Auf zwei Rädern um die Welt

12 Tips für Solo Motorradfahrer auf grosser Tour

Wer als Solo Motorradfahrer auf großer Tour gut über die Runden kommen will, muß einige wichtige Grundsätze beachten. Sonst ist die Freude am Fahren dahin.

Grundregel für Solo Motorradfahrer auf grosser Tour

For oft, when on my couch I lie / In vacant or in pensive mood, / They flash upon that inward eye / Which is the bliss of solitude
— William Wordsworth

Lange Strecken und einsame Gegenden. Was dabei für einen Solo Motorradfahrer vor allem zählt, ist ausgeklügelte Logistik und eiserne Disziplin. Sonst leidet der Spaß am Fahren. Daß sich bei solchen Unternehmungen zwischendurch mal ein psychischer „Hänger“ einstellt, ist vollkommen normal. Das gibt sich wieder. Man muß das alles nur richtig angehen.

Ich fahre für mein Leben gerne Motorrad. Am liebsten alleine. Wenn man als notorischer Solo Motorradfahrer gut über die Runden kommen will, gibt es eine Menge zu beachten. Sonst wird das nichts …

Deshalb hier die

12 Strategien für Solo Motorradfahrer, die ich in fünf Jahrzehnten verinnerlicht habe:

Laß Deine Leute zu Hause immer wissen, wo Du gerade bist.

Telefonzellenlager der Deutschen Telekom in Michendorf in Brandenburg

Telekom-Telefonzellenlager in Michendorf (Brandenburg)

Wenn ich in einsamen Gegenden alleine mit dem Motorrad unterwegs bin, halte ich die Meinigen auf dem Laufenden, wo ich mich herumtreibe und wann ich am Tagesziel angekommen bin. Das ist wichtig, weil wir in unserer Tourenbegeisterung dazu neigen, Gedanken und Besorgnisse der Unsrigen aus dem Auge verlieren. Für sie ist beruhigend zu wissen, wie es uns geht.

Früher mußte man dazu erst umständlich eine Telefonzelle suchen und den Apparat mit Münzen füttern. Diese Zeiten sind vorbei.

Im Zeitalter der Kommunikation via Smartphone und soziale Medien geht das viel einfacher. Meine bevorzugte Funktion ist die Einstellung „Standortfreigabe“ bei Google Maps. Da kann mich meine Frau, wenn sie will, hereinzoomen und live mitverfolgen, auf welcher Restaurantterrasse ich unterwegs gerade meinen Kaffee trinke.

Früh starten. Früh ankommen

Bild vom Abendhimmel in Kalispell MT mit den Rocky Mountains im Hintergrund

Abendhimmel über Kalispell, MT (USA) mit den Rocky Mountains am Horizont

Meine Routine: Um 6 Uhr aufstehen, Duschen, Frühstück, Maschine zurechtmachen und möglichst schon vor 8 Uhr auf Strecke gehen. Als Morgenmensch liebe das Erwachen der Natur und des Alltagslebens. Da bleibt mir viel Zeit für meine Tagesstrecke und ich habe ausreichend Zeitreserven für Pausen, Besichtigungen, Routenänderungen, Umleitungen, Staus und ähnliche Malheurs.

Straßenbauarbeiter mit einem Stopschild in der Hand neben einer rothaarigen Motorradfahrerin vor einem Truck

Mit Baustellen ist immer zu rechnen, auch im Montpelier Canyon in Idaho

Wenn ich dann am späteren Nachmittag mein Tagesziel erreiche, brauche ich mich um zusätzliche Risiken durch schlechte Sichtverhältnisse, Wildwechsel o. ä. nicht mehr zu sorgen.

Tagesstrecke klug planen

Mit der Tagesstrecke verhält es sich wie mit einem Symphoniekonzert:  Das längste Stück kommt vor der großen Pause. Der Rest wird dann übersichtlicher und leichter planbar.

Mit dieser Strategie kann man seine frische Unternehmungslust darauf verwenden, erst mal “Strecke zu machen”. Wenn es geht, auch unter Ausweichen auf eine Autobahn oder Schnellstraße. Das schafft Freiräume, um sich die Leckerbissen der Tour für den Nachmittag aufheben.

