Auf zwei Rädern um die Welt

Wie werde ich fit für die Motorrad-Saison?

Nach der Winterpause muß die Beherrschung des Motorrades neu verinnerlicht werden. Der Beginn der Motorradsaison lehrt aber auch, daß man körperlich fit für die Motorradsaison sein muß – für die Sicherheit und die Freude am Fahren. Um fit zu werden, sind einige wichtige Dinge zu berücksichtigen.   

Fitness für Motorradfahrer

Bild von einem Pegasus als fleischgewordene Mobilität nach einem Kupferstich von Jacopo de‘ Barbari um 1510 als Aufforderung, körperlich fit für die Motorradsaison zu werden

Der Pegasus als fleischgewordene Mobilität: Kupferstich von Jacopo de‘ Barbari um 1510 │© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz

Bewegungsmangel? Winterspeck? Zu viele Schoko-Nikoläuse und Ostereier? Das sind bedenkliche Anzeichen dafür, daß über den Winter die Fitness für Motorradfahrer gelitten hat.

Die ersten kleineren Ausfahrten werden gemacht, größere Touren geplant. Noch ist genug Zeit, um sich körperlich auf größere Vorhaben vorzubereiten. Diese Zeit sollte unbedingt für ein gezieltes Konditionstraining genutzt werden. Ein Gewinn an Souveränität beim Motorradfahren und viel Spaß dabei winken als Belohnung.

Der Motorradfahrer ist physisch gefordert

Über die Vorbereitung des Motorrades auf die neue Tourensaison ist schon viel geschrieben und gesagt worden. Viel zu selten ist aber die physische Vorbereitung des Fahrers auf diese Herausforderung ein Thema. Wer lange Touren fährt, weiß ganz genau, daß eine Ganztagesfahrt weit höhere Anforderungen an das körperliche Durchhaltevermögen und die Konzentration stellt als eine vergleichbare Fahrt mit dem Auto.

Warum ist das so?

  • Man braucht weit mehr Kraft, um die Fahrdynamik eines Motorrades souverän zu beherrschen. Vor allem ist der Körper des Fahrers während der gesamten Tour andauernd in Bewegung. Insbesondere auf Kurvenstrecken oder im Stop-and-Go-Verkehr auf der zugestauten Autobahn.
  • Wettereinflüsse und Straßenverhältnisse auf einer langen Tour stellen weit höhere Anforderungen an das körperliche Leistungsvermögen des Fahrers.

Was folgt daraus?

  • Die höheren Anforderungen an Körper und Konzentration lassen den Körper früher ermüden und verlängern die Reaktionszeiten.
  • Die Fähigkeit, in Risikosituationen blitzartig und intuitiv klare Entscheidungen zu treffen, leidet.
  • Im Hintergrund steht auch das Risiko des Sekundenschlafs (Autobahn!) und körperlicher Ausfallerscheinungen durch fehlende physische Fitness. Dies oft in Verbindung mit Dehydrierung.
  • Was beim einem Unfall mit dem Auto vielleicht noch zu überstehen ist, wird beim Motorradfahren unweigerlich fatal.

Wie ist Ausfallerscheinungen vorbeugen?

Die beschriebenen Risiken machen es unausweichlich, den Körper auf die erhöhten Herausforderungen der Straße vorzubereiten. Dies geschieht am besten dadurch, daß man drei Trainingsziele verfolgt:

  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Erhöhung der Ausdauer
  • Stärkung der Rumpfmuskulatur.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Regelmäßigkeit. Wenn möglich, sollte Krafttraining mit Ausdauersport kombiniert werden.

Drei Trainingsziele

Hinweis:

Die nachfolgend beschriebenen Methoden beruhen auf meinen eigenen, Erfahrungen, die auf meinen persönlichen physischen Zustand zugeschnitten sind. Wer in das Training einsteigen will, sollte dies nicht ohne die vorherige Beratung durch einen Sportarzt / Physiotherapeuten / erfahrenen Trainer tun und dabei besprechen, welche Trainingsziele und Übungen in Frage kommen. Dies hilft, Fehlebelastungen beim Training und evtl. körperliche Schäden zu vermeiden.

Beweglichkeit verbessern

Bild von einer Skulpturengruppe, darstellend zwei griechische Pankrationkämpfer

Griechische Pankrationkämpfer │© Galleria degli Uffizi, Firenze

Wer einen bewegungsarmen Beruf ausübt, kennt das: Wenn man körperlich nichts tut, stellen sich mit der Zeit eine zahlreiche körperliche Probleme ein – von versteiften Muskeln und Rückenschmerzen bis hin zu Koordinierungsproblemen des Muskelapparates und noch mehr. Damit steigt auch die Verletzungsgefahr beim Sport.

