Auf zwei Rädern um die Welt

Nach Unfall leblos auf der Landstrasse – was tun?

Nach einem Unfall leblos auf der Landstrasse. Wie kann ich in einsamer Gegend die Rettungskräfte bei ihrer Hilfeleistung dennoch effizient unterstützen?

Motorradunfall – eine schlimme Vorstellung

Die Realität ist brutal. Machen wir uns nichts vor. Statistisch gesehen stirbt alle 14 Stunden ein Motorradfahrer auf der Straße.  30 % von ihnen treten ihren Weg ins Jenseits solo an, d. h. ohne Fremdeinwirkung Dritter. Wenn man Pech hat, endet man in der Botanik – partiell oder total leblos. Wenn man Glück hat, sind Rettungskräfte rechtzeitig zur Stelle, und können, so man noch mehr Glück hat, Schlimmeres Verhindern.

Wie kann man Feuerwehr, Sanitätern und Polizei ihren schweren Rettungsjob erleichtern, wenn ich nach einem Unfall leblos auf der Landstrasse liege? Was kann man selbst dazu tun? Ich habe da einige Ideen zusammengetragen und umgesetzt. Wenn noch mehr dazukämen, wäre das toll und würde uns allen helfen.

Einst: Identifizierung durch Blech

Seit Kaisers Zeiten gibt es die ovale, zweigeteilte blecherne Erkennungsmarke, die an einer Kugelkette um den Hals getragen wurde. Mit der Angabe von Einheit, Blutgruppe und Personenkennziffer. Meine Vorfahren mußten damit ins Stahlgewitter – und kehrten Gott sei Dank mit beiden Teilen heil wieder in die Heimat zurück. Die Erkennungsmarke sollte ihren bedauernswerten Träger identifizieren helfen, wenn er leblos im Felde aufgefunden wurde.

Drei deutsche Blech-Erkennungsmarken von Kaiserlichem Heer, Wehrmacht und Bundeswehr und ein USB-Stick für Datenspeicherung. Letzterer hann den Rettungskräften helfen, wenn man nach einem Unfall leblos Landstrasse liegt.

Erkennungsmarken von drei Familiengenerationen

So grausam der Anlaß auch war, der Gedanke an sich war nicht dumm: Zweifelsfreie Identifizierung der Person, um weitere Hilfsmaßnahmen einzuleiten.

Heute: Identifizierung durch Datenspeicherung

Was mir bis heute nicht in den Kopf will, ist der Umstand, warum es nicht möglich sein soll, im digitalen Zeitalter ein Personendokument so zu konstruieren, daß es die Rettungskräfte verzugslos für ihre Arbeit einsetzen können.

Einerseits betreibt die Industrie einen horrenden Aufwand, um das Motorradfahren sicherer zu machen und ein eCall-System zum Einsatz zu bringen, das die Zeit bis zum Rettungseinsatz drastisch verkürzt – aber was folgt dann?

Datenschutz hin oder her – die Abwägung des Wertes von Rechtsnormen gegenüber einem Menschenleben ist nicht nur eine rein juristische, sondern auch eine ethische Frage. Fortschrittliche Länder wie z. B. Estland (!) machen uns mit ihrem Personendokument vor, daß dies in einem demokratischen Rechtsstaat durchaus machbar ist.

 

Nach einem Unfall leblos auf der Landstraße – was tun?

Die Vorstellung, irgendwo leb- und hilflos in der Botanik zu liegen, ist alles andere als beglückend. Bei Motorradtouren, gerade in einsamere Gegenden, hänge ich mir deshalb einen USB-Stick an einer Kugelkette um den Hals, auf dem ich alles gespeichert habe, was Polizei und Rettungskräfte im Fall der Fälle über mich wissen müssen oder sollten. Dazu habe ich im Geldbeutel einen Hinweiszettel mit der schriftlichen Einwilligung, daß für die weitere Behandlung meine Daten ausgelesen werden dürfen.

Zugrunde liegt die Annahme, daß für Polizei, Sanitäter und Krankenhaus meine folgenden Daten nützlich und für mich überlebenswichtig sein können:

  • Führerschein
  • Zulassungsbescheinigung Teil I
  • Kfz-Versicherungskarte
  • Personalausweis
  • Reisepaß (im Ausland ggf. mit der Seite für Visastempel)
  • wen es betrifft: Sonderausweis (z. B. Dienstausweis für Polizei und Bundeswehr, Werksausweis, Behindertenausweis)
  • Krankenversicherungskarte
  • Organspendeausweis
  • Liste mit allen relevanten Angaben der zu benachrichtigenden Personen/Institutionen (z. B. Verwandte, Freunde, Arbeitgeber)
  • Anamnesebogen, konfiguriert nach den eigenen persönlichen Bedürfnissen und gestaltet nach der Vorlage, wie man sie z. B. vor der stationären Aufnahme im Krankenhaus ausfüllen muß (mit Angaben zu Medikamenten, Allergien, Blutgruppe u. ä.)
  • Patientenverfügung

Theoretisch wäre es auch möglich, diese Daten auf dem mitgeführten Smartphone zu speichern. Aber die Frage der Datensicherheit zieht hier enge Grenzen. Und was ist, wenn das Smartphone beim Unfall zerschmettert wird?

Theoretisch wäre es ebenso möglich, die entsprechenden Daten als Karte oder im Ausdruck in der Tasche am Mann zu tragen. Aber wer weiß, wo nach der Rettung meine Klamotten mit Inhalt landen? Bestimmt nicht im OP, wo der Arzt sie braucht.

 

Wer hat weitere gute Ideen, wie man den Rettungskräften ihre Arbeit erleichtern kann, wenn man nach einem Unfall leblos auf der Landstrasse liegt?

 

Erstmals veröffentlicht am 12.08.2017
Aktualisiert am 23.11.2019

 

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