Vor allem kann man am Nachmittag in kürzeren Abständen Stops einlegen zum Tanken und Kaffeetrinken, für Besichtigungen und Umwege. Außerdem wird dann zum Fotografieren das Licht günstiger.

Wiederholte kleine Pausen am Nachmittag schonen die Konzentration und den Rücken. Das dient der Sicherheit, tut gut und reduziert gerade für den Solo Motorradfahrer das subjektive Empfinden, eine gefühlte Ewigkeit unterwegs zu sein.

Gehörschutz tragen

Auf Strecke trage ich immer Gehörschutz. Nicht nur, weil es das Gehör schont. Es beugt auch der Ermüdung vor und streckt die Konzentrationsspanne.

Meine Nichte, Pilotin bei einer großen Fluggesellschaft, hat mich mit speziellen Ohrstöpseln versorgt, die sie beim Außencheck ihrer Maschine trägt. Turbinengeräusche am Flugzeug und Windgeräusche beim Fahren liegen ziemlich im gleichen Frequenzbereich. So gerüstet, kann ich mich noch problemlos mit der Außenwelt (Polizeikontrolle??) verständigen oder wichtige Geräusche wie z. B. das Martinskorn eines Krankenwagens wahrnehmen.

Zudem haben mit meine Kinder zum Geburtstag angepaßte Ohrstöpsel (Otoplastiken) geschenkt. Das ist was ganz feines, nur zu empfehlen. Darüber an anderer Stelle mehr.

In meiner unbeschwerten Jugendzeit habe ich Musik unter dem Helm gehört. Aber das ist meiner Erfahrung nach hochgefährlich, weil es automatisch dazu verleitet, zu schnell zu fahren.

Nicht schwitzen, nicht frieren

Rothaarige Motorradfahrerin auf einer Holzbank liegend mit einer BMW R 1200 GS im Hintergrund

Eine bequeme Sommerkombi ist komfortabel, wie hier auf einer Passhöhe in den Pyrenäen

Mache Dich kundig, wie das Wetter auf der Strecke voraussichtlich werden wird und nimm die richtigen Klamotten mit. Der Markt bietet eine Fülle spezieller Ober- und Unterbekleidung nicht nur für Motorradfahrer, sondern auch für Radler oder Ruderer, die man für seine speziellen Zwecke adaptieren kann.

Warm angezogene Verkäuferin vor einem Fischverkaufsstand an einer russischen Landstraße im Winter mit getrockneten Fischen

Im kalten Russland ist eine superwarme Winterkombi besonders wichtig

Fahrtwind ist wunderbar bei Hitze. In der kalten Jahreszeit kann es dagegen brutal werden, weil man den Windchill-Effekt unterschätzt: Fährt man bei +10° C mit 60 km/h, fühlt sich das an wie 5,1 °C. Bei 5° C schlottert man dann schon in der Frostzone bei -1,8° C.

Deine Maschine muß voll in Ordnung sein

Schwarze Werkzeugrolle mit verschiedenen Werkzeugen, Landkarten, einer Dose Öl und einer Bibel

Gut gerüstet in die Rocky Mountains

Nichts ist schlimmer als mit einer unzureichend gewarteten Maschine auf große Tour gehen zu wollen. Wer auf der sicheren Seite sein will, gibt die Maschine vorher in die Werkstatt. Vorbeugen ist besser als den ADAC (oder wen auch immer) zu rufen. Reifen, Kette, Kabelzüge, alles OK?

Mein Sohn hat bei seiner Fahrschule in Kalifornien eine T-CLOCS Checkliste bekommen, die ich ganz prima finde. Wenn man die durchgeht, weiß man, woran man ist. Beim Bund hatten wir für den Kurzcheck das Kennwort WOLKE: Wasser-Öl-Luft-Kraftstoff-Elektrizitätsanlage.

Im übrigen empfiehlt sich auch die Mitnahme einer individuell zusammengestellten Werkzeugsolle. Jeder hat seine Vorlieben, je nach Maschine. Ich auch. Meine Inventarliste findet sich hier.

