Auf zwei Rädern um die Welt

Bauhaus-Motorradtour durch Berlin

Eine Motorradtour durch Berlin und Umgebung zum 100jährigen Bauhaus-Jubiläum überrascht mit architektonischen und fahrerischen Entdeckungen.

Motorradtour durch Berlin auf Bauhaus-Spuren

Eine Tagestour durch eine 3½ Millionen-Großstadt klingt für jeden streckenverwöhnten Motorradfahrer absonderlich. Aber sie bietet Ungewöhnliches!

Das 100jährige Bauhaus-Jubiläum im Jahre 2019 reizt durchaus zu einer urbanen Entdeckungsreise auf zwei Rädern. Unter dem Motto Die Welt neu denken lädt der Bauhaus Verbund 2019 dazu ein, die historischen Zeugnisse des Bauhauses ebenso neu zu entdecken wie seine Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft.

In und um Berlin gibt es herausragende Zeugnisse der wegweisenden Bauhaus-Architektur, die unser Verständnis von Leben, Arbeiten, Lernen und Wohnen nachhaltig geprägt hat. Wo finde ich die interessantesten Bauhaus-Denkmäler?

Mit dem Motorrad geht es am besten

Zweite Frage: Wie läßt sich das alles in einem überschaubaren Zeitrahmen schaffen? Bahn und Bus scheiden schon mal aus wegen der Größe der Stadt und der verstreuten Lage der einzelnen Architekturziele. Da würde man mit der Besichtigung erst in einer Woche fertig. Mit dem Auto wäre es die reine Qual. Bleibt also, wen wundert’s, unser Motorrad.

Unternehmen wir also eine Bauhaus-Motorradtour durch Berlin und Umgebung, schauen uns wichtige Architekturzeugnisse an und auch das, was an Interessantem am Wege liegt.

Um keine Zeit zu vertun, speichern wir am besten die nachstehenden Adressen in das Navi ein und lassen uns wie von einem Autopiloten durch die Hauptstadt führen.

Bauhaus-Archiv Berlin

Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin

Bild vom Bauhausarchiv Berlin vor der Renovierung, besucht bei einer Bauhaus-Motorradtour durch Berlin

Bauhausarchiv Berlin vor der Renovierung

Unsere Tour beginnt am Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung. Eher ein symbolischer Ausgangspunkt, denn das Haus ist derzeit wegen Renovierung geschlossen und die Arbeiten, Dokumente und Literatur im Zusammenhang mit dem Bauhaus werden wir erst am Ende im Ausweichquartier unserer Tour zu sehen bekommen.

Die erste Etappe (9 km) folgt einer sehenswerten Touristenroute: Vorbei am alten Diplomatenviertel am Rande des Tiergartens, an der Philharmonie, am Hochhausensemble des Potsdamer Platzes. Von der B 1 aus ist uns der Fernsehturm am Alexanderplatz eine himmelhohe Orientierungsmarke. Nach Überquerung der Spree geht es rechts ab, am Volkspark Friedrichshain vorbei und nach Querung der B 96a wieder rechts ab in die Ebertystraße 11.

Tip für die 1. Etappe:
An der Ecke Klingelhöferstraße/Tiergartenstraße befindet sich der Komplex der Botschaften der nordischen Länder. Die architektonisch interessanten Bauten sind für Besucher zugänglich. Ab 13.00 Uhr gibt es in der Cafeteria im 1. Stock skandinavische Spezialitäten.

Weisbach-Wohngruppe Friedrichshain

Ebertystraße 11, 10249 Berlin

Bild der Weisbach Wohngruppe in Berlin-Friedrichshain, einer Ikone des Bauhaus-Wohnungsbaus

Weisbach Wohngruppe in Berlin-Friedrichshain

Angesichts der aktuellen Lage am Wohnungsmarkt ist ein Besuch der Weisbach-Wohngruppe ein besonders interessantes Erlebnis. Erstaunlich, mit welcher Weitsicht man um die Wende zum 20. Jahrhundert fortschrittlichen genossenschaftlichen Wohnungsbau betrieb. Der riesige Wohnblock beweist, daß es auch anders geht als mit der heutigen 08/15-Architektur.

