Auf zwei Rädern um die Welt

Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Eine Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue ist ein ideales Sommerunternehmen, um herrlich einsame Natur zu genießen, Technik zu erkunden und Motorradfreunden eine unerforschte Umgebung zu zeigen.

Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Wenn man in seiner Umgebung die meisten Tagesziele schon abgegrast hat, muß man halt seinen Aktionsradius erweitern und unterwegs eine Übernachtungspause einlegen. Dazu ist kein großes Gepäck nötig, am allerwenigsten im Sommer.

Was braucht man dazu? Eine reizvolle Strecke zum Fahren – schöne Landschaft zum Genießen – saubere Gewässer zum Baden – und ein Ziel, das dieses Unternehmen in passender Weise legitimiert.

Unsere Rasterfahndung auf der Landkarte warf eine zweitägige Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue aus, mit Freizeitgestaltung inklusive. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Strecken-
charakteristik

Die zweitägige Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue beschreibt ein langgestrecktes Oval zwischen Berlin im Nordwesten und Forst (Lausitz) im Südosten. In beiden Richtungen durchquert sie das Waldgebiet südlich von Berlin, den Spreewald und das Braunkohle-Tagebaugebiet der Niederlausitz.

Die Strecke ist in zwei Etappen so angelegt, daß weder der fahrerische Genuß noch Zwischenstops für Pausen und Besichtigungen zu kurz kommen. Die Sozia wird das freuen.

Die Bundes- und Landstraßen sind durchweg gut und zügig zu befahren. Kleinere Straßen außerhalb dieser Ordnung sind jedoch mitunter holperig, aber landschaftlich sehr reizvoll.

Höhepunkte der Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue sind die Aussichtspunkte auf die Tagebaue, der Rosengarten in Forst (Lausitz) und das Städtchen Straupitz (Spreewald).

Streckenführung

Die Strecke führt teilweise auf kleinsten Straßen durch einsame Landschaften. Um sich nicht hoffnungslos zu verfranzen, ist es ratsam, sich vor Fahrtantritt auf der Karte mit der Streckenführung im Detail vertraut zu machen.

Streckenführung der Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Berlin Dreieck Funkturm – A 100/113 / L 74 → Märkisch Buchholz – Köthen – L 71 → Schlepzig – Krugau – L 443 → Gröditsch – B 179 → Neukrug – L 441 → Neubrück – K 6105 → Lieberose – B 168 → Peitz – L 474 / B 97 → Jänischwalde/Tagebau – Griessen –  B 112 → Forst – L 49 /B 97 / L 473 → Aussichtspunkt Bärenbrücker Höhe – B 168 / L 501 → Burg (Spreewald) – L 51 → Straupitz – L 44 → Lübben (Spreewald) – B 115 → Golßen – B 96 → Baruth (Mark) – L 73 → Luckenwalde – Dobbrikow – Fresdorf – Tremsdorf – L 771 → Saarmund – L 77 / L 70 → Drewitz – A 115 → Berlin Dreieck Funkturm. 384 km

Von der Hauptstadt in den Spreewald

Wer möchte, kann auf der ersten Autobahnetappe von Berlin bis zur Autobahnausfahrt 5a Teupitz die Anzeigenadel dem roten Drehzahlbereich näher bringen. Das ist nicht ohne und spart zudem Zeit für die spätere Fahrt durch die schöne Landschaft und eine evtl. Badepause.

Wer aber gleich auf die Landstraße möchte, kann eine kleine Schleife zwischen den Ausfahrten 3b Bestensee und 5a Teupitz machen. Die L 74 am Motzener und Teupitzer See entlang ist recht hübsch, verlangt aber zusätzliche Fahrzeit.

Die letzten Tage von Berlin

Bild vom Waldfriedhof Halbe bei Berlin mit drei steinernen Gedenkkreuzen und mehreren Reihen von Kriegsgräbern

Waldfriedhof Halbe bei Berlin

Von der Autobahnausfahrt 5a Teupitz aus führt die Strecke durch ein ausgedehntes Waldgebiet, das als „Kessel von Halbe“ in die Zeitgeschichtsschreibung eingegangen ist. Hier fand im April 1945 die letzte Schlacht um Berlin statt, ein letztes Aufbäumen mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Dann der Untergang. Der große Waldfriedhof von Halbe ist ein mahnender Zeuge hierfür.

Whisky aus dem Spreewald

Bild von einer Rast am Köthener See bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue mit einem Bootssteg und einer Ruhebank am Strand

Rast am Köthener See

Einsam und flott geht es dann weiter bis Märkisch Buchholz und von dort durch einen noch einsameren Wald an den Köthener See. Wer Lust hat, kann an der örtlichen Badestelle eine kleine Badepause einlegen. Toiletten und Umkleidekabinen sind vorhanden.

