bei Seelow, Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg mit Picknick auf einem umgestürzten Baumstamm

Wasserschloß Gusow (Parkansicht)

Schloß Neuhardenberg

Wenige Kilometer weiter passieren wir das ursprünglich barocke, später von Schinkel umgebaute und nach der Wiedervereinigung aufwendig restaurierte Schloß Neuhardenberg. Es liegt innerhalb eines Landschaftsgartens, der von dem in Sachen Landschaftsarchitektur unschlagbaren Duo Fürst Pückler/Lenné gestaltet wurde.

Schloss Neuhardenberg vom Park aus gesehen

Schloss Neuhardenberg vom Park aus gesehen

Molkenhaus Bärwinkel

Zwei Kilometer nördlich von Neuhardenberg liegt das ehemals zum Schloß gehörende Örtchen Bärwinkel. Von der Kurve aus führt eine nicht befestigte Straße durch ein Wäldchen zum früheren Molkenhaus. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier moderne Milchviehwirtschaft und neuartige Stallhaltung erprobt.

Molkenhaus Bärwinkel bei Neuhardenberg, ein Erstlingswerk des Architekten Karl Friedrich Schinkel

Molkenhaus Bärwinkel bei Neuhardenberg

Hierzu wurde ein zweigeschossiges Molken- oder Milchhaus errichtet – das Erstlingswerk des 20-jährigen angehenden Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Besonderheit: Das architektonisch an einer frühchristlichen Basilika orientierte Zweckgebäude wurde aus Raseneisenstein errichtet. Dieser war billig, fand sich in der unmittelbaren Umgebung und erwies sich als ein hartes, durch seine Poren gut wärmedämmendes Baumaterial, das im Sommer wie im Winter für eine gleichbleibend günstige Temperatur sorgte.

Rückfahrt nach Berlin

Bei Bliesdorf verlassen wir die B 167 und schwenken auf kleine Landstraßen Richtung Naturpark Barnim ein. Die Strecke ist einsam und wunderbar zu fahren, auch wenn wir von mancher Holperstrecke durch die Dörfer durchgerüttelt werden. Nach Überquerung der A 11 geht es flotter. Von Wandlitz bis Oranienburg durchqueren wir auf gerader Strecke tiefe Wälder. Schon riechen die Pferdchen ihren Stall. Auf der B 96 und der anschließenden Autobahn kann man es gut laufen lassen. Wir freuen uns darauf, bei einem gemütlichen Restabend unsere Beobachtungen während der Tour auszutauschen.

 

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