Auf zwei Rädern um die Welt

Fotografieren auf der Motorradtour: Womit?

 Fotografieren auf der Motorradtour muß sorgfältig geplant werden, um gut gerüstet zu sein und das Gepäck nicht überfrachten. Was geht mit?

Fotografieren auf der Motorradtour: Was ist wichtig?

Life is like a camera. Just focus on what’s important, capture the good times, develop from the negatives and if things don’t work out, just take another shot.
— Richard Branson, Britischer Milliardär

Fotografieren ist das Salz in der Suppe der Erinnerungen. Besonders nach erlebnisreichen Motorradtouren, die man nach Saisonende an düsteren Winterwochenenden nacherleben möchte, während die Maschine wohlversorgt in der Garage ruht.

Unvermeidlich kommen dann unbequeme Fragen hoch: Habe ich mir zu wenig Zeit für die Aufnahmen gelassen? Sind dabei vielleicht zu viele banale Bilder herausgekommen, die nur wenig aussagen? Und nicht zuletzt: Habe ich mit der richtigen Ausrüstung fotografiert, um die Bilder zu bekommen, die ich eigentlich gerne gewollt hätte?

Twelve significant photographs in any one year is a good crop.
— Ansel Adams, Amerikanischer Landschaftsfotograf

Tourenfotografie ist ein ganz eigenes Sujet, denn sie vereinigt mehrere Disziplinen in sich, für die man eigentlich ein eigenes Talent entwickeln müßte: Landschaft und Menschen, Architektur und Technik und nicht zuletzt Straßenfotografie während der Ruheetappen.

Nicht zu vergessen: Die Fotoausrüstung ist durch Witterung und Erschütterungen beim Fahren beträchtlichen Belastungen ausgesetzt. Der verfügbare Stauraum für sie ist arg begrenzt

Wichtig ist deshalb:

  • Wie stelle ich die passende Fotoausrüstung für meine Motorradtour zusammen?
  • Was sollte unbedingt mitgehen?
  • Wie setze ich meine Ausrüstung am besten ein?

3 Gründe für das Fotografieren auf der Motorradtour

Zunächst sollte ich mir darüber klar werden, was ich mit der Paarung Motorrad+Kamera anstellen möchte. Dabei habe ich grundsätzlich drei Optionen: Möchte ich

  1. hauptsächlich Motorrad fahren und dabei hin und wieder ein nettes Motiv fotografisch festhalten (z. B. meine Kumpels bei der Zigarettenpause oder meine Maschine in der Abendsonne)?
  2. mit meinem Motorrad eine Art Fotosafari unternehmen (z. B. für mein fotografisches Tourentagebuch) oder
  3. mit dem Motorrad zu einem Zielort fahren, um dort ein besonderes Fotoprojekt umzusetzen (z. B. ein Baudenkmal, eine landschaftliche Besonderheit oder einen Jahrhunderte alten Baum)?

When I take a picture I take 10 percent of what I see.
— Annie Leibovitz, Amerikanische Fotografin

5 Herausforderungen an die Tourenfotografie

Während der Autotourist seinen ganzen Fotokram griffbereit auf dem Beifahrersitz platzieren kann und nur kurz anhalten muß, um das passende Motiv mit einem Druck auf den Auslöser einzufangen, ist das für den Motorradfahrer viel umständlicher:

  1. Der Packraum für die Fotoausrüstung ist auf dem Motorrad begrenzt.
  2. Ein guter Schnappschuß erfordert schnellen Zugriff auf die Kamera.
  3. Um ein Motiv gut einzufangen, muß er erst die Maschine abstellen, (meist) den Helm abnehmen und mit den Handschuhen herumfriemeln, was besonders im Sommer lästig ist.
  4. Beim längeren Abstellen der Maschine muß die Ausrüstung entweder mitgenommen oder (z. B. im Heckkoffer) zugriffssicher untergebracht werden.
  5. Kamera und Optik müssen vor Beschädigungen geschützt werden (Regen, Vibrationen).