Firmenschild an der Whiskybrennerei Schlepzig (Spreewald)

Kaum ist man wieder trocken, erreicht man durch Feld und Flur und über einige Spreewald-typische Fließe hinweg schon das hübsche Örtchen Schlepzig. Eine der dortigen Besonderheiten ist die örtliche Whiskybrennerei.

Da uns das Motorradfahren zu 0,00 ‰ verpflichtet, verzichten wir auf einen Probetrunk vor Ort und packen ein Fläschchen für zu Hause ein. Der Spreewald-Whisky kann sich wirklich sehen bzw. schmecken lassen. Er scheint mir aber noch etwas jung und verdient deshalb einige Jährchen der Alterung.

Bild von der Rast in der Whiskybrennerei Schlepzig mit einer rothaarigen Motorradfahrerin bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Kaffeepause in der Whiskybrennerei Schlepzig

Der Cappuccino im Hof der Brennerei stärkt uns für die nächste Etappe.

Vom Spreewald
zu den Tagebauen

Zur besten Pausenzeit erreichen wir eine hübsche Badestelle am Kleinen Schwielochsee. Von dort aus geht es flott nach Lieberose, das wir mit seinem Schloß schon von anderen Lausitztouren her kennen.

Im Verlauf der B 168 Richtung Peitz ändert sich die Landschaft dramatisch: Sie wird offen und flach. Hinter den Wäldern ahnt man schon die ausgedehnten Tagebaue. Teils sind sie schon wieder zu ansprechenden Seenlandschaften rekultiviert, teils noch aktiv. Auf jeden Fall scheinen ihre Tage (mittelfristig) gezählt. Ein guter Grund, die Braunkohlenlandschaft vorher noch einmal zu inspizieren.

Braunkohlerevier

nebenan verdienten einst vierzehntausend ihr brot
die sind vom wind verweht und die alte dreckschleuder ist tot
—  Gerhard Gundermann, Straße nach Norden (1998)

Bild vom Tagebau Jänischwalde mit Kraftwerk, gesehen bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Aufgelassener Tagebau mit dem Kraftwerk Jänischwalde im Hintergrund

Dominiert wird die Landschaft durch das weithin erkennbare Kraftwerk Jänischwalde mit seinen 6 Blöcken.

Von einem Aussichtspunkt an der B 97 läßt sich die zernarbte Landschaft mit ihren gigantischen Förderbaggern gut überblicken.

In einem weiten Bogen umrunden wir das Revier, biegen an der B 112 nach Süden Richtung Forst ab und fahren erst einmal über die Neißebrücke nach Polen. Unser Tank ist vom arbeitsfreudigen Motor schon ziemlich leergesogen und braucht neue Füllung. Außerdem hat der Polenmarkt einiges feilzubieten, was unseren Küchenvorrat bereichert.

Zurück über den schmalen Grenzfluß quartieren wir uns in Forst (Lausitz) ein, schlendern noch ein wenig durch die Stadt und gönnen uns ein frisches Pils zum Abendessen.

Ostdeutscher
Rosengarten
Forst (Lausitz)

Ostdeutscher Rosengarten Forst (Lausitz)

Weitab vom Rest der Welt wartet das Lausitzstädtchen Forst mit einer Besonderheit auf, die nur die Wenigsten kennen: dem Ostdeutschen Rosengarten (es gibt auch noch einen mitteldeutschen in Sangerhausen). Angelegt wurde er 1912/1913 zum 25. Thronjubiläum Kaiser Wilhelms II.

Für Garten- und Blumenfreunde ist dieses Rosarium ein absolutes Muß. 40.000 Rosenstöcke blühen auf einem wunderschön angelegten Areal vom 900 ha. Christine als holde Gärtnerin ist begeistert.

Wir schlendern durch die frühsommerliche Blütenpracht. Eine Hinweistafel des Standesamtes Forst am Veranstaltungszentrum fordert uns auf, uns unser JA-Wort zu geben. Nicht mehr nötig, das haben wir schon vor knapp 40 Jahren getan.

Zurück durch den Spreewald

Bild von den Rauchwolken vom Kraftwerk Jänischwalde, gesehen bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Rauchwolken des Kraftwerks Jänischwalde über einem rekultivierten Tagebau

Auf unserem weiteren Weg umrunden wir das Braunkohlerevier im Süden und machen Halt am Aussichtspunkt Bärenbrücker Höhe. Vor uns erstrecken sich aufgegebene Tagebaue, die im Laufe der Zeit rekultiviert werden sollen. Wo jetzt noch weite Sandflächen das Bild bestimmen, sollen einmal Seen und Erholungsgebiete entstehen.

Roter Fluss im Tagebau Jänischwalde nach Rekultivierung im Bild, gesehen bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Roter Fluss in einem rekultivierten Tagebau

Nachdem wir das Teichland nördlich von Cottbus verlassen haben, folgt eine landschaftlich überaus reizvolle Etappe auf kleinen Straßen entlang der Spree bis Burg (Spreewald). Käme uns nicht hin und wieder ein Einheimischer entgegen, könnte man glauben, man hätte zwischen Feldern und Auen seinen Weg verloren.