Minimales Gepäck

Von der „normalen“ Urlaubsreise kennen wir das: Man hat viel zu viel mitgenommen. Und was packt man hinterher nicht alles unbenutzt wieder aus? Also rigoros auf das beschränken, was man wirklich braucht. Es gibt sogar Spezialisten, die fahren nur in alter Unterwäsche und entsorgen unterwegs die getragenen Teile. Nun ja. Ich pers. fahre seit Jahren gut mit folgender Liste:

Packliste für eine Motorradtour

Packliste ohne Bekleidung

Dazu demnächst mehr in einem besonderen Beitrag. Hat man doch zuviel mitgenommen oder ist das Wetter unerwartet schön geworden, dann ab zum nächsten Postamt und den überflüssigen Krempel mit einem vorgefertigten Paket nach Hause geschickt. Das kostet im Zeitalter des online-Handels auch nicht mehr die Welt und erleichtert das Reisen kolossal.

Kartenmaterial und Navi

Schmetterling auf einer Landkarte

Ein bunter Begleiter

Ein Navi ist mittlerweile bei Tourenfahrern Allgemeingut. Jeder hat bei Modell und Menüführung seine Vorlieben. Ich weiß es besonders zu schätzen, wenn ich am Ende des Tages am Zielort angekommen bin und nicht erst durch die (Groß)Stadt zum Hotel irren muß.

Bei Karten bevorzuge ich den Maßstab 1.150.000, weil er im wesentlichen eine Tagestour abdeckt und dennoch ausreichend Details für das Besichtigungsprogramm unterwegs anzeigt. Auch hierzu bald an anderer Stelle mehr. Hat man bei großmaßstäblichen Karten einen Teil des Vorrats “abgearbeitet“, dann wie unter Ziff. 6.: eintüten und ab die Post.

Bewußt essen

Eingepacktes Brot, eine Schachtel Käse und eine Dose Elchpastete als Picknick

Essen, was das Land hergibt, bei einer Picknickpause an der estnischen Ostseeküste

Es ist nicht immer einfach, an den vielen schönen Lokalen mit guter Speisekarte einfach vorbeizufahren. Aber das kostet erstens Zeit. Und zweitens fährt ein voller Bauch nicht unbedingt gerne.

Also ist wohl das Picknick die Verköstigung der Wahl. Im schlankheitsbewußten Zeitalter halten die Supermärkte eine gute Auswahl an kleinen, leichten Sachen bereit, die man ohne Verzicht auf kulinarischen Genuß unterwegs in mehreren Etappen verspeisen kann. Und abends am Zielort so früh wie möglich (siehe Ziff. 2.) und nicht übertrieben viel essen. Das verschafft einen ruhigen, erholsamen Schlaf und einen frischen Start in den nächsten Morgen.

Bewußt trinken

Getränkebude auf einem verregneten Parkplatz mit der Aufschrift Coldest Beer in Town Lowest Prtices

Getränkestation in Tehacapi, CA (USA)

Wer möchte, kann ja seinen Urologen dazu befragen. Auch der wird sagen: Im Grunde trinken wir alle viel zu wenig. Das ist besonders beim Motorradfahren bedenklich. Wenn man erst dann trinkt, wenn sich der Durst einstellt, ist das eigentlich schon zu spät.

Zu wenig trinken schwächt die (überlebensnotwendige) Konzentration, kann Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder Übelkeit verursachen. Bei heißem Wetter in südlichen Ländern ist auch ein Liter pro Stunde nicht übertrieben. Außerdem verschafft es einem willkommene Kurzpausen zwischendurch …

Überlebenswichtige Informationen bereithalten

Eine schlimme Vorstellung: Unfälle sind nie auszuschließen. Bei der Erstversorgung und auch danach kommt es meist auf jede Minute an. Was aber, wenn man selbst nicht mehr sprechen und den Rettern/Ärzten nicht die wichtigsten Informationen kann? Blutgruppe? Unverträglichkeiten? Medikamente? Kontaktadressen? Krankenversicherung?

Je mehr die Retter von mir wissen, desto schneller und effektiver kann die Behandlung von statten gehen. Ich habe mir deshalb alle wichtigen Informationen auf einen USB-Stick gespeichert, den ich bei Touren an einer Kugelkette um den Hals trage.

Wer hat noch weitere erprobte Ratschläge für Solo Motorradfahrer auf grosser Tour?

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