Womit fotografieren auf der Motorradtour?

Ob Abendrunde im Heimatrevier, Tagestour durch das Hinterland oder Motorradurlaub in der Ferne – wenn der Plan erst mal steht, fällt die Auswahl des fotografischen Geräts schon mal leichter.

Im Prinzip stehen uns grundsätzlich zwei Technologien zur Verfügung, die ihrerseits wieder verschiedene Möglichkeiten eröffnen: digitale und analoge Fotografie. Je nach Zweck und Lust. Projekt und persönliche Neigung bestimmen letztlich die Wahl des Geräts. Im Folgenden beziehe ich mich auf universell einsetzbare Kameras, nicht aber auf action cameras, die am Helm oder an der Maschine montiert werden können.

Die große Zahl hervorragender Aufnahmen von guten Fotoamateuren und Profis lehrt Bescheidenheit. Ich reihe mich deshalb eher am Gruppenende ein und will auch nicht einem bestimmten Kameramodell das Wort reden. Es geht mir hier um meine Ausrüstung, die ich auf dem Motorrad mitnehme und nicht um eine Auslese der Testsieger.

Digital fotografieren auf der Motorradtour

Hardcore Fotoprofis werden dem Motorradreisenden gerne zu einer höherwertigen DSLR-Kamera raten, die alles vom Sonnenuntergang am Meer bis zur Blüte am Wegesrand veröffentlichungsreif einfangen kann. Eine technisch gute Option, die aber für den Motorradfahrer praktische Probleme mit sich bringt – siehe oben.

Die Erfahrung zeigt jedoch, daß es nicht immer eine teure Fotoausrüstung sein muß. Wichtig ist vielmehr, daß sie technisch das von mit gewünschte fotografische Ergebnis bringt.

Smartphone

Ich bin immer wieder erstaunt, welch gute Fotos die Leute auf ihrem Smartphone mitbringen. Sicher, neueste Technik und fotografisches Können gehen da Hand in Hand. Schaut man sich dann noch die tollen Polaroids an, die große Fotografen bei ihren Projekten gemacht haben, wachsen die Zweifel, ob man in der Mehrzahl der Fälle eine umfangreiche Fotoausrüstung überhaupt auf dem Motorrad mitschleppen muß.

Zugegeben: Viele Tourenbilder, die keine spezielle Ausrüstung erfordern, mache ich mit dem Smartphone. Ich trage es sowieso immer bei mir. Bei der Auswahl des Modells achte ich vor allem darauf, daß die eingebaute Kamera sehr gut ist.

Schaue ich mir ältere Digitalbilder an, wird deutlich, wie groß noch vor ein paar Jahren der Qualitätsunterschied zwischen DSLR- und Smartphone-Aufnahmen war. Dieser hat sich zwischenzeitlich weitgehend eingeebnet. Wenn die technische Entwicklung so rasant fortschreitet, könnte es gut sein, daß man in ein paar Jahren für viele nichtprofessionelle Einsatzzwecke kaum noch eine DSLR-Kamera benötigt. Vor allem nicht auf Motorradtouren.

Dennoch muß ich mir beim Fotografieren mit der Smartphone-Kamera über ihre technischen Grenzen im Klaren sein: Die relativ geringe Größe ihrer Sensoren bedingt, daß sie ihre besten Ergebnisse vor allem bei guten Lichtbedingungen liefert. Sie ist also nichts für Aufnahmen in einem düsteren Dom. Aber die Mehrzahl der Tourenaufnahmen im Freien meistert sie problemlos und mit erstaunlich guten Ergebnissen.

Kompaktkamera

Digitalkamera Canon Powershot G10 als Teil der Fotoausrüstung für die Motorradtour

Canon PowerShot G10

Daß Smartphone-Kameras weithin zu ernsthaften Rivalen der Kompaktkameras werden konnten, liegt nicht zuletzt an ihrem relativ kleinen Sensor und der durch ihn beschränkten Bildqualität. Wenn dieser Kameratyp beim Fotografieren auf der Motorradtour aufgrund seiner z. T. sehr speziellen Einsetzbarkeit das Gerät der Wahl sein soll, landet man unweigerlich im oberen Preissegment bei +/- 1.000 €.

Andererseits wissen wir aus der Erfahrung unserer Touren, was eine Kamera unterwegs alles aushalten soll: Regentropfen, Dreck, Staub, Schnee, Vibrationen. Unkaputtbar sollte sie sein, mehr können als ein Smartphone, aber kleiner und leichter sein als eine DSLR.

Ein Journalist, der auf sich auf Reportagereisen seine Taschen nicht unnötig mit voluminösem Fotokram vollstopfen wollte, riet mir für das Fotografieren auf der Motorradtour vor Längerem zu einer Canon PowerShot G10 als handliche Alleskönner-Kamera.

Nach einigem Herumprobieren und nicht ohne Hintergedanken fand sich die G10 schließlich auf dem Gabentisch meiner lieben Sozia Christine. Seither sind die beiden unzertrennlich. Sie fotografiert damit nicht nur ihre eigenen Projekte. Vom Soziussitz aus schießt sie auch dynamische Bilder während der Fahrt. Der Profi-Rat war Gold wert. In puncto Optik, Konstruktion und Bedienbarkeit läßt diese Kamera (wie auch ihre Nachfolgemodelle oder Konkurrentinnen) kaum etwas zu wünschen übrig.

Für das Fotografieren auf Motorradtouren im Dauerregen von Schottland oder Oregon würde ich mir allerdings sehr gerne eine Nikon Coolpix W300 einstecken, eine wasserdichte Outdoorkamera mit viel gepriesenen Qualitäten.

Utah State Route12 mit roten Sandsteinfelsen und Kurven

Herrliche Kurvenstrecke auf der felsengesäumten Utah State Route12, aufgenommen mit der Canon PowerShot G10

Was bringt eine Kompaktkamera für die Fotografie unterwegs?

  • Die Sozia fängt mehr Eindrücke ein als der Fahrer.
    Der Fahrer kann sich voll auf das Fahrerlebnis konzentrieren. Die Sozia aber hat von ihrer Position aus eine viel breitere Perspektive. Sie kann 90° nach links und rechts schauen, Eindrücke weit voraus ausmachen oder am Straßenrand einfangen.
  • Die Sozia kann mit einer Kompaktkamera während der Fahrt fotografieren.
    Bei Christine hängt die handliche Kamera mit einem Spiralkabel an der Kombi. Mit Sommerhandschuhen läßt sich die Kamera leicht aus der Seitentasche herausziehen und ist bereit für dynamische Aufnahmen während der Fahrt. Wer stattdessen schärfere Bilder mag: kurze Verschlußzeit in Verbindung mit ISO 800.
  • Man gewinnt schon beim Fahren Live-Eindrücke von der Etappe.
    Wenn wir uns bei einer Marschpause genüßlich an einem Rastplatz niedergelassen haben, schauen wir uns auf dem Display gemeinsam die Eindrücke der aktuellen Etappe an – und löschen die überflüssigen Bilder.

Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR)

DSLR-Kamera Nikon D 5300 als Teil der Fotoausrüstung für die Motorradtour

Die DSLR ist das Arbeitspferd des fotografierenden Reisenden – gleich ob zu Fuß, mit dem Auto oder mit einem bullernden Motor unter dem Allerwertesten. Sie liefert tolle Bilder und verfügt über ein reichhaltiges Register an Einstellmöglichkeiten. Selbst eine Mittelklassekamera kann mehr als viele ihrer Benutzer. Zudem ist sie mit einer breiten Zubehörpalette aufrüstbar.