Bild vom Bismarckturm Burg Spreewald

Bismarckturm in Burg (Spreewald)

Am Bismarckturm in Burg (Spreewald) schlagen wir einen Haken nach Norden und folgen der Spreewaldroute durch Wald und Wasser Richtung Straupitz.

Bild von einer Ruhepause am See bei Straupitz bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue mit einem Bootssteg, auf dem sich eine Motorradfahrerin ausruht

Ruhepause am See bei Straupitz

Mit untrüglichem Instinkt entdecken wir im Wald einen kleinen See, der mit einem Bootssteg an seinem lauschigen Ufer auf uns gewartet zu haben scheint. Wir breiten unser Picknick aus und hinterher uns selbst, um bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher dieses Idyll zu genießen.

Straupitz (Spreewald)

Bild der Holländermühle Straupitz im Spreewald mit einem schwarzgrauen Motorrad Yamaha FJR 1300 im Vordergrund

Holländermühle in Straupitz (Spreewald)

Insgeheim ärgere ich mich, schon mehrere Male durch Straupitz einfach so hindurchgefahren zu sein. Diesmal aber knufft mich Christine vom Sozius aus und deutet auf die sich drehenden Flügel einer Holländer Windmühle.

Mit viel Engagement und Enthusiasmus wieder denkmalgerecht und funktionsfähig hergestellt, ist sie ein Unikum: eine Getreide-, Öl- und Sägemühle zugleich. Man sollte keineswegs an diesem Bauwerk vorbeifahren.

Bild der Schinkelkirche in Straupitz (Spreewald), gesehen bei einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Schinkelkirche in Straupitz (Spreewald)

Ebenso sehr lohnt ein Besuch der „Dorfkirche“ des preußischen Oberbaurats Karl Friedrich Schinkel – ein wahres Monstrum mit Doppelturm und Platz für 1.000 Besucher. Da sie den Ort weithin überragt, ist sie auf keinen Fall zu verfehlen.

Weiter führt uns der Weg nach Lübben (Spreewald), wo wir kurzfristig meinen könnten, uns wirklich verfahren zu haben: Ein Schild verrät uns, daß wir am Roten Nil gekommen sind.

Bild von einem Motorrad Yamaha FJR 1300 bei einem Stop am Roten Nil in Lübben während einer Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue

Am Roten Nil in Lübben (Spreewald)

Durch das Baruther Urstromtal zurück nach Berlin

Unsere Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue deckt sich ziemlich genau mit dem Verlauf des Baruther Urstromtales: Es erstreckt sich in von den Nadelwäldern des Niederen Flämings im Westen über den Spreewald bis zum Braunkohlerevier um Jänschwalde im Osten und dann noch weiter nach Schlesien hinein.

Das Baruther Urstromtal ist eine breite Talniederung, die vor ca. 21.000 Jahren entstand und eine Abflussbahn für die Schmelzwässern war. Nach der Eiszeit entwickelten sich dort sumpfige Niederungsgebiete, aber auch viele Flächen mit dichten Laubwäldern und trockenen Kiefernforsten.

Was unsere Motorradtour durch Spreewald und Tagebaue besonders reizvoll macht, sind die großen Naturschutzgebiete in dieser Region: Vor allem der Schöbendorfer Busch bei Baruth/Mark mit seiner ursprüngliche Niederungslandschaft und der Naturpark Nuthe-Nieplitz südlich von Berlin.

Diese Kette von Naturschutzgebieten ist ideal, um eine Motorradtour genüßlich ausrollen zu lassen. Die liebliche ist Landschaft durchzogen von einsamen Alleen, die Straßen sind durchweg gut zu fahren. Ein Paradox: Wer mit flotter Fahrt entschleunigen will, findet hier die richtige Strecke.

Alleenstrasse im Baruther Urstromtal

Alleenstrasse im Baruther Urstromtal

Einziger Engpaß ist die Ortsdurchfahrt von Luckenwalde. Aber wer sich für außergewöhnliche Industriearchitektur interessiert, wird hier bei einem kurzen Zwischenstop fündig.

Wer früher schon auf andere Hauptstädte zugefahren ist, wird wieder einmal erstaunt sein, wie nahe gewundene Sträßchen in ländlicher Umgebung an Berlin heranführen. Wenn man nicht gerade eine Verkehrs-Stoßzeit erwischt, führt einen die Autobahn von Drewitz aus rasch wieder ins Herz der Metropole.

Bleibt die Frage:
Wo sonst noch hat man das alles auf einmal, wenn nicht hier?

Erstmals veröffentlicht am 12.06.2018
Aktualisiert am 18.08.2018

 

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