Auf zwei Rädern um die Welt

Essen auf Raedern im Winter

Motorradtouren machen auch in der kalten Jahreszeit Spaß. Man muß sich nur darauf einrichten – mit warmer Bekleidung und warmer Verpflegung. Wie hält man sich mit einer guten Mahlzeit bei Laune? Hier sind die besten Tips aus kalten und einsamen Gegenden für Essen auf Raedern im Winter.

Les animaux se repaissent; l’homme mange. L’homme d’esprit seul sait manger.  — Anthelme Brillat-Savarin, Physiologie du goût

Tiere fressen sich voll; der Mensch ißt. Allein der geistvolle Mensch versteht zu essen. — Anthelme Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks

Das Ernährungsdilemma

Wenn der frische Herbstwind die bunten Blätter durch die Alleen fegt und die │10-Nummernschilder von der Straße verschwunden sind, wird es einsam auf der Motorradtour. Und kalt.

Was mich dabei verdrießlich stimmt, ist nicht so sehr Regen oder Kälte. Es ist vielmehr die Aussicht, unterwegs auf eine angemessene Mahlzeit verzichten zu müssen. Die Wahrscheinlichkeit, daß dieser Fall eintreten könnte, verhält sich dann umgekehrt proportional zur Temperatur: Schön gelegene Ausflugslokale sind in der Nachsaison geschlossen, die üblichen verdächtigen Treffpunkte verwaist und montags haben die Lokale ohnehin meist Ruhetag. Oder ihre Speisekarte ist auf ein unakzeptables Minimum reduziert.

Diesen Beschwerlichkeiten setzt man sich aus, wenn man oft und gerne in einsamen und kalten Gegenden unterwegs ist. Skandinavien- und Alaskafahrer werden verstehen, was ich damit meine. Wie man sich dabei mit einfachen Mitteln helfen kann, will ich aus meinen Erfahrungen in Russland, Amerika und den winterlichen Abruzzen berichten.

Drei Optionen für Essen auf Raedern im Winter

Um mein Anliegen zu präzisieren: Ich unternehme eine Tour, um Motorrad zu fahren und nicht, um meine schöne Zeit in irgendwelchen Gasthäusern zu verbringen.

Wie komme ich aber in der kalten Jahreszeit in der Pampa an ein vernünftiges warmes Mahl? Vor allem, wenn ich nicht das ganze Kochgerödel mitschleppen oder mich in der freien Wildbahn mit einem Esbit-Kocher unseligen Angedenkens herumplagen will?

Vernünftigerweise ergeben sich damit für ein warmes Picknick in der kalten Jahreszeit drei Optionen:

Die klassische Methode

Bild einer kleinen Isoliertasche zur Mitnahme von Essen auf Raedern im Winter klassische Methode

Hält das Essen kühl oder warm, je nach Bedarf

Ein lecker und liebevoll zubereitetes Sandwich oder frisch gebrutzelte Bouletten sind als Wegzehrung nicht zu verachten. Nur ist der Genuß dahin, wenn sie sich nach etlichen Kilometern an 5° Außentemperatur angepaßt haben. Dann wird der Begriff “Kaltverpflegung” voller Ernst.

Aber es ist alles nur eine Frage der Verpackung. Denn: Was kühl hält, hält auch warm. Für diese Fälle halte ich ein neckisches Isoliertäschchen bereit, das ich früher mit ins Büro genommen habe. Erfahrungsgemäß hält es im Tankrucksack über einen Vormittag meine Verpflegung einigermaßen auf Temperatur.

Die deftige Methode

Diese erfordert die folgende Ausrüstung:

Bild einer Thermosflasche, eines Glases Wiener Wuerstchen, einer Dreierpackung Senf und eines Feldessbestecks als deftige Methode fuer Essen auf Raedern im Winter

Heiße Würstchen gehen immer

Und so funktioniert’s: Vor der Abfahrt verstauen wir ein paar Wiener oder Weißwürste in einer Thermoskanne und befüllen diese mit heißem Wasser. In der Marschpause erwarten sie uns dann wunderbar warm und appetitlich duftend. Dazu serviert man entweder Brötchen/Brezeln (warm halten wie unter 1.). Oder man besorgt sich irgendwo im Supermarkt noch auf die Schnelle eine Portion Kartoffelsalat o. ä. als Beilage.

Für diese Zwecke benutze ich eine alte Thermoskanne, die ich bei einem Trödler aufgetrieben habe. Zur Reinigung/Geruchsneutralisierung nach Rückkehr empfehle ich,  zwei oder drei Gebiß-Reinigungstabletten aus dem im Drogeriemarkt darin aufzulösen. Billig und effektiv.

Die robuste Methode

Ich gebe zu, dies ist meine Lieblingsmethode, um unterwegs mit Null Aufwand an ein vollwertiges Essen zu kommen:

Bild einer amerikanischen Einmannpackungmit Zubehoer als Beispiel fuer Essen auf Raedern im Winter robuste Methode

US-Einmannpackung mit Zubehör

Bild einer US-Einmannpackung auf heißem Zylinderblock einer BMW R 1200 GS als Beispiel fuer Essen auf Raedern im Winter robuste Methode

US-Einmannpackung auf heißem Zylinderblock

Ich verstehe schon, daß sich viele beim Anblick von EPAs gruseln. Aber erstens sind diese Einmannpackungen seit den 60er Jahren viel besser geworden. Und zweitens bevorzuge ich die amerikanischen MREs (Meals Ready to Eat), die variantenreicher sind und mir besser schmecken. Auf diese Weise habe ich bei meinen Fahrten quer durch Russland meinen gesamten Katastrophenvorrat aufgebraucht, den ich vorher in Kalifornien in meiner Garage gestapelt hatte.

Die Methode stammt noch aus den unseligen Zeiten des Ostfeldzuges: Verpflegung auf den heißen Motorblock legen. Für die Dauer einer Zigarettenlänge durchwärmen lassen. Dann die Packung etwas durchkneten. Anschließend wenden und mit der anderen Seite auf den Motorblock legen. Wieder eine Zigarettenlänge warten. Aufreißen. Fertig.

Ein Boxermotor ist für diese Methode die ideale Konstruktion. Ansonsten kommt das Paket einfach auf den heißen Auspuffkrümmer oder den Endschalldämpfer. Verkürzen läßt sich die Erwärmungsphase dadurch, daß man einfach den Motor laufen läßt. Ein probates Mittel.

Wem die Einmannpackungen zuwider sind, der kann sich auch selbst behelfen: Er kann sein Lieblingsgericht aus der heimischen Küche in Alubeutel füllen und einschweißen. Wahrscheinlich ist dies für viele die sympathischere Variante.

Bon appétit!

 

 

 

 

 

 

 

 

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