Architekt der im englischen Landhausstil ausgeführten Weisbach-Wohngruppe war Alfred Messel (1853-1909), der u. a. auch das Pergamon-Museum plante.

Tip für die 2. Etappe:
Wer schon jetzt einen Kaffee braucht – an der Ecke des Wohnblocks befindet sich die Bäckerei Backfee mit einem sehr ansprechenden Angebot und netter Bedienung.

Ehemaliges St. Antonius-Hospital, Karlshorst

Köpenicker Allee 39 – 57, 10318 Berlin

Ehemaliges St. Antonius Hospital in Karlshorst, besucht bei einer Bauhaus-Motorradtour durch Berlin

Ehemaliges St. Antonius Hospital in Karlshorst

Die nächsten 8,5 km führen durch Friedrichshain, Lichtenberg und am Tierpark Friedrichsfelde entlang zum geschichtsträchtigen Stadtteil Karlshorst (Kapitulation am 8. Mai 1945).

Der 1930 errichtete, seinerzeit hochmoderne Krankenhauskomplex ist heute Sitz der Katholischen Hochschule für Sozialwesen. Ein Rundgang, auch um die noch nicht restaurierten Teile des Hauses, ist durchaus lohnenswert.

Tipps für die 3. Etappe:
Wenn man schon mal in dieser Ecke Berlins ist, kann man, je nach Interesse, von der Bundesstraße 1 aus gleich noch einen weiteren Besichtigungspunkt abhaken. Mit dem Motorrad geht das ja fix:
Stasi-Museum, das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit, Ruschestraße 103/Haus 1, 10365 Berlin

Technikfreunde können am Bahnhof Berlin-Lichtenberg einen der drei noch erhaltenen Luxuszüge der Deutschen Reichsbahn aus der Nähe besichtigen, die DR-Baureihe VT 18.16. Ein Stück deutscher Eisenbahngeschichte.  Auf der Frankfurter Allee am Abgang zum U-Bahnhof Lichtenberg halten – dort steht er. Wer ihn in freier Wildbahn betrachten möchte, findet eine zweite Garnitur dieses Zuges auf dem Bahnhof Ketzin im Havelland.

Haus Dittmar, Hellersdorf

Am Baltenring 24-25, 12621 Berlin

Bild vom Haus Dittmar in Hellersdorf, einer Ikone der Bauhaus-Architektur, besucht bei einer Bauhaus-Motorradtour durch Berlin

Haus Dittmar in Hellersdorf

Die 9,5 km der nächsten Etappe sind zwar relativ unspektakulär, aber problemlos zu fahren. Da sieht man mal, wie groß Berlin ist und daß es überall unterschiedlich aussieht.

Durch eine sehr nette Villensiedlung aus den 20er Jahren gelangen wir nach Marzahn-Hellersdorf zum 1932 errichteten Haus Dittmar. Neue Sachlichkeit pur. Ein Backsteinhaus aus sich überschneidenden Würfeln, toll restauriert.

Rathaus mit Wasserturm Neuenhagen

Am Rathaus 1, 15366 Neuenhagen

Bild vom Wasserturm mit Rathaus in Neuenhagen bei Berlin

Wasserturm mit Rathaus in Neuenhagen bei Berlin

Die nächsten 8 km wird es schon ländlich-sittlich. Nach Überschreiten der Landesgrenze zu Brandenburg, aber immer noch innerhalb des Berliner Autobahnrings, kommen wir nach Neuenhagen. Wie ein Solitär steht da, aus Backstein gebaut und von allen Seiten gut einsehbar, die seltene Kombination von Rathaus und Wasserturm.

Ein eindrucksvoller Klinkerbau mit einem Rathaussaal im Bauhaus-Stil. Wer ihn schon mal besichtigt hat, wird es kaum bereut haben.