Dagegen helfen nur konsequente Bewegungsübungen. Wie jemand seinen Muskelapparat wieder flexibilisiert, hängt nicht zuletzt von ganz persönlichen Vorlieben ab. Der eine betreibt ganz klassische Gymnastik. Ein anderer läßt sich vielleicht von der Yoga-Welle anstecken. Ein Dritter hat sich aus Amerika das Stretching abgeschaut.

Ohne dafür jetzt explizit werben zu wollen, rate ich, sich auch einmal mit Feldenkrais-Übungen zu befassen. Der französische Kernphysiker Moshe Feldenkrais hat nach einem schweren Unfall eine eigene Methode der Selbstmobilisierung entwickelt, die speziell auf die eigenen persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Ich selbst habe diese Methode im Krankenhaus kennengelernt und betreibe sie seitdem weiter. Mit positiven Überraschungen und Ergebnissen.

Ausdauer erhöhen

Bild einer antiken Darstellung von vier griechischen Läufern mit schwarzen Körpern auf gelbem Untergrund

Ansatzpunkt für das Ausdauertraining ist die Stärkung des Herz-/Kreislaufsystems. Der Hausarzt oder Kardiologe wird gerne Hinweise geben, wie man das unter Berücksichtigung der eigenen Konstitution am besten anstellt und bis zu welcher Herzfrequenz man trainieren sollte.

Die Stärkung der Fitness des Herz-/Kreislaufsystems eignet sich sehr gut, um die Durchhaltefähigkeit des Motorradfahrers und seine physische Beherrschung der Maschine auf langen Strecken entscheidend zu verbessern.

Die Sauerstoffzufuhr zu den Muskeln wird erhöht. Der Körper bringt schlußendlich mehr Leistung über einen längeren Zeitraum.

Dafür gibt es vielfältige Übungen: Laufen, Schwimmen, Fahrradfahren oder die Arbeit an entsprechenden Maschinen im Sportstudio.

Ich selbst arbeite am liebsten an der Rudermaschine, weil man an ihr nicht nur die Übungsabläufe sehr gut abstimmen, sondern auch die Arm-, Rücken-, Bauch- und Beinmuskulatur gleichermaßen trainieren kann.

Rumpfmuskulatur stärken

Bild von einem marmornen Torso eines Kentauren

Torso eines Kentauren│© Galleria degli Uffizi, Firenze

Viele verwechseln die Stärkung des Muskelapparates mit Bodybuilding. Das ist grundfalsch. Was wir stattdessen erreichen sollten und wollen ist eine Stärkung der Rumpfmuskulatur, die den physischen Anforderungen des Motorradfahrens über lange und schwierige Strecken gerecht wird.

In erster Linie wollen wir die Muskeln im Bereich des Bauches, des Rückens und des Schultergürtels stärken. Hinzu kommen die Arm- und Beinmuskeln. Zusammengenommen sind das also jene Muskelgruppen, die beim Motorradfahren am meisten in Anspruch genommen werden.

Wenn man sich sich unter fachlicher Aufsicht ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm zusammenstellen (und überwachen) läßt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Die Sozia nicht vergessen!

Bild Antike Darstellung der Harmonie im Sattel mit der Sozia einer junge Frau auf Stier reitend

Da fehlt der Sozia wohl die richtige Schutzkleidung: Aegidius II Sadeler, “Raub der Europa” (1619) │ © Musée du Louvre • Laurent Chastel

Anstrengend ist eine lange Tour nicht nur für den Fahrer, sondern auch für die liebe Sozia. Sie muß Strecke und Kurverei in gleichem Maße gut überstehen können. Wenn sie für solche Unternehmungen fit ist, wird sie wie ein Federchen durch die Kurven mitschwingen, ohne daß der Fahrer das süße Zusatzgewicht bemerkt. Hilfreich ist nicht zuletzt, daß man sich gegenseitig zum Training motiviert.

Der Lohn der Anstrengung

Bild vom Extraterrestrial Hwy in Nevada bei einer Fahrt durch die Wüste, wozu man körperlich fit für die Motorradsaison sein muß

Fit durch die glutheiße Wüste: Auf dem Extraterrestrial Highway in Nevada

Je mehr die Sonne scheint und je länger die gefahrenen Strecken werden, desto mehr macht sich die gewonnene körperliche Fitness beim Motorradfahren bemerkbar – und bezahlt. Wer dann nach einer langen, schwierigen Tour abends von der Maschine absteigt, sich streckt und sagen kann: „Das habe ich ja körperlich gut hingekriegt“ – der ist auf der richtigen Linie.

 

Viel Spaß beim Fitness-Training
und laßt Euch von der Anstrengung nicht unterkriegen!
Wie macht Ihr Euch körperlich fit für die Motorradsaison?

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