Auf zwei Rädern um die Welt

Erste Motorradtour zum Jahresauftakt

 

Die erste Motorradtour des Jahres ist immer etwas Besonders. Und sei sie noch so kurz – der Unternehmungsgeist erwacht und beschwingt die Planungen für die kommende Saison. Aber das kommt nicht alles von alleine. Man muß schon selbst noch einiges dazu tun.

Streckenführung


Lyon – Collonges-au-Mont-d’Or – Villefranche – Marcy – Limonest – Lyon. 73 km

Die Sonne lockt zu neuen Taten

Bild einer Motorradfahrerin in roter Jacke und schwarzer Hose beim Telefonat am Motorrad BMW R 1200 GS

Telefonat am Motorrad

Eigentlich ist diese erste Motorradtour des Jahres eher der Fahrstatistik geschuldet als dem Fluchtreflex aus dem Alltag. Die letzte Tour liegt noch nicht allzu lange zurück und hat schöne Erinnerungen hinterlassen. Die Maschine ist nicht einmal abgedeckt und wartet im normalen Betriebszustand in der Garage. Landkarten und Reiseführer liegen griffbereit auf dem Schreibtisch.

Aber die Sonne lockt doch zu sehr, auch wenn sie sich fahl hinter Dunstschleiern versteckt. Unsere Garage ist eigentlich eine Felsenhöhle mit einem Schiebetor davor. Als ich es zurückschiebe, glänzen mir die Reflektoren der Scheinwerfer erwartungsvoll entgegen. Ich fühle mich, als hätte ich gerade einen Schatz geborgen.

Nach kurzem Orgeln springt der Motor willig an. Vor lauter Unternehmungslust lasse ich mich erst ein paar mal in den Sattel plumpsen und die Maschine einfedern – als hätte ich einen Mustang unter mir. Beim Einlegen des Ganges katapultiert mich dann das BMW-typisch enervierende “Klong” des Getriebes aus meinem Tagtraum. Es kann losgehen.

Warm eingepackt rollen wir einige Serpentinen talwärts, queren das randvolle Bett der Saône und fahren die nächste halbe Stunde am besonnten Westufer des Flusses entlang. Das Hochwasser hat schon fast Straßenniveau erreicht, nachdem der Schnee bis in die mittleren Gebirgslagen weggeschmolzen ist.

Die Sonne wärmt uns den Rücken, während kalte Luft durchs Visier zieht und die Griffheizung den klammen Händen schmeichelt. Kähne und Lastschiffe liegen vertäut am Ufer. Wassergeflügel erobert überschwemmte Wiesen und Auenwälder. Auf den durchfeuchteten Äckern hocken Bussarde wie Bauern auf einem Schachbrett nach einer aufgegebenen Partie und lauern auf Beute.

Zum
Gourmet-Tempel
von Paul Bocuse

Bild vom Restaurant Paul Bocuse in Collonges-au-Mont-d'Or bei Lyon

Restaurant von Paul Bocuse (†) in Collonges-au-Mont-d’Or

An Flüssen entlang zu fahren, hat für uns einen besonderen Charme. Ruhig zieht die Saône neben uns her. Wir beobachten Treibgut und Wassergeflügel. Nach einigen Kilometern kommen wir in Collonges-au-Mont-d’Or am Restaurant des kürzlich verstorbenen Spitzenkochs Paul Bocuse vorbei. Gerne denken wir an ein festliches Abendessen dort, zu dem uns “Monsieur Paul” persönlich begrüßt hat. In einem netten Gespräch wünschte er uns einen angenehmen Abend in seinem Restaurant. Was er uns aber nicht verriet, war aber, daß ein Menü der von ihm ins Leben gerufenen “nouvelle cuisine” locker ausreicht, um uns für mehrere Tage satt zu halten. Wie mag die französische Küche nur vor der “nouvelle cuisine” beschaffen gewesen sein? Wir vermögen es uns kaum vorzustellen.

Je pense que j’ai bien fait mon boulot, donc je peux mourir tranquille.

Ich glaube, ich habe meine Arbeit gut gemacht, darum kann ich in Ruhe sterben.

—  Interview mit dem Figaro im Februar 2010. R. I. P.

Vom Restaurant zum Güterbahnhof

Bild von einem Radsatz an einem Eisenbahnwaggon auf Abstellgleis

Eisenbahnwaggon auf Abstellgleis mit Grüßen aus der Heimat

Einige Kilometer weiter, kurz vor dem Örtchen Anse, reizt mich linker Hand ein aufgelassener Güterbahnhof. Alles mögliche rollende Material ist hier abgestellt. Lokomotiven, Hilfsfahrzeuge, Güterwaggons. Als ich so zwischen den Geleisen herumstreife und nach technischen Motiven zum Fotografieren suche, entdecke ich einen Gruß aus meiner Heimat. Die Räder eines Waggons laufen oder liefen auf Kugellagern von SKF. Viele Grüße zurück nach Unterfranken.

Auf leeren Straßen ins Hinterland

Bild einer verlassenen Ortschaft im Januar mit Beschilderung der Beaujolais Weinstrasse

Verlassene Straßen und Dörfer im Beaujolais Anfang Januar

Hinter Villefranche, der Pforte zum Beaujolais, wird es ländlich. Die Weinberge des Beaujolais säumen zu beiden Seiten die Landstraße. Im Vorbeifahren beobachten wir die Winzer, die jetzt im Winter ihre abgeernteten Rebstöcke beschneiden. Viele von ihnen öffnen ihre Keller für den Verkauf und laden zur Besichtigung ein. Aber auf dem Motorrad kommt so etwas heute leider nicht in Frage. In unserem Regal lagern noch einige gute Fläschchen aus dieser Gegend, die wir heute Abend näher in Betracht ziehen können.

Ab und zu begegnet mir ein Auto. Motorradfahrer machen sich aber trotz der Prachtstimmung rar. Als einzige Ausnahme ist ein Duo der Gendarmerie auf zwei FJR 1300 unterwegs. Ich überlege mir, was ich an ihrer Stelle wohl in meinen Einsatzbericht geschrieben hätte, um eine Ausfahrt in dieser Gegend zu legitimieren.

Bild von der Gendarmerie Nationale mit FJR 1300 auf Streife in kurvigem Gelände

Bei schönem Winterwetter macht die Streifenfahrt richtig Spaß

Die Beamten des Gendarmerie-Einsatzkommandos schwärmen von ihrer FJR. Hauptsächliches Einsatzrevier ist die Autoroute de Soleil, auf der die Gendarmerie allerlei verdächtigen Fahrzeugen nachstellt. Respekt, die Maschinen machen ganz schön Dampf.

Die Wiege der Telegraphie

Im Bild erste Motorradtour im Jahr und Telegraphenturm im Beaujolais mit einem Motorrad BMW R 1200 GS im Vordergrund

Telegraphenturm bei Marcy

Nach einigen Kilometern zeichnet sich oberhalb von Marcy ein restaurierter Signalturm aus napoleonischer Zeit ab. Der Télégraf (Sémaphore) war einst Teil einer längren Signalkette quer durch Frankreich und bestand aus einem fünf Meter hohen Holzgerüst, an dessen oberem Ende ein Balken (Regulator) um seinen Mittelpunkt schwenkbar befestigt war. An jedem Balkenende war ein 2 m langer und ebenfalls schwenkbarer Arm (Indikator) angebracht. Über Rollen und Seile ließen sich drei bewegliche Arme so verstellen, dass man codiert 196 verschiedene Zeichen mit Wort- und Satzbedeutung bilden konnte.

Der Abstand von Turm zu Turm betrug rund 11 km. Zur Ausstattung jeder Station gehörten Fernrohre, um die eingestellten Zeichen der beiden Nachbarstationen beobachten zu können. Ein Zeichen durchlief in einer Minute eine Strecke von 135 km. Mit Hilfe von Lampen, die an den Flügelarmen befestigt wurden, versuchte man auch nachts zu telegrafieren. Ein interessantes Stück Technikgeschichte.

Bild der Telegraphenlinie durch das Beaujolais mit mehreren Telegraphenstationen

Telegraphenlinie durch das Beaujolais

Bild einer Madonnenstatue im Beaujolais mit Bergen im Hintergrund

Eine Madonnenstatue überblickt die Hügel des Beaujolais

Erste Motorradtour mit Fernblick

Bild vom Blick auf den Mont Blanc über das Rhônetal

Vom Horizont her grüßt der schneebedeckte  Mont Blanc über das Rhônetal

Über das dunstverschleierte Rhônetal öffnet sich der Blick auf die Alpenkette, beherrscht vom weißglänzenden Mont Blanc Massiv. Ein wahrhaft majestätischer Anblick.

Bild vom Blick über das Rhonetal

Blick über das Rhonetal

Durch enge Dörfer mit gelben Steinhäusern geht es wieder stadtwärts, aber vorher lädt noch eine Bäckerei zu kurzer Rast.

Im Bild erste Motorradtour und technischer Halt an einer Patisserie beim Jahresauftakt mit dem Motorrad und einer BMW R 1300 GS im Vordergrund

Technischer Halt an einer Patisserie im Beaujolais

Wie immer, läuft das letzte Stück dieser Ausfahrt wie von selbst. Ohne Hast oder Gedrängele erreichen wir nach zwei Stunden wieder unsere Felsenhöhle, in der wir unser treues Gefährt verwahren. Für heute soll es damit gut sein.

 

 

 

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Beste Smartphone-Apps für Motorradtouren

Smartphone-Apps für Motorradtouren werden gerne spontan heruntergeladen. Jeder hat dabei seine eigenen Präferenzen. Schließlich wird das Display aber randvoll und die Übersicht ist dahin. Sinnvolle Beschränkung ist deshalb angesagt. Welche Apps haben sich beim Motorradfahren bewährt?

Motorradtour Berlin – Dresden

Eine Motorradtour Berlin –  Dresden als Auftakt zu weiteren Touren im sächsischen Bergland überrascht mit geruhsamem Cruisen und unerwarteten Eindrücken.