Ehemalige ADGB-Bundesschule Bernau

Hannes-Meyer-Campus 9, 16321 Bernau

Bild der Anbauten der ehemaligen ADGB-Bundesschule Bernau bei Berlin

Anbauten der ehemaligen ADGB-Bundesschule Bernau bei Berlin

Jetzt folgen 27 km Autobahn und Landstraße bis Bernau bei Berlin. Am ostwärtigen Ortsrand liegt, in den Wald eingebettet, die frühere Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Vorgängerorganisation des DGB in der Weimarer Republik.

Mit seinen Ergänzungsgebäuden ist dies der weltweit größte Bauhaus-Gebäudekomplex. Wegen seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung wurde er in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Kunsthochschule Weissensee

Bühringstraße 20, 13086 Berlin

Bild der Kunsthochschule Weissensee mit Haupt- und Eingangsgebäude, besucht bei einer Bauhaus-Motorradtour durch Berlin

Kunsthochschule Weissensee

Die nächsten 23 km geht es wieder nach Berlin hinein, zur Kunsthochschule Weißensee. Auch wenn dies kein Bau aus der Zwischenkriegszeit ist, läßt sich doch durch die Gestaltung eine weitreichende Nachwirkung der Bauhausarchitektur bin in die Mitte des 20. Jahrhunderts ablesen.

Tip:
Der Stadtbezirk trägt seinen Namen nach dem Weißen See, der ein paar hundert Meter östlich der Kunsthochschule gelegen ist. Für eine Kaffeepause empfiehlt sich das Restaurant Milchhäuschen am Seeufer. Berlin mal ganz anders.

Ehemalige Reichsforschungssiedlung Haselhorst

Burscheider Weg 21, 13599 Berlin

Ehemalige Reichsforschungssiedlund Haselhorst in Berlin mit Wiese und Bäumen

Ehemalige Reichsforschungssiedlung Haselhorst in Berlin

Wer den Stadtverkehr nicht scheut, setzt seinen Weg fort durch Siemensstadt (architektonisch schon alleine einen Ausflug wert) in die ehemalige Reichsforschungssiedlung Haselhorst.

Sie wurde zwischen 1930 und 1935 nach Plänen u. a. von Water Gropius errichtet und ist das Ergebnis eines 1928 von der Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen ausgeschriebenen Wettbewerbes zur Erbauung einer Modellsiedlung für über 10.000 Menschen.

Angesichts der heutigen Lage auf dem Wohnungsmarkt mutet das Konzept sehr modern an: Die meisten der 3500 gebauten Wohnungen waren Ein- und Zweizimmer-Wohnungen mit einer Fläche von 40 bis 50 m². Damit sollte der Bedarf an preiswerten Kleinwohnungen für Arbeiterfamilien der nahegelegenen Industrieansiedlungen sichergestellt werden.

Die Siedlung steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Von 2003 bis 2013 wurde die Wohnanlage denkmalgerecht modernisiert.

Temporäres Bauhausarchiv Berlin

Knesebeckstraße 1 – 2, 10623 Berlin

Temporäres Bauhaus-Archiv Berlin, besucht bei einer Bauhaus-Motorradtour durch Berlin

Temporäres Bauhaus-Archiv Berlin

Die folgenden 9 km nach Charlottenburg hinein sind nicht unattraktiv zu fahren: Hinter Siemensstadt geht es am Charlottenburger Schloßpark vorbei und die Otto-Suhr-Allee entlang bis zum Ernst-Reuter-Platz. Vor den dortigen Geschäften und Cafés findet sich mit Sicherheit ein Parkplätzchen für das Motorrad. An der Ecke Hardenberg-/Knesebeckstraße ist nunmehr das temporäre Bauhausarchiv untergebracht. Wer schauen und auch kaufen will, ist dort bestens bedient.

Tip:
Wer nach dieser umfangreichen Tour einen Kaffee braucht und sich nicht auf den Boulevard setzen möchte, sollte seine Blicke auf das TU-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz mit der Telekom-Reklame obendrauf richten. Im obersten Stock befindet sich eine Cafeteria mit einem der schönsten Panoramen über Berlin. Bei guter Sicht läßt sich die Fahrtroute des heutigen Tages visuell nachvollziehen.

Viel Spaß bei der Entdeckung eines neuen, unbekannten Stücks Berlin.

 

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