Mein Arbeitspferd ist die Nikon D 5300, ein Familiengeschenk zum Geburtstag, das mir viel Freude bereitet und – trotz meines beschränkten Talents – verläßlich gute Ergebnisse abliefert. Sie kann fast genausoviel wie die nächsthöhere Baureihe (wenn auch ohne deren Bedienungskomfort) und nimmt Generationen sehr guter Nikor-Objektive auf. Wenn ich Sonderbedarf habe, wende ich mich vertrauensvoll an meinen Sohn, der mit diesen Dingen wohl ausgestattet ist.

Motorrad bei Werben an der Elbe, das auf die herannahende Autofähre wartet

Warten auf die Elbfähre bei Werben (Sachsen-Anhalt), aufgenommen mit einer Nikon D 5300

Vor allem ist die Kamera mit 480 g erstaunlich leicht. Dennoch ist sie, je nach aufgesetztem Objektiv, reichlich voluminös, was die Bestückung des Tankrucksacks deutlich einschränkt. Gut und sicher aufgehoben ist sie aber im Heckkoffer, der standardmäßig montiert ist, wenn Christine mitfährt.

Mehr brauche ich für das Fotografieren auf der Motorradtour nicht. Eine Profi-DSLR oder Systemkamera mit Vollformatsensor für weit über 1.000 €  ist mir zu groß, zu schwer und zu teuer. Für meine Ansprüche und mein Talent stimmt hier das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht. Aber träumen wird man ja dürfen von einer Nikon D850 oder einer Sony α 7R III.

Analog fotografieren auf der Motorradtour

Mit der analogen Fotografie verhält es ähnlich wie mit Vinylschallplatten. Oft totgesagt, aber anscheinend unsterblich: Zu eng ist das Verhältnis zu Licht/Ton, Motiv /Musik und Technik. Zu faszinierend der handwerkliche Umgang mit der Kamera und – wer das kann und möchte – die Geburtshilfe bei der Entstehung des Bildes im Labor.

Analoge Fotografie ist auch ein erzieherischer Prozeß, der ihrem aficionado Ruhe, genaues Hinschauen und bewußtes Auslösen abverlangt. So wie mein alter Jagdlehrherr mir einst eine einläufige Flinte in die Hand drückte, um mich zum Treffen auf den ersten Schuß zu zwingen.

Über alle technischen Revolutionen hinweg habe ich die analoge Fotografie (und auch meine Vinyls) nie aufgegeben und bin froh darum. Auf dem Motorrad nehme ich meine Kameraveteranen gerne mit, wenn mich wieder einmal die Silberkörnchen jucken oder ein bestimmtes Projekt ansteht, das ich mit einer willkommenen Ausfahrt mit dem Motorrad verbinden kann.

Welche Analogkameras habe ich je nach Lust, Laune und Einsatzzweck dabei?

Kompaktkamera

Point-and-shoot-Kamera Olympus XA2 als Teil der Fotoausrüstung für die Motorradtour

Olympus XA2

Urahne der „Immer dabei“-Smartphonekamera ist die gute alte point-and-shoot. Zu einer Zeit, als im fortschrittversessenen Kalifornien viel „Technik von Gestern“ auf dem Müll landete, schoß ich mir auf Craigs List für eine Hand voll Dollar eine gebrauchte Olympus XA2.

Optisch, haptisch, und in ihrer Gestaltung ein leckeres Teilchen, macht sie mir Riesenspaß. Einfach die Abdeckung beiseiteschieben, abdrücken, fertig. Das 35mm f/3.5 Objektiv, eine vierlinsige Tessar-Variante („Adlerauge“), lichtet knackscharf ab. Um damit Fehler zu machen, müßte man sich schon arg blöd anstellen.

Zerbrochene Glasscheibe in Marseille mit Durchblick auf die Strasse und die dahinterliegenden Gebäude

Durchblick durch eine zerbrochene Glasscheibe in Marseille, aufgenommen mit einer Olympus XA2 auf Kodak Ektar 100

Besonders schöne Ergebnisse mit warmen Farben liefert sie auf dem Fuji Velvia 100 Diafilm. Reiner Luxus, aber ein schöner. Während der Fahrt verschwindet die XA2 diskret in die Seitentasche meiner Kombi.

Messsucherkamera

Messucherkamera Leica M3 mit Summicron 2/50 als Teil der Fotoausrüstung für die Motorradtour

Leica M3 mit Summicron 2/50

Die Leica M3 gilt mit gutem Recht als die wohl beste mechanische Kamera, die je gebaut wurde. (Die Contax ist ein anderes Kapitel). Nicht umsonst haben sie viele der ganz großen Fotografen benutzt.

Mein inniges Verhältnis zu ihr verdanke ich zwei Frauen von besonderem Format: Meiner Mutter, die im elterlichen Fotogeschäft Leicas zu Dutzenden verkauft (und dabei meinen Vater kennengelernt) hat. Aber auch einer grande dame der deutschen Pressefotografie, die ich (berufsbedingt) einen Tag lang bei ihrer Arbeit durch die Gemächer des Vatikans begleiten konnte. Samt ihrer M3 mit sündhaft teurem Noctilux f/1.

Damit war es um mich geschehen. Mit unglaublicher Naivität fischte ich eine M3 mit zwei Summicronen aus der Bucht. Neu würde ich mir eine vergleichbar hochwertige Ausrüstung wohl nicht leisten wollen.

Um die Mitnahme im Tankrucksack mache ich mir keinen Kopf. Leicas haben schon Schlimmeres überstehen müssen. Auch meine M3 ist erstaunlich robust. Sie hat in der Wüste von Nevada ebenso klaglos funktioniert wie im russischen Winter.

Werbeplakat mit barbusiger Frau vor einem Schneehaufen am Kiewer Bahnhof in Moskau mit eine Oberleitungsbus im Hintergrund

Kalte Sophie in Moskau, aufgenommen mit einer Leica M3 mit Summicron 2/50 auf Fuji S200

Die 35er und 50er Summicrone sind ohnehin – auch aktueller Version – über jeden Zweifel erhaben. Ultrascharf, ultraschnell, verzeichnungsfrei, brilliant und mit toller Farbwiedergabe. Was mich immer wieder begeistert, ist ihre Leica-typische Bildtiefe und ihr Charakter, der sich besonders bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit geöffneter Blende entfaltet.

Als Brot-und-Butter-Kamera im Tankrucksack ist sie mir allerdings doch zu schade. Ich nehme sie deshalb lieber wohlverpackt im Heckkoffer auf Touren mit, um Architektur und Landschaften zu fotografieren. Oder Menschen, denen ich unterwegs begegne.

Mittelformatkamera

Zweilinsige Mittelformatkamera Rolleiflex C mit Objektiv Zeiss Planar 3,5/75

Rolleiflex C 3,5

Mittelformat(MF-)fotografie hat für mich etwas Zen-haftes: Die Welt um mich herum entschwindet. Der Blick senkt durch den Sucherschacht und fokussiert durch den Verschluß auch noch dann auf das Motiv, wenn dieses bereits auf den 6 x 6-Film gebannt ist. Meine Rolleiflex 3,5 C ist mir ein geschätzter Begleiter, der mich zum ruhigen Betrachten und überlegtem Auslösen anhält. Also nichts für die rasch festgehaltene Erinnerung, sondern etwas für Fotoprojekte: Architektur, Portrait, Technik.

Wenn irgend möglich, verbinde ich ein solches Vorhaben mit einer anregenden Motorradtour. Um mögliche Schäden mache ich mir keine Sorgen. Die Konstruktion ist robust und die Kamera wohlverpackt in Tankrucksack verstaut.

Person mit einem blauen Glas vor einem Fenster mit Blick auf den Pazifik

Afternoon Drink in Half Moon Bay, CA, aufgenommen mit einer Rolleiflex C 3,5 auf Kodak Portra 100

Eine gebrauchte Rolleiflex war für mich der preisgünstigste Einstieg in die MF-Fotografie. Dabei war ich auf der Suche nach einem Modell mit einem Zeiss-Planar.

Aus gutem Grund: Nicht nur, weil die Abbildungseigenschaften des Planars zum Maßstab für sämtliche modernen Objektive geworden sind. Das 3,5/75 mm Planar meiner Rolleiflex fasziniert mich immer wieder durch seine exzellente, gleichmäßige Detailauflösung bis in die Bildecken hinein. Nach wie vor ist diese 1896 gerechnete Objektivkonstruktion die wohl Bedeutendste überhaupt. Praktisch alle hochlichtstarken, technisch optimierten Objektive werden heute als Planare ausgelegt.

Zubehör

Ohne ein bißchen Zubehör geht die Fotografiererei auch auf einer Motorradtour nicht ab. Wegen des beschränkten Platzangebots im Tankrucksack beschränke ich mich aber auf das Allernotwendigste.

Ministativ

Mobiltelefon auf Ministativ mit Drahtauslöser auf dem Gepäckträger eines Motorrades als Teil der Fotoausrüstung für die Motorradtour

Mobiltelefon auf Ministativ mit Drahtauslöser

Ein Fotostativ ist ein erprobter Helfer, um verwackelungsfreie, ordentlich belichtete und gut komponierte Bilder von der Tour nach Hause zu bringen. Hier geht es mir ausdrücklich nicht um Profistative für anspruchsvolle Fotoprojekte, sondern von einem platzsparenden Behelf für den motorradfahrenden Fotoamateur.

Gerät meiner Wahl ist das Manfrotto Dreibein MTPIXI-B. Es nimmt Smartphones ebenso auf wie leichtere Kameras. Die Auslösung erfolgt praktischerweise per Selbst-/Draht-/Fernauslöser oder – beim Smartphone – mit einem billigen Kopfhörerkabel: einfach auf die „Lauter“-Taste drücken und schon kommt das Vögelchen.

Ministativ bewährt sich vor allem in folgenden Situationen:

Abendlicht
Zunehmende Dunkelheit erfordert beim Fotografieren eine längere Verschlußzeit. Freihandaufnahmen werden dann leicht zum Problem. Zwar kann eine Erhöhung des ISO-Wertes Abhilfe schaffen. Aber sie wird zur Wahl zwischen Teufel und Beelzebub, da sie letztlich auf Kosten der Bildqualität geht.

Architektur und Innenaufnahmen
Wenn in düsteren Kirchen und Burgen die Belichtungszeit nicht für eine verwackelungsfreie Freihandaufnahme ausreicht, muß ein Stativ her. Wer zudem Architekturaufnahmen besser durchkomponieren will, wird um den kleinen dreibeinigen Begleiter froh sein. So läßt sich dann der gewünschte Ausschnitt genau einfangen.

Selfies in der Landschaft
Sehr oft bin ich alleine auf Strecke. Manchmal findet sich unterwegs ein freundlicher Mensch, der mich abzulichten bereit ist – meist aber nicht. Wenn ich neben dem eigenen Konterfei auch noch die Serpentinenstrecke und das Bergmassiv dahinter mit der Kamera einfangen möchte, bin ich deshalb mit dem kamerabewehrten Stativ auf meiner Maschine bestens bedient. Die Auslösung erfolgt dann mit den Hilfsmitteln vorstehend beschrieben.

Für die kommende Saison wünsche ich allen nicht nur gute Fahrt, sondern auch tolle Fotos als Erinnerung. Wer hat noch praktische Ideen für die Tourenfotografie?

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