Auf zwei Rädern um die Welt

Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien

Eine Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien zeigt: Abseits der Hauptstraßen hat man in den kalifornischen Pacific Coast Ranges als Motorradfahrer die Strecke für sich. Im Hinterland gibt es Kurvenstrecken durch Berge, Wälder und über der Küste zu genießen, von denen man einfach nicht mehr loskommt.

Warum immer nur den „German Trail“  fahren zwischen San Francisco, Los Vegas und Los Angeles? Warum sich in der Ebene die Reifen eckig fahren? Im “hinterland” dagegen bekommt auch die letzte Rille etwas ab. Also auf in die Berge!

Tourenziel
Mt. Diablo

Der Mt. Diablo östlich von San Francisco ist neben dem Mt. Tamalpais einer der beiden heiligen Berge der Indianer. Eine kurvenreiche Bergstrecke führt zu seinem Gipfel. Von dort blickt man nach Osten auf die verschneiten Gipfel der Sierra Nevada, nach Westen auf die Bay Area mit ihren 8 Brücken.

Erlebnis-
topographie

in der North Bay auf dem Weg zum Mount Diablo ist eine gänzlich andere als in Europa: Aufgereiht an endlose Freeways fügen sich Orte von symbolischem Rang in die Landschaft, Technikdenkmale, Industrieanlagen, Hochtechnologiezentren – und Berge, die für das historische Selbstverständnis des Landes von tiefer Bedeutung sind:

Paradise Drive

Streckenplan für den Paradise Drive in Tiburon im Rahmen der Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien

Der Paradise Drive in Tiburon, CA

Bild von einem Motorrad BMW R 1200 GS auf dem Paradise Drive in Tiburon, Marin Co., Kalifornien (USA) mit der Stadtsilhouette von San Francisco im Hintergrund

Auf dem Paradise Drive

Das Kurvenparadies beginnt schon gleich vor meinem Garagentor – fünf Minuten in Serpentinen bergab und dann die nächsten 19 Meilen immer am Meer den Paradise Drive entlang – eine Kurvenstrecke, die ihren Namen mehr als verdient.

St. Quentin
State Prison

Luftaufnahme vom San Quentin State Prison in Marin County, Kalifornien, USA

San Quentin State Prison

Über die CA 101 geht es dann auf die I 580. Wo diese das Ufer der San Francisco Bay erreicht, liegt rechter Hand das berühmt/berüchtigte San Quentin State Prison. Ältester Knast in Kalifornien, chronisch überfüllt, gilt als besonders brutal. Zentraler Ort für Hinrichtungen im Golden State. Johnny Cash gab dort 1969 sein berühmt gewordenes Konzert:

San Quentin, may you rot and burn in hell.
May your walls fall and may I live to tell.

Richmond–San Rafael Bridge

Bild der Richmond-San-Rafael-Bridge über die North San Francisco Bay

Richmond-San-Rafael-Bridge

8,9 km lang und 58 m hoch ist die gewaltige Stahlbrücke über die North Bay33.000 Fahrzeuge fahren täglich an das andere Ufer. Mir ist es immer etwas mulmig, diesen Koloss mit dem Motorrad zu überqueren. So nahe am Abgrund und bei beständig unkalkulierbarem Seitenwind. Aber ein tolles Erlebnis ist es schon.

Geisterflotte der US Navy vor Anker

Bild von Teilen der USN Reserve Fleet in Suisun Bay,Pier 4 Trestle Road, Nichols, Contra Costa County, CA (USA)

USN Reserve Fleet in der Suisun Bay, CA

Blickt man vom Scheitelpunkt der Brücke nach Norden, erkennt man im Dunst der Suisun Bay eine eingemottete Geisterflotte. Sie liegt dort  liegt seit Ende des Zweiten Weltkrieges vor Anker. In Spitzenzeiten wurden in diesem entlegenen Winkel bis zu 340 Einheiten für den Krisenfall bereitgehalten.

Nach und nach werden die stählernen Veteranen entkernt, auf das offene Meer geschleppt und versenkt.  — Mittlerweile liegen nur noch 10 Schiffe vor Ort, die bis zum Jahresende abgewrackt werden sollen. Damit sind dann die Veteranen des Zweiten Weltkrieges, des Korea- und des Vietnamkrieges entsorgt.

Nussbaum-Kaminholz von der Bear Bottom Farm

Bild von einem rotbraunen Holzhaus in Amerika im Nebel mit einem Stapel Kaminholz für den Winter an der Seitenwand

Nussbaum-Kaminholz für den Winter

Ein persönlicher Blick weiter nach rechts: Dort liegt die Bear Bottom Farm, unser Kaminholzlieferant. Das Walnußholz, das er hinter unserem Haus gestapelt hat, duftet wohlig in unser Wohnzimmer. Der weitere Weg führt auf etwas eintönigen Freeways, die sich in Amerika leider kaum vermeiden lassen, nach Walnut Creek zum Mount Diablo State Park.

Der Supercomputer

Luftaufnahme des Lawrence Livermore National Laboratory in 7000 East Ave, Livermore, CA 94550, USA

Lawrence Livermore National Laboratory

Fährt man noch ein Stückchen geradeaus, landet man beim Lawrence Livermore National Laboratory, einer Großforschungseinrichtung des Department of Energy. Auf einer Fläche von 1 Meile auf 1 Meile sind dort wissenschaftliche Einrichtungen zusammengefaßt, die in ihrer Größe, Bedeutung und Ausstattung wohl ihresgleichen suchen. Hier steht u. a. der Supercomputer Sequoia (IBM BlueGene/Q System), mit 17.2 petaflops über lange Zeit der leistungsfähigste Großrechner der Welt. Seine Apparaturen füllen den Bau einer riesigen Turnhalle und benötigen die Leistung eines ganzen Kraftwerks für die Kühlung der Elektronik.

Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien

Der heilige Berg der Indianer

Mount Diablo ist mit seinen 1.173 m der höchste Berg der San Francisco Bay Area. Vielen Indianerstämmen ist er heilig. Zusammen mit dem Mount Tamalpaias soll er aus dem Wasser geragt haben, als der Schöpfer Coyote mit seinem Gehilfen Eagle-man die Welt und die Indianervölker erschuf.

Die Bergstrecke

Nach Abfahrt von der Autobahn schlängeln wir uns durch Walnut Creek und Alamo. Dann biegt die Strecke in das staatliche Naturschutzgebiet ab. Fahrerisch bietet sie keine besonderen Schwierigkeiten; sie ist in etwa vergleichbar mit dem Mont Ventoux in Südfrankreich. Die Steigung liegt im Durchschnitt bei 7 %, nur im letzten Teilstück wird es erheblich steiler. In leichten Kurven schwingen wir uns zügig nach oben. Nach jeder Kurve und eröffnet sich ein neues, wundervolles Panorama.

Die schönste Strecke zum Gipfel und um das Bergmassiv herum:

Walnut Creek –  Main St – unter dem Hwy 680 zum Danville Blvd  – Stone Valley Rd. – Green Valley Rd. – Diablo Rd. – South Gate Rd. / Mt. Diablo Scenic Blvd. – North Gate Road. 40 Meilen + An-und Abfahrt

Spektakulärer Rundblick vom Mount Diablo

Bild vom Panorama vom Mt. Diablo in Kalifornien mit einer rothaarigen Motorradfahrerin im Vordergrund

Panorama vom Mt. Diablo

Als Lohn unserer Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien erwartet uns auf dem Gipfel ein spektakulärer Rundblick, der zu den aufregendsten in den USA hört. Dazu steigen wir vom Parkplatz aus zum Obergeschoß des Besucherzentrums hoch: Im Osten zieht sich am Horizont die Bergkette der Sierra Nevada entlang. Nach Norden und Süden blickt man ins fruchtbare Central Valley, das die Hälfte der amerikanischen Agrarprodukte hervorbringt. Im Osten reihen sich die Wasserflächen der Bay Area aneinander, die von 8 Brücken überspannt wird.

Zur Herkunft des Namens Mt. Diablo gibt es mehrere Erklärungen. Ich fühle mich jedoch an die bei Matth. 4, 8 berichtete Geschichte erinnert, in der der Teufel Jesus auf einen hohen Berg führt und ihm alle Königreiche verspricht, die ihm weit unten zu Füßen liegen.

Bild einer rothaarigen Motorradfahrerin vor einer BMW R 1200 GS bei einer Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien

Aussichts-Parkplatz auf dem Gipfel des Mt. Diablo 

Vom Gipfel aus lassen wir uns wieder hinunterrollen zur Range Junction. Von dort aus nehmen wir die North Gate Road, die uns auf einer gewundenen Straße an der Nordseite des Massivs wieder nach Walnut Creek zurückführt. Dann geht es wieder über die Brücke zurück und auf dem kurvigen Paradise Drive wedeln wir beschwingt unserem Zuhause entgegen.

Was muß man bei einer Motorradtour auf den Mt. Diablo in Kalifornien beachten?

  • Am besten fährt man am frühen Morgen den Berg hoch, wenn die Temperaturen noch mäßig und noch nicht so viele Radfahrer unterwegs sind.
  • Der Berg ist oft von Wolken eingehüllt. Am meisten Glück mit der guten Aussicht hat man an einem klaren Wintertag, oder wenn ein Schlechtwettergebiet durchgezogen ist, oder bei Wind.
  • Vorsicht: Im Spätsommer/Herbst ist hier die Paarungszeit der Taranteln und die Tierchen rennen auf der Partnersuche lebhaft